"Groß gedacht! Groß gemacht?"

Freunde des Altwildunger Schlosses besuchen Landgraf Carl-Ausstellung

Das Leben von Landgraf Carl: Freunde von Schloss Friedrichstein besichtigten die Ausstellung; rechts Vorsitzender Peter Schultheis mit Ausstellungskurator Dr. Sebastian Dohe. Foto: Senzel

Bad Wildungen. Das Leben des Landgrafen Carl ist unter dem Titel „Groß gedacht! Groß gemacht?“ Thema einer Landesausstellung in Kassel. 35 Mitglieder und Freunde der Schloss-Freunde besichtigten sie nun.

Der kürzlich aus dem Amt geschiedene Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK), Professor Dr. Bernd Küster hatte in der Jahreshauptversammlung der Gemeinschaft der Freunde Schloss Friedrichstein mit einem Vortrag das Interesse daran geweckt. Mitglieder des Ausstellungs-Kuratoriums führten die Wildunger durch die aufwendig präsentierte Schau. 

Neben geschichtlichen Informationen gab es auch einen Blick „hinter die Kulissen“. Sechs Kuratoren haben mit einer Gruppe von internen und externen Mitarbeitern mehr als drei Jahre die Ausstellung mit einem Etat von gut einer Million Euro organisiert. Die wichtigsten der insgesamt 720 Ausstellungsstücke wurden erläutert. Die Wildunger erfuhren, dass Landgraf Carl (1654-1730) als 16-jähriger die Regierungsgeschäfte des unter den Nachwehen des 30-jährigen Krieges leidenden Hessen-Kassel übernommen hat. Er fand ein weitgehend verwüstetes Land vor, das fast die Hälfte seiner Bevölkerung verloren hatte.

Landgraf Carl: ein Förderer der Forschung

Der Landgraf heiratete die Verlobte seines Bruders, die Herzogin Maria Amalie von Kurland, die ihm 17 Kinder schenkte. Hessen-Kassel gehörte zu den mittelgroßen Gebieten des Reiches, umfasste etwa das nördliche Drittel des heutigen Bundeslandes Hessen. Um 1730 zählte die Landgrafschaft ungefähr 250 000 Einwohner –- ein Viertel mehr als die Stadt Kassel heute.

Der Kurator, die die Besucher durch die Ausstellung führte, ging ausführlich auf Landgraf Carl als Förderer der Forschung ein und auf zahlreiche militärische Konflikte. Die Landesausstellung gibt Antwort auf die Fragen, welche seiner hochgesteckten Pläne Landgraf Carl realisieren konnte und welche nicht über die Planungen hinauskamen. Mit Interesse wurde das Prunkstück der Ausstellung hinter Glas angeschaut, der Königsmantel des schwedischen Königs Friedrich – einem der Söhne von Landgraf Carl. Es ist eine Leihgabe aus Stockholm. Viel beachtet war auch das Perpetuum Mobile, das ein Scharlatan mit Namen Orffyreus (bürgerlich Johann Elias Ernst Bessler) dem Landgrafen „angedreht“ hatte und zwei Monate an dessen Hof in einem versiegelten Raum Probe gelaufen ist. „Landgraf Carl war ein gelehrter Herrscher und prägte durch seine ambitionierten Bauprojekte Kassel und Hessen bis heute“, zog Kurator Dr. Sebastian Dohe Bilanz.

Professor Küster hatte es in Bad Wildungen so ausgedrückt: „Ohne Landgraf Carl wäre heute Kassel so wie Bielefeld.“ Die Landesausstellung ist noch bis Sonntag, 1.Juli, jeweils von dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr sowie donnerstags bis 20 Uhr zu sehen, die Kürze der Ausstellung ist der besonders großen Lichtempfindlichkeit vieler der Exponate geschuldet. (szl)

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