Freien Plätzen in etlichen Einrichtungen steht Warteschlange in Mandern gegenüber

Freie Kita-Plätze wollen gemanagt sein

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Bad Wildungen - Zehn Kindergärten und -tagesstätten; sieben verschiedene Träger von Vereinen über Kirche, Lebenshilfe und DRK bis hin zur Stadt selbst. Alle unter einen Hut zu bringen und eine gleichbleibend hohe Qualität zu sichern; das ist das Ziel der Stadt. Der Sozialausschuss beriet darüber, wie es auch in Zukunft erreicht wird.

Seit Jahren gibt es einen Koordinator für die Betreuungseinrichtungen, dotiert mit einer halben Stelle. Aktuell bekleidet noch Markus Pfeil, zugleich Leiter des Odershäuser Kindergartens, diesen Posten. Doch er wechselt demnächst in den Altwildunger Kindergarten, zurück in die Gruppenarbeit als Erzieher. „Die Stelle der Koordination ist ausgeschrieben“, sagt Bürgermeister Volker Zimmermann und ergänzt, dass Pfeils Nachfolger oder Nachfolgerin möglicherweise bald ein erweitertes Aufgabenfeld bestellen muss. Bislang diente die Stelle allein dazu, die pädagogische Arbeit aller Betreuungseinrichtungen in Bad Wildungen aufeinander abzustimmen, gemeinsam mit allen Trägern Standards zu formulieren und in die Tat umzusetzen. „Das funktioniert sehr gut“, fügt Pfeil hinzu. „Ein Schwerpunkt liegt auf dem letzten Jahr vor der Einschulung, damit alle Kinder mit gleichen Voraussetzungen die Schule beginnen können“, erklärt Dieter Schöke (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses. Die zusätzliche Aufgabe, die auf die neue Koordinatorin warten könnte, ist eine rein organisatorische: ein Management der freien Plätze in den Einrichtungen, übergreifend über alle Anbieter. „Wohnortnahe Betreuung steht bei den Elternwünschen ganz oben auf der Liste. Das zeigen unsere Umfragen“, berichtet Markus Pfeil. Dem müsse die Stadt nach Möglichkeit gerecht werden, lautet die persönliche Ansicht von Dieter Schöke, der speziell Wega und Mandern im Blick hat. Während sich in den meisten Einrichtungen Angebot und Nachfrage nach Plätzen die Waage halten oder freie Plätze zur Verfügung stehen, ist es im Manderner Ederauenland eng geworden, so dass Wegaer und Manderner Kinder das Nachsehen haben könnten, obwohl die Einrichtung auch mit Blick auf den Bedarf in diesen beiden Dörfern gebaut wurde. Das DRK würde dort deshalb gerne eine weitere Gruppe eröffnen. Einer der Gründe für die Beliebtheit der Einrichtung liegt augenscheinlich den langen Öffnungszeiten vom frühen Morgen bis in den späteren Nachmittag hinein. In Wega und Mandern kursieren beispielsweise unbestätigte Meldungen, dass die Bundeswehr in Fritzlar explizit auf die Manderner Kita als geeignete Einrichtung in der Nähe des Standortes hinweise.„Der gesetzliche Anspruch der Eltern auf einen Platz bezieht sich aber nicht auf den wohnortnächsten Kindergarten, sondern auf das gesamte Stadtgebiet“, stellt Bürgermeister Volker Zimmermann klar. Er verweist darauf, dass sechs Kinder aus Edertal und drei Kinder aus Ungedanken in Mandern betreut werden. Eine neue Gruppe würde 50 000 Euro kosten.Zu den neuen Aufgaben eines Kiga-Koordinators könnte deshalb gehören, das Motto „Wildunger Kinder zuerst“ in den Einrichtungen einzuführen. „Dazu bedarf es aber vertraglicher Vereinbarungen mit allen nicht-städtischen Trägern, denn bislang existiert ein Weisungsrecht des Koordinators naturgemäß nur für die städtischen Einrichtungen“, ergänzt Zimmermann. Ein solches Platz-Management müsse vorausschauend den Bedarf an Betreuung für die jeweils folgenden drei Jahre in den Blick nehmen. Zur Not müssten Einrichtungen Plätze frei halten für Kinder aus dem Einzugsgebiet, die im folgenden oder übernächsten Jahr in den Kindergarten kommen.Die Gemengelage wird keineswegs übersichtlicher durch die Tatsache, dass viele Eltern neben der Wohnortnähe gesteigerten Wert auf spezielle Schwerpunkte in der Erziehung legen. Den einen ist Musik besonders wichtig, den anderen der erste Kontakt mit Fremdsprachen oder eine christliche Ausrichtung. Dafür nehmen solche Mütter und Väter im Zweifel eine weitere Anfahrt in Kauf, wenn der nächstgelegene Kindergarten eine andere Orientierung aufweist. „Das bleibt möglich: Wir wollen den Eltern ja nicht vorschreiben, ihre Kinder wohnortnah unterzubringen. Und wir wollen keine Einheitskindergärten, jeder soll seinen eigenen Charakter wahren“, betont Schöke. Er verweist auf einen zusätzlichen Aspekt. Auswärtige Eltern, die in Bad Wildungen arbeiten, sollten ebenfalls Zugang zu den Betreuungseinrichtungen in der Stadt haben. Dem stimmt der Bürgermeister zu und hält deshalb eine Einrichtung wie das „Mäusenest“ im ehemaligen Liborius-Krankenhaus für zukunftsweisend. Die Stadt kooperiert dort mit den Wicker- und den Asklepios-Kliniken, die als Arbeitgeber ein Interesse daran haben, dass ihre Fachkräfte die eigenen Kinder während der Arbeitszeiten gut betreuen lassen können. Ein Anreiz, schneller wieder in den Beruf einzusteigen.Die Öffnungszeiten spielen eine zentrale Rolle, „obwohl die Nachfrage nach sehr frühen und sehr späten Zeiten nicht so hoch ist“, meint Zimmermann. Das zeitlich ausgedehnte Angebot im Hadekin Reinhardshausen oder in Mandern reiche aus. Wenn sich der Bedarf ändere, müsse man reagieren.

