Neues vom Ederlurch

Frischquak Unverzichtbar

Bad Wildungen - Ein Printredakteur hat’s schwör in dieser Zeit. „Die Zeitungen sterben“, unken von allen Seiten die Experten, „wer braucht noch Texte auf Papier?“ Internet und I-Pad sind viel bequemer, und obendrein gibt’s Infos für lau, was im www die Welt für selbstverständlich hält. Was wohl der Bäcker sagt, wenn ich morgen bei ihm einlaufe und verlange, dass er mir die Brötchen schenkt?

Ihr könnt euch daher vorstellen, dass mir jüngst das Kompliment einer jungen studentischen Leserin für unser Metier runterging wie Öl. „Also ich bin heilfroh über das Zeitungs-Abo, das mir meine Eltern geschenkt haben“, meinte sie und damit nicht genug: Ihre bedauernswerten – weil zeitungsabolosen – Nachbarn aus dem Studentenwohnheim würden ihr das kostbare Stück mopsen, sobald sie nicht morgens darauf aufpasse wie ein Luchs.

„Ja, ja“, gab ich zur Antwort: „Totgesagte leben länger“, hob ich mit einem leichten Unterton der Genugtuung zu meinem kleinen Vortrag an und fuhr fort: „Es geht doch nichts über das Knistern der Zeitungsseiten am Frühstückstisch, über dem der Duft von Kaffee und frischen Brötchen schwebt, während die Sonne zum Fenster hereinblinzelt. Die wichtigsten Nachrichten aus der Welt und vor allem die unverzichtbaren Neuigkeiten aus deinem Viertel, qualitativ hochwertig geschrieben und ausrecherchiert...“

Als ich mich in Begeisterung zu verlieren drohte, bemerkte ich, dass die junge Dame ruhiger wurde und verlegen zu Boden blickte. „Was ist denn? Habe ich nicht recht?“, fragte ich.

Na ja, antwortete sie, „also im Moment ist mir die Zeitung wegen des Herbariums so unverzichtbar. Ich studiere doch Biologie – wie alle meine Zimmernachbarn.“

Herba-was? „Herbarium“, wiederholte sie geduldig: „Wir sammeln und bestimmen Blütenpflanzen, pressen sie zwischen Zeitungsseiten trocken und werden dazu geprüft...“

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Tja, räusperte ich mich, nachdem ich die Fassung wiedergewonnen hatte: „In der Tat: Es bräuchte eine Menge teurer I-Pads, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Übrigens eignen sich Zeitungen auch ganz hervorragend zum Fensterputzen, als Füllstoff bei Paketsendungen oder um Fisch...“. Na ja, Ihr wisst schon. Auf jeden Fall ist es ein beruhigendes Gefühl, dass wir für Leser unverzichtbar sind, meint

der Ederlurch

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