Gefährliche Körperverletzung statt versuchten Mordes

Fünf Jahre Haft wegen Manderner Messerangriffe

Luftbild vom  Wildunger Stadtteil Mandern.
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Ende April 2020 Schauplatz der Messerattacken: der Wildunger Stadtteil Mandern.

Fünf Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung; weder versuchter Mord noch versuchter Totschlag. So endete der Prozess um die Messerangriffe im Wildunger Stadtteil Mandern.

  • Der Prozess um die Messerangriffe eines Ehemannes auf seine Frau und seinen Stiefsohn im Bad Wildunger Stadtteil Mandern ist zu Ende
  • Das Landgericht Kassel verurteilte den 54-jährigen Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft
  • Weil beim Angriff auf die Frau die Tötungsabsicht nicht nachweisbar sei und der Angeklagte den versuchten Totschlag an seinem Stiefsohn abbrach, entschied das Landgericht Kassel auf gefährliche Körperverletzung

Bad Wildungen/Kassel – Dieses Urteil verkündete die sechste große Strafkammer des Landgerichts Kassel am Dienstag gegen den 54-jährigen, früheren Manderner, der Ende April 2020 erst seine Noch-Ehefrau und dann seinen Stiefsohn mit dem Messer angriff. Ausgangspunkt war nach Auffassung des Gerichts ein Streit zwischen Mutter und Vater um die Tagesgestaltung der Tochter.

„Der Angeklagte redete sich in Rage, erkannte, dass er vor dem Hintergrund der zerrütteten Beziehung keinen Faktor in der Familie mehr darstellt, und plötzlich schlug er auf seine Frau ein“, fasste Vorsitzender Richter Volker Mütze zusammen. Irgendwann griff der Angeklagte zum Messer und stach zu. „Allein aus den Verletzungen können wir aber nicht schließen, dass er lebenswichtige Organe treffen wollte oder das in Kauf nahm, und die Zeugin erinnert sich nicht an das Messer“, sagte Mütze.

Tötungsvorsatz beim Messerangriff auf die Ehefrau nicht nachweisbar

Ein Tötungsvorsatz sei nicht nachweisbar, die Tat eine spontane: „Er hätte gleich ein Messer nehmen und auf die Frau einstechen können“, fügte der Vorsitzende hinzu. Die Erinnerungslücken der Frau seien dabei verständlich und nicht ungewöhnlich.

Anders bewertet das Gericht die Messerattacke auf den Stiefsohn. Die Stiche hätten lebenswichtigen Organen des Oberkörpers gegolten. Der Angreifer wusste: Diese zu treffen, hätte den jungen Mann töten können, der die Gefahr mit seinen Beinen abwehrte. Daher handelte es sich laut Strafkammer um versuchten Totschlag, aber: „Der Angeklagte trat von diesem Versuch zurück“, führte Mütze aus. Wer den Versuch eines Totschlags oder Mordes selbst beendet, den befreit das Gesetz von Strafe für diese Tatvorwürfe.

Übrig bleibt von den Vorwürfen die zweifache, wegen Einsatz des Messers gefährliche Körperverletzung

Das Gericht knüpft seine Einschätzung an die Aussage des Angeklagten, „das Rufen seines Namens habe in seinem Kopf einen Schalter umgelegt und er habe gesehen, was er getan hat“, so Mütze. Dazu passe das rationale Verhalten im Anschluss: das Messer wegzuwerfen, die Tochter ins Zimmer zu schicken, wegzufahren und sich mit Anwalt der Polizei zu stellen.

Übrig bleibt die zweifache, wegen Messereinsatzes gefährliche Körperverletzung. Strafrahmen: sechs Monate bis zehn Jahre Haft. Wegen mildernder Umstände, wie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung des Mannes, sinkt der Rahmen auf drei Monate bis fünf Jahre.

Gesamtstrafe von fünf Jahren für beide gefährlichen Körperverletzungen

Für den Angriff auf die Frau verhängte das Gericht drei Jahre, für die Messerattacke auf den Stiefsohn dreieinhalb Jahre. Das ergab die Gesamtstrafe, die höher als die höchste Einzelstrafe und niedriger als die Summe der Einzelstrafen liegen muss. Der Verurteilte bleibt in U-Haft wegen Fluchtgefahr.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft prüfen Revision des Urteils. Die Anwälte des 54-Jährigen zeigten sich jedoch zufrieden, dass das Gericht ihrer Wertung der Messerangriffe als gefährliche Körperverletzungen folgte. Im Strafmaß hatten sie dreieinhalb Jahre beantragt, während die Staatsanwaltschaft wegen Mordversuchs auf zehn Jahre plädiert hatte. (Matthias Schuldt)

15 Minuten lang erlebten die Opfer damals Todesangst, hatten sie vor Gericht geschildert.

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