Insektenhotels im Trend

Löcher fürs Leben

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Engagierte Naturschützer am Insektenhotel im Bad Wildunger Gewerbegebiet (von links): Herbert Niem, Bernd Hannover, Madeleine Hohlmann und ihre Töchter. 

Insektenhotels sind voll im Trend, denn sie bieten wichtigen Lebensraum für die nützlichen Bienen, Käfer und andere Summer. Hier einige Tipps für Gartenbesitzer, die schon mit wenigen Mitteln zum Artenschutz beitragen können.

"Summ summ summ, Bienchen summ herum“, heißt es in einem bekannten Kinderlied. Doch ganz so fröhlich und unbeschwert wie im Lied besungen, ist das Leben von Bienen und ihren nützlichen Artgenossen schon lange nicht mehr. Durch den intensiven Eingriff des Menschen in die Naturlandschaft sind natürliche Lebensräume, Brut- und Rückzugsmöglichkeiten für Wildbienen, Ohrwürmer, Marienkäfer und Co. immer seltener zu finden. Dabei leisten besonders diese Nützlinge einen enorm wichtigen Beitrag zur Bestäubung und Befruchtung von Blumen und Obstgehölzen, oder halten Schädlinge im Zaum. Zeit also, etwas zu tun, Zeit, neuen Lebensraum zu schaffen, Zeit Lebensraum zurückzugeben. Das geht besonders leicht und wirkungsvoll mit einem Insektenhotel. Hierbei handelt es sich um eine Unterkunft, die den fleißigen Nützlingen beim Nisten und Überwintern hilft und den heimischen Garten ein bisschen tierfreundlicher macht. Dabei ist es nicht wichtig, ob die Naturfreunde ein fertiges Hotel aus dem Fachhandel erwerben, einen Bausatz kaufen oder ihrer eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Wichtig ist, den Insekten einen Platz anzubieten und Lebensraum zurückzugeben.

Luxus-Lösungen möglich

Ein Insektenhotel kann schon ein mit Bohrlöchern versehener Baumstumpf oder ein mit Stroh gefüllter Tonblumentopf sein. Ein paar regensicher aufgestellte Ziegelsteine bieten begehrten Unterschlupf, oder ein unscheinbarer Holzstapel kann als einfaches Insektenhotel dienen. Aber natürlich darf es – wie bei Hotels üblich – auch die Vier- oder Fünf-Sterne-Variante sein. Föhn oder Bademantel spielen dabei keine Rolle, vielmehr zählen Bauweise, Zimmeranzahl und Ausstattung. Mehrstöckig, stabil unterteilt, mit Ziegelsteinen, Hartholzstücken, Zapfen, Lehm, Zweigen und Rinde eingerichtet und ein großer Dachüberstand sind Kriterien für Spitzenhotels in Insektenkreisen. Wenn dann noch Standort, Umgebung und Ausrichtung stimmen und die nötige Betreuung gewährleistet ist, kommen die Gäste in Scharen geflogen.

Komfort-Hotel für Insekten. In den Löchern finden die kleinen Summer lebenswichtigen Unterschlupf.

Insekten mögen es warm und trocken, sie brauchen Nahrung und Wasser in der Nähe, die Sicherheit vor Sturm und Feinden, aber auch gelegentlich etwas Unterstützung bei der Wohnungspflege.

Ein besonders gelungenes Bauprojekt steht seit drei Jahren im Bad Wildunger Industriegebiet. Auf einer Streuobstwiese, die von der örtlichen Gruppe des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) betreut wird, herrscht reger Flugbetrieb. Viele Insekten haben in dem von der Jugendgruppe des NABU Bad Wildungen und Edertal gebauten Insektenhotel Niststätte und Unterkunft gefunden. Hunderte Bohrlöcher machen die verbauten heimischen Hölzer zum begehrten Wohnraum. Gebündelter Schilf und Lehm komplettieren die Ausstattung der stabilen Unterkunft.

Gutes Beispiel

„Es macht Freude zu sehen, wie gut das Hotel angenommen wird“, so Madeleine Hohlstamm vom Wildunger NABU. Sie bildet mit dem Vorsitzenden Bernd Hannover und Herbert Niem den Kopf der Ortsgruppe und fordert Grundstücksbesitzer und Naturbegeisterte zur Nachahmung auf. „Es muss aber auch Nahrung in der Nähe sein“, erklärt Hannover und würde sich freuen, wenn Garten- und Grundstücksbesitzer zumindest kleine Flächen der Natur überlassen. „Insekten brauchen Lebensraum, sie sind lebendiger als Zierrasen und Steingärten. Sie sind auch für uns Menschen überlebenswichtig“. /Tina Fischer

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