Mitarbeiterin des Schlossmuseum gibt bei Schneewittchenführung falsche Auskunft

Gast mit Blindenführhund abgewiesen

Bad Wildungen - Gaetana Chiramonte ist empört und verletzt von dem, was sie im Museum auf Schloss Friedrichstein erlebte. Die blinde Frau wollte mit ihrem Führhund „Basti“ an der Schneewittchen-Führung teilnehmen, doch sie stand kaum im Foyer, da wies eine Mitarbeiterin des Museums sie ab.

„Im Kommandoton hieß es: Hunde dürfen hier nicht rein“, gibt die Bonnerin wieder, wie sie den Auftritt der Beschäftigten empfand. Nicht nur ihr ging es so, sondern auch Angie Niefer und Ute Kruft, zwei sehenden Klinik-Patientinnen, mit denen Gaetana Chiramonte zusammen den Ausflug unternahm. „Die Dame trat auf wie jemand von der Security“, schildert Angie Niefer ihren Eindruck.

Gaetana Chiramonte versuchte, die Museumsmitarbeiterin davon zu überzeugen, dass Blindenhunde im juristischen Sinn keine Hunde sind. Königspudel „Basti“ stelle ein Hilfsmittel dar, weil er seiner Besitzerin in einer Welt von Sehenden ein hohes Maß an Unabhängigkeit ermögliche. Deshalb hätten Blindenhunde im Allgemeinen Zutritt zu öffentlichen Einrichtungen. „In Bonn komme ich problemlos ins Museum“, sagt Gaetana Chiramonte.

Ich weiß nicht, welchen Schaden ein Hund bei der Schneewittchenführung hätte anrichten können. Alle Gegenstände waren in Vitrinen untergebracht“, erzählt Begleiterin Angie Niefer, die wie Ute Kroft nur mitging, weil Gaetana Chiramonte darauf drängte.

Die Museumsmitarbeiterin war hart geblieben. Den Hund allein draußen warten zu lassen, wie sie meinte, kam für „Bastis“ Besitzerin aber nicht in Frage. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ein Blindenhund gestohlen wird.

Auf Kosten des Museums setzte sich Gaetana Chiramonte zum Kaffeetrinken auf die Terrasse. Sie erhielt die Auskunft, dass ein Großteil der Führung ohnehin im Freien stattfinde und sie sich im Weiteren anschließen könne. „Gewartet habe ich fast eine Stunde, und es war richtig kalt“, schildert die Reha-Patientin.

„Die Auskunft war falsch: Blindenhunde dürfen in unsere Museen“, unterstreicht Natascha Callebaut, Pressesprecherin der Museumslandschaften Hessen Kassel (mhk), denen die Einrichtung gehört. Eigentlich wisse das die Beschäftigte auch; ihre ablehnende Haltung habe sich aus besonderen Umständen ergeben.

Die Schneewittchenführung wird vom Wildunger Stadtmarketing angeboten, und mehr als 100 Besucher wollten an jenem Tag mit. „Es war sehr voll. Die Mitarbeiterin sah, dass Kinder in der Enge Angst vor dem großen Hund hatten und bat darum, ihn draußen zu lassen“, erklärt Natascha Callebaut und drückt im Namen der mhk ihr Bedauern aus: „Frau Chiramonte ist mit ihrem Hund herzlich willkommen.“

Reckhard Pfeil vom Stadtmarketing bestätigt das Chaos an dem bewussten Nachmittag: „Wir wurden vom Ansturm überrascht und stellen uns für die nächste Führung an Ostern besser darauf ein.“ Die lange Wartezeit für Gaetana Chiramonte auf der Terrasse ergab sich zu allem Überfluss aus spontanen Änderungen des Ablaufs angesichts des Andrangs.

Fest steht für Pfeil, dass sich Bad Wildungen, das weitgehende Barrierefreiheit anstrebt und damit werben will, Vorfälle wie diese nicht erlauben kann. „Wir vom Stadtmarketing greifen in solchen Szenen auch ein, wenn wir´s mitbekommen“, verspricht er.

Von Matthias Schuldt

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