Die einen bei den Gästeankünfte, die anderen bei den Übernachtungen

Gäste- und Übernachtungszahlen 2018 veröffentlicht: Bad Wildungen und Bad Arolsen in Rekordlaune

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Kurstadt im Wandel, der sich in den Gäste- und Übernachtungszahlen niederschlägt: das Wildunger Kurviertel mit Kliniken und Hotels.

Bad Wildungen/Bad Arolsen –Das Statistische Landesamt hat die Gäste- und Übernachtungszahlen  2018 veröffentlicht. Bad Wildungen vermeldet den dritten Rekord in Folge bei den Gäste-Ankünften. Bad Arolsen erzielte einen Rekord bei den Übernachtungen.

Nach 2016 und 2017 vermeldet Bad Wildungen für 2018 den nächsten Rekord bei den Gästeankünften, gemessen an den Zahlen, wie sie die Statistischen Landesämter in Deutschland seit 1991 erheben. 135 600 Gäste checkten 2018 in der Reha-Metropole ein (+0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). 2017 waren es 135 600 (+1,9 Prozent) und im Jahr davor 133 100 (+2,8 Prozent).

Zum Vergleich: 1991 kamen knapp 102 400 Gäste in Wildungen und Reinhardshausen an.

Die Datengrundlage für die Statistik

Gemeldet werden die Daten sowohl von den Reha-Kliniken als auch von den Pensionen und Hotels oberhalb der Grenze von 10 Betten. Die Gastgeber unterhalb dieser Schwelle fallen aus den Angaben des Statistischen Landesamtes ebenso heraus wie die Patienten von Akut-Krankenhäusern, sei es die Stadtklinik, die Werner-Wicker-Klinik Reinhardshausen oder die Klinik Westend. „Hinzu kommt, dass drei Reha-Kliniken in Reinhardshausen in den vergangenen Jahren 10 Prozent ihrer Betten in Akut-Betten umgewandelt haben, die so ebenfalls keinen Eingang in die Statistik mehr finden“, erklärt Reckhard Pfeil vom Stadtmarketing.

Die Übernachtungen in Bad Wildungen

Die Zuwächse bei den Übernachtungszahlen bleiben hinter denen der Gästeankünfte zurück. Das ist ein mittlerweile sehr stabiler Trend in Bad Wildungen, der darauf hin deutet, dass Privatgäste weiter an Bedeutung für die Stadt zulegen. Während sie in der Regel einige Tage bleiben, verbringen Reha-Patienten zumeist mindestens drei Wochen in der Stadt. Gleichwohl ändert diese Entwicklung nichts an der Tatsache, dass die Reha das um ein Vielfaches stärkere Standbein des Fremdenverkehrs im früheren Weltbad bleibt.

Ablesen lässt sich das auch an den Spuren, welche die Gesundheitsstrukturreform aus der Mitte der 1990er Jahre bis heute in den Statistiken hinterlässt. Von knapp 2 Millionen Übernachtungen stürzte Bad Wildungen 1997 ab auf etwas mehr als noch 1 Million.

Die 1,436 Millionen von 2018 liegen unterhalb des nach dem Einbruch bisher besten Ergebnisses von 2012: Es betrug 1,47 Millionen Übernachtungen.

Der Aufschwung bei den Privatgästen äußert sich laut Reckhard Pfeil unter anderem in den hohen Auslastungen etwa der Göbels Hotels in Bad Wildungen und Reinhardshausen oder der früheren Reha-Klinik Helenenquelle. Ein interessanter, weiterer Aspekt: Seit 2018 werden gezielt die Wohnmobil-Übernachtungen am Bahnhof gezählt: Zwischen 5000 und 6000 waren es im Vorjahr immerhin.

Der blinde Fleck in der Statistik

„Ein blinder Fleck der Statistik bleiben Gäste und Übernachtungen bei Gastgebern unter 10 Betten“, sagt Reckhard Pfeil. Bad Kissingen, mit dem Bad Wildungen sich jedes Jahr einen Zweikampf um Rang zwei der stärksten deutschen Heilbäder hinter Bad Füssing liefert, schätze die Gäste- und Übernachtungszahlen dieser Kleinbetriebe und lasse sie in die Statistik einfließen. „Aber ein solches Vorgehen halten wir nicht für verlässlich genug und verzichten deshalb darauf“, fügt Pfeil hinzu.

Die Lage in Hessen insgesamt

In Hessen bleibt die Badestadt auf Platz eins vor Wiesbaden (1,25 Millionen Übernachtungen) und Willingen (1,02 Millionen). 9,84 Millionen Übernachtungen verzeichneten die hessischen Heilbäder und Kurorte gemeinsam 2018. Das Jahr fiel damit ähnlich stark aus wie 2016, während der Wert 2017 sogar bei etwas über 10 Millionen lag.

Das Bad Arolser Rekordjahr

Auf ein Rekordjahr blickt die auch die Stadt Bad Arolsen im Fremdenverkehr. Durch einen Anstieg der Übernachtungen um 6,3 Prozent auf über 140 000 sei eine Schallmauer durchbrochen worden, kommentiert Bürgermeister Jürgen van der Horst die neuesten Statistiken für Hessen. Auch die Zahl der Ankünfte erreichte Rekordniveau: Durch ein Plus von 8,8 Prozent wurden hier 65 000 Gäste erreicht. Oben drauf kämen die Zahlen aus dem Wohnmobilhafen, der wegen der besonderen Zählweise in der Tourismusstatistik nicht erwähnt wird. Betriebe unter zehn Betten werden nicht aufgeführt. Auch die Schön Klinik mit ihren beiden Häusern in Bad Arolsen tauche in der Statistik nicht auf, obwohl auch sie zu einer Zunahme der Gäste beitrage. Der anhaltend positive Trend spiegele auch die Investitionen in die touristische Infrastruktur wider. „Wir fahren jetzt die Ernte ein“, freut sich der Rathauschef. 

Die Arolser Investitionen der vorigen Jahre

Der Neubau des Strandbads, die Anlage von Einstiegshilfen, die WLAN-Hotspots trügen mit zur der positiven Entwicklung bei. Arolsen habe trotz seiner überschaubaren Größe einiges zu bieten, verweist er auf die bundesweit ausstrahlenden Barock-Festspiele. Aber auch das Schloss oder das Gesundheitsangebot seien wichtige Faktoren. Tagungen und Fortbildungen, etwa im Welcome-Hotel, aber auch die Öffnung der Arolsen Archives (Internationaler Suchdienst) für die Forschung bringe Menschen nach Arolsen. Das Hotelprojekt in Landau mit dem Schwerpunkt auf Fortbildungen habe sich 2018 noch nicht voll ausgewirkt. Positive Impulse gebe das Brauhaus-Projekt. Die Pläne für eine attraktivere Gestaltung der Stadt, etwa die Umwandlung der Brachen am Tannenkopf in Wohngebiete oder die Gestaltung der Thieleaue auf dem Gelände des ehemaligen Schwimmbads, entfalteten ebenfalls ihre Wirkung. Ein wichtiges Zielland seien die Niederlande, daher beteilige sich der Touristikservice der Stadt an den dortigen Messen. Einen starken Anteil machen deutsche Gäste aus, darunter viele aus Südhessen. su/ah

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