Gebärtunnel zum Geburtstag

Mühsam im steinigen Boden: Pflanzlöcher für Hainbuchensetzlinge werden ausgehoben. Fotos: Conny Höhne

Edertal-Bringhausen - Eine Kunstroute als Geburtstagsgeschenk: Zum zehnjährigen Bestehen des Nationalparks Kellerwald-Edersee 2014 entsteht derzeit das erste von zehn „Land-Art-Projekten“ - ein Tunnel aus Rot- und Hainbuchen.

. „Es ist eine Hommage an die Natur“, beschreibt Künstler Leo Handler aus dem Burgenland das Gerippe aus jungen Rotbuchenstämmchen im Banfetal. „Ohne die Natur wird gar nichts gebären.“ Deshalb nennt er das Projekt einen „Gebärtunnel“. Er führt Wanderer auf der Bloßenbergroute in den Wald hinein und auch wieder hinaus, skizziert der Künstler aus der Partnerregion des Landkreises Wal­deck-Frankenberg sein Werk.

Alle Sinne sind angesprochen

Edertaler Schüler unter der Leitung von Lehrer Klaus-Peter Schindzielorz steckten schlanke Buchenäste unter Anleitung des Künstlers und Rangern des Nationalparks zu einem Tunnel, der sich auf 20 Metern von der Lichtung in den Wald windet. Mit Pflanzspaten, Wiedehopf und Brechstange wurden Löcher für Hainbuchensetzlinge ausgehoben. Sie werden später mit dem Gerüst aus Rotbuchen verflochten. „In ein paar Jahren ist der Tunnel zugewachsen“, ist Handler zuversichtlich.

Drei Tage arbeiteten acht bis zehn Schüler der Gesamtschule Edertal bei nasskaltem Wetter im Wald. „Wir wollen die Patenschaft für das Kunstwerk übernehmen“, deutet Lehrer Schindzielorz an. Jedes Jahr sollen Schüler den Tunnel freischneiden und pflegen.

Nationalparkleiter Manfred Bauer regte das Land-Art-Projekt zum zehnjährigen Bestehen des Großschutzgebiets an. Der Wellener Künstler Gerhard Hesse wurde mit Konzeption und Koordination beauftragt. Er knüpfte die Kontakte zu den Künstlern, die eine aus zehn Stationen bestehende Kunstroute gestalten. Sie soll 2014 fertiggestellt und eröffnet werden. Auf dem 4,5 Kilometer langen Rundweg auf der Bloßenbergroute ab Wanderparkplatz Kirchberg in Bringhausen entstehen Orte der Begegnung, Aussichtsorte, Lesepulte und Stege. „So wird die Natur der öffentlich zugängliche Kunstraum“, sagt Hesse.

Die Stationen enthalten Botschaft und Nutzen. „Hier sind alle Sinne des Betrachters angesprochen, er ist mehr als ein die Kunst konsumierender Flaneur, er ist aktiv. Mit minimalem Eingriff in die Natur können neue Bilder und Erkenntnisse beim Betrachter entstehen.“ Im Nationalpark werde Kunst sichtbar gemacht durch Objekte, die mit der Umgebung korrespondieren und das Spezifische des Standorts aufgreifen. Auf diese Weise werden aufgeschlossene und an Natur und Kunst interessierte Menschen für die Idee des Nationalparks angesprochen, ist Park-Leiter Bauer zuversichtlich.

Hintergrund

Bei der Land-Art korrespondieren Kunstwerke mit der Landschaft, gestalten sie unter freiem Himmel. Veränderlichkeit und Vergänglichkeit der Kunst werden akzeptiert. Der Naturraum wird vom Künstler neu angeordnet und in einen künstlerischen Zusammenhang gebracht, wobei die Landschaft zum Bestandteil der Kunst wird. Die Idee des Nationalparks als Schutzgebiet und seine Bedrohung durch menschliche Zivilisation fließt inhaltlich in die Objekte mit ein.(höh)

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