Vierte Ausgabe begeistert das Publikum im "Theater am Bunker"

Gefeiert in Bad Wildungen: Junge Kleinkunst aus Pierre Schäfers "ThalentBude"

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Warten auf einen Baumarkt-Mitarbeiter: Pierre Schäfer (links) und Tan Caglar.

Bad Wildungen. Als Kurstadt Kulturstadt zu sein, zählt zum Wildunger Selbstverständnis. Den jüngsten Coup landete der Edertaler Pierre Schäfer mit seiner Reihe „ThalentBude“ im „Theater am Bunker“.

Ohne öffentliche Gelder oder Sponsorenhilfe zieht er sie auf. Die Basis bilden seine vielen Kontakte in der Kleinkunst-Szene. Allein die Crew des „ThaBu“ unterstützt ihn neben Familie und Freunden.

„Gibt´s Jahreskarten?“

Zur vierten Ausgabe begrüßte der Moderator und Comedian, der am 2. Juni im Jahresfinale des Quatsch-Comedy-Clubs zu sehen ist, einen hohen Anteil an Stammgästen im Publikum. „Jemand fragte sogar nach Jahreskarten“, freute sich der Gastgeber.

Pierre Schäfer präsentierte eine mutige und mitreißende Mischung: Brüllende Komik neben Poesie voller Tragik, erfahrenere Comedians – wie er selbst bereits erfolgreich in Fernsehen und Web – neben „Beginnern“. „Anfänger“ klänge respektlos. Feinsinniger Humor neben derbem Witz bis in Gefilde südlich der Gürtellinie.

Mittendrin Ernesto Mederos, kubanischer Musiker, der kein Wort Deutsch versteht, der mit seiner Gitarre neugierig-offen über deutsche Bühnen tourt. Im Handumdrehen fand er zum Publikum den Draht des Verständnisses für seine auf Spanisch besungenen Sehnsüchte.

Wie Dali in Versen

Pascalina Krummenauer, Studentin des Animationsfilms aus Kassel, malt und dichtet im modernen Gewand des „Poetry Slam“. Dem ThaBu-Publikum erschuf sie auf der Leinwand des inneren Auges mit ihren düsteren, fiebertraumhaften Versen Gemälde wie die eines Salvador Dali. Man hätte die Nadel fallen hören in dem Raum, den die Comedy-Nummer wenige Augenblicke zuvor noch mit Lachorgien und Juchzen füllte. Zwei Newcomer unter den Standup-Komikern, Tim Perkovic und Philipp Siedau, wechselten sich in diesem Genre ab mit zweien, die ihre Rollen als Geheimtipp seit Längerem hinter sich gelassen haben: dem Kölner Simon Stäblein und Tan Caglar aus Hildesheim.

Köstlich: Stäbleins Erlebnisse als Chef einer Smoothie-Bar, die bei ahnungslosen Veganern Absatzrekorde feiert mit „Grünkohl nach Landfrauenart“, inklusive Speck und Zwiebeln, alles im Hinterzimmer zu Brei gehäckselt.

Tan Caglar – „ich decke als Rollstuhlfahrer und Türke zwei Minderheitenquoten ab; stellt euch vor, ich wäre noch schwarz und transsexuell“ – brillierte mit seiner Irrfahrt als Kunde durch den Baumarkt auf der Suche nach einem Mitarbeiter: „Sagt niemals ‘ich hätte gerne...’, dann fliehen sie wie Kellerasseln vor dem angeknipsten Licht.“

Resümee: Hier spielt die Kleinkunst groß auf für junge und andere Leute, die weder zum Lachen noch zum Weinen in den Keller gehen.

Weiter geht´s am Vorabend des Muttertages

"Ladies night“ ist die „ThalentBude“ überschrieben am 12. Mai, einen Tag vor Muttertag. Herren willkommen, aber Überraschungen gibt´s nur für die Damen. Unter anderem sind Dennis Grundt, Alexandra Schiller, Janine vom Olivenbaum und der Musiker Timo Brandt dabei. Die letzte Ausgabe vor der Sommerpause bringt ein Spezial mit Pierre Schäfer selbst und Thorsten Dombach, der bei der Premiere der „ThalentBude“ groß aufspielte. 

Ihr gemeinsames Programm: „Schwulsein ist fett“. Beide werfen unter anderem ihre wichtigste Stärke in der Kombination in die Waagschale: sich selbst bloß nicht zu ernst nehmen und mit Genuss durch den Kakao ziehen. Karten für beide Veranstaltungen (12 und 14 Euro) gibt es in der Buchhandlung „Buchland“ zu kaufen.

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