Bei alledem ist allerdings klar: Bezüglich der Erziehung von Kindern diskutieren die Wildunger Sozialpolitiker eher Luxusprobleme, wie die Zahlen zeigen. Die Stadt erreicht bei den Unter-Dreijährigen einen Versorgungsgrad von 48 Prozent, inklusive des Einsatzes von Tageseltern. Gesetzlich gefordert sind mit Stichtag 1. August 35 Prozent. Tatsächliche Nachfrage und Angebot decken sich in Wildungen. Der Betreuungsschlüssel beträgt 2,69 Erzieherinnen pro Gruppe. Gesetzlich verlangt: 1,75. „Das lassen wir uns 700 000 Euro mehr im Jahr kosten, aber wir wollen diese Qualität, weil sie sich in der Zukunft auszahlt“, betont der Bürgermeister. Das alles bei rekordniedrigen Gebühren im Landkreisvergleich. Gleichwohl räumt der Bürgermeister ein, dass eine Zusammenarbeit mit benachbarten Kommunen beim Bau neuer Kindergärten in der Vergangenheit sinnvoll gewesen wäre, um Überkapazitäten zu vermeiden und Kosten zu senken. Wie schwer so etwas politisch zu realisieren sie, zeige allerdings die Diskussion um den gemeinsamen Standesamtsbezirk Wildungen/Edertal. Ansonsten funktioniere die Zusammenarbeit: „Wir stellen uns zum Beispiel nicht gegenseitig die Kinder aus der Nachbarkommune in den Einrichtungen in Rechnung.“

Von Matthias Schuldt

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