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Fünf neue Stolpersteine in Bad Wildungen verlegt

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Pflaster geöffnet: Der Künstler Gunter Demnig aus Alsfeld hat neue Stolpersteine in Bad Wildungen verlegt, hier in der Altstadt.
Pflaster geöffnet: Der Künstler Gunter Demnig aus Alsfeld hat neue Stolpersteine in Bad Wildungen verlegt, hier in der Altstadt. © Johannes Grötecke

Der Künstler Gunter Demnig aus Alsfeld hat fünf neue Stolpersteine in Bad Wildungen verlegt.

Bad Wildungen – Sie erinnern an ehemalige Einwohner jüdischen Glaubens, die in der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. Über 100 solcher Steine sind es mittlerweile, die seit 2006 an vielen Orten in Bad Wildungen angebracht wurden.

Verlegt an drei neuen Orten in Bad Wildungen

Mit dieser insgesamt neunten Verlegung kommen nun drei neue Orte hinzu, und zwar sind es die Adressen in der Neuen Straße, der Bahnhof- und der Richard-Kirchner-Straße. Bürgermeister Ralf Gutheil lobte in einer kurzen Ansprache die Bürgerinitiative, die vor Ort an konkrete einzelne Opfer erinnere, die einst integraler Bestandteil dieses Ortes gewesen seien.

An folgende ehemalige Bewohner der Stadt Bad Wildungen erinnern die neuen Stolpersteine:

Cilly Neuwirth flüchtete nach Großbritannien

Cilly Neuwirth: Sie wurde 1911 in Hannover geboren. In einigen Quellen finden sich auch die Vornamen Lilli und Serel. Ihr Vater führte drei Herrenbekleidungs- und Schuhwarengeschäfte in Hamburg und Neumünster. Cilly hatte die jüngeren Geschwister Berta und Isidor, wohnte später in Heiligenstadt, dann in Bad Wildungen in der heutigen Richard-Kirchner-Straße 10. Hier wurde sie zunächst als „Kurgast“, später als „Haustochter“ geführt.

Cilly Neuwirth flüchtete nach Großbritannien.
Cilly Neuwirth flüchtete nach Großbritannien. © Stadtarchiv Bad Wildungen/pr

Im August 1937 zog sie nach Hannover, Ende Oktober 1938 wurde sie nach Polen abgeschoben und floh 1939 ebenso nach Großbritannien wie ihre Geschwister und Mutter Zilly. Vielleicht war die Flucht schon in Bad Wildungen geplant, wo sie bereits 1936 einen Reisepass beantragt hatte. Vater Szaja blieb in Hamburg, musste seine Geschäfte unter Wert verkaufen. Seine Fluchtpläne nach Großbritannien und Palästina scheiterten, er wurde 1941 nach Minsk deportiert. Tochter Cilly wurde 1948 britische Staatsbürgerin und starb mit 67 Jahren in Leeds.

David Katz starb im Ghetto Theresienstadt

David Katz: Er wurde 1873 in Mandern geboren als Sohn von Joseph Katz und Frau Johanna, geb. Stern. In Bad Wildungen lebte er in der Bahnhofstraße 9 wie auch seine Brüder Julius und Isaak mit ihren Familien. Er war ledig, wohl geistig behindert, als Beruf wird „Gehilfe“ angegeben. Ende 1936 verzog er nach Nentershausen im heutigen Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Später lebte er im Israelitischen Altersheim in Kassel, von wo er 1942 deportiert und im Ghetto Theresienstadt ermordet wurde.

Familie Baruch lebte in Bergheim, Wildungen, Fritzlar

Familie Baruch: Julius Baruch war Soldat im Ersten Weltkrieg und stammte aus Bergheim. Dort heiratete der Händler 1922 Emilie, geb. Katz aus Flieden, in Bergheim wurden auch ihre Kinder geboren. Anfang 1936 zogen die Baruchs mit Sohn Joseph, Jahrgang 1923, nach Bad Wildungen. Ein Grund dafür war vielleicht, dass auch Julius Bruder Felix mit Familie hier lebte.

Julius Baruch kam in Fritzlar in „Schutzhaft“.
Julius Baruch kam in Fritzlar in „Schutzhaft“. © Stadtarchiv Fritzlar/pr

Die Baruchs waren in der Lindenstraße 16, später in der Neuen Straße 5 untergebracht, wo auch die Familie von Siegmund Samuel wohnte, die 1938 nach Argentinien auswanderte. Die Baruchs zogen 1937 nach Fritzlar, wo heute Stolpersteine an sie erinnern. Julius kam nach der Pogromnacht dort in „Schutzhaft“ und wurde für einige Wochen nach Buchenwald deportiert.

Emilie Baruch starb mit ihrem Mann in Auschwitz.
Emilie Baruch starb mit ihrem Mann in Auschwitz. © Stadtarchiv Fritzlar/pr

Ende 1940 zog das Ehepaar nach Frankfurt/Main und wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Das Paar starb 1944 in Auschwitz. Sohn Joseph zog ebenfalls nach Frankfurt, später kam er von Hamburg ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz), wo er 1941 starb. (Johannes Grötecke)

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