Zwei weitere Taten konnten Angeklagten am Fritzlarer Amtsgericht nicht nachgewiesen werden

24-Jähriger zu Geldstrafe für Einbruch in Bad Wildunger Sozialbüro verurteilt

Ein dunkel gekleideter Mann versucht eine Tür aufzubrechen.
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Ein 24-Jähriger stand wegen Einbruchs vor Gericht. (Symbolfoto)

Wegen Diebstahls hat das Amtsgericht Fritzlar einen 24 Jahre alten Mann aus Kassel zu einer Geldstrafe von 400 Euro verurteilt – 40 Tagessätze zu je zehn Euro wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Bad Wildungen.

Bad Wildungen – Die Staatsanwaltschaft Kassel warf ihm drei Einbruchdiebstähle vor. Verurteilt wurde er aber nur wegen einer Tat.

Fenstergriff manipuliert

Übrig blieben am Ende der Verhandlung der Diebstahl von zehn Euro aus einem Sparschwein und die Entnahme der Speicherkarte aus einer Wildkamera. Die hatte das Personal installiert, um Straftaten aufzuklären. Verurteilt wurde der Mann, weil er durch ein Fenster in das Sozialbüro eingestiegen war. Den Fenstergriff hatte er vorher manipuliert.

Freigesprochen wurde er von dem Vorwurf, 95 Euro einer Mitarbeiterin, eine Spielkonsole mit Spielen sowie eine Gitarre gestohlen zu haben.

Richterin von Unschuld nicht überzeugt

„Ich bin von Ihrer Unschuld nicht überzeugt“, erklärte Richterin Lydia Lahmann bei der Begründung des Urteils. Aber zwei Taten seien ihm nicht nachzuweisen: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Die 40 Tagessätze und den Freispruch in zwei Fällen hatte auch der Staatsanwalt beantragt.

Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz war der Beschuldigte im Vorjahr vom Amtsgericht Korbach zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt worden.

Ab dem 14. Lebensjahr drogenabhängig

Bei dem Prozess in Fritzlar gab er zu, seit dem 14. Lebensjahr drogenabhängig gewesen zu sein. Er habe eine Entgiftung hinter sich, besuche jetzt die Heilsarmee in Kassel und habe „mit den Drogen aufgehört“.

Er lebe von 146 Euro Taschengeld, wolle den Hauptschulabschluss nachholen und eine Lehre im Einzelhandel beginnen.

Ihm wurde vorgeworfen, die Einbrüche begangen zu haben, um Betäubungsmittel zu finanzieren. Er habe keine Wertsachen mitgenommen, sagte der Angeklagte. „Wegen des Kühlschranks“ habe er einen Einbruch begangen. Dazu habe er von innen den Fenstergriff umgelegt. Die Idee zu dem Einbruch „war ganz spontan“, antwortete der 24-Jährige auf Nachfrage. Er hätte diese Einrichtung für Betreutes Wohnen als Klient gar nicht besuchen wollen. Doch die Behörden hätten ihn aus der Familie mit seinen vier Geschwistern herausgerissen.

Bei der Heilsarmee eine Perspektive

Ein Sozialpädagoge sagte aus, er habe selbst Detektiv gespielt und nach einem erneuten Einbruch Anzeige gegen den Beschuldigten erstattet. Nur er komme für die Straftaten in Frage. Er sei dann auch auf frischer Tat ertappt worden. Auch die Zeugenaussage einer Mitarbeiterin belastete den Angeklagten. Ihr seien 95 Euro gestohlen worden, Geld aus dem Sparschwein und eine Gitarre fehlten. Nur der Angeklagte, der stets hilfsbereit und freundlich gewesen sei, habe den Fenstergriff von innen manipulieren können, sagte die Zeugin.

Am Ende blieben aber Zweifel offen, ob nicht doch ein Anderer das Fenster geöffnet haben könnte.

Der gesetzliche Betreuer berichtete, der Beschuldigte sei inzwischen bei der Heilsarmee untergebracht: Das sei die einzige Perspektive. Dabei sei der Mann „eigentlich auf einem guten Weg“, meinte die Richterin. Von Manfred Schaake

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