Katz-Nachfahren aus USA und Frankfurt auf Spurensuche in Wildungen und Mandern

„Geschichte auf Schritt und Tritt“

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Auf Spurensuche: Douglas Katz (rechts) mit einem alten Foto, das seine Großmutter Johanna, geb. Leopold, zusammen mit seinem Vater Julius zeigt. Mit im Bild (von links) Heimatforscher Johannes Grötecke, Eric Brück, Daniel Katz und Bürgermeister Volker Zi

Bad Wildungen - Auf den Spuren des jüdischen Pferdehändlers Isaak Katz und seiner Frau Johanna, die in Bad Wildungen und Mandern lebten, wandeln Nachfahren aus den USA und Frankfurt bei einem Kurzbesuch in der Badestadt.

Douglas Katz, ein Enkel des Ehepaars, reist gemeinsam mit seinem Sohn Daniel in die Badestadt. „1981 war ich mit meinem Vater hier, das war eine große Erfahrung für uns“, schwelgt der Amerikaner aus Boston in Erinnerungen. Begleitet werden beide von dem in Frankfurt lebenden Cousin Eric Brück.

Heimatforscher Johannes Grö­tecke, der sich seit über 20 Jahren mit dem Schicksal jüdischer Mitbürger während der Nazi-Herrschaft in Bad Wildungen befasst, führt die wissbegierigen Besucher zu Häusern, in denen die Familie Katz gelebt hat. In der Bahnhofstraße 8 putzen die Katzes spontan einen Stolperstein blitzblank, der an das Schicksal von Johanna Katz erinnert. Auch auf dem Anwesen der Schlosserei gegenüber war die Familie des Pferdehändlers zu Hause. Auf dem jüdischen Friedhof stehen die drei Nachkommen am Grab des aus Mandern stammenden Josef Katz, der Schwiegervater von Johanna. Ein weiteres Familienmitglied - Jakob - soll um 1830 Bürgermeister in Mandern gewesen sein.

Weitere Stationen der Zeitreise sind zwei Häuser in Mandern sowie der jüdische Friedhof in Ungedanken. „Auf Joel Katz, der 1795 in Mandern geboren wurde, geht die Familie Katz zurück“, berichtet Eric Brück. Sein Großvater ist der Cousin von Johanna. Bei Recherchen zum Familienstammbaum vor drei Jahren nahm er erstmals Kontakt auf zu seinen Vettern in den USA. „Es ist eine sehr große und weit verzweigte Familie“, sagt der Frankfurter. Bei einem Empfang im Bad Wildunger Rathaus merkt Bürgermeister Volker Zimmermann an: „Um vorwärts zu schauen, muss man immer auch einen Blick zurück richten.“ Diesen Blick hat auch der 2006 verstorbene Vater von Douglas Katz gesucht. „Er hat viel von Bad Wildungen gesprochen“, sagt der Bostoner. „Als ich Kind war, hatte er oft einen Atlas auf den Knien und zeigte mir, wo Wildungen liegt.“

Fasziniert von der malerischen Badestadt mit schmucken Altstadtgassen zeigt sich besonders Daniel Katz. „Geschichte auf Schritt und Tritt“, bemerkt er überwältigt und versichert, „das war der beste Urlaub meines Lebens“. Ob er Wildungen noch mal besuchen will? „Na klar! Irgendwann mit meinen Kindern“, will der junge Bostoner die Familientradition fortsetzen. (höh)

Hintergrund

Isaak Katz und seine Frau Johanna, geb. Leopold, lebten mit ihren Kindern Julius und Werner in der Bahnhofstraße 8, später in 9 und am Kirchplatz 13. Isaak stammte aus Mandern, war Pferdehändler von Beruf und bewarb sich in den 20er-Jahren für ein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung. „In der Pogromnacht 1938 wurde die Familie fürchterlich zugerichtet“, weiß Heimatforscher Johannes Grötecke. Isaak Katz starb bereits 1939 in Frankfurt. Seine Söhne wanderten 1938 und 1939 in die USA aus. Als US-Soldat war Sohn Werner 1945 im Kampf gegen das Nazi-Deutschland in Einsatz und kehrte kurzzeitig nach Bad Wildungen zurück. Seine Mutter Johanna wurde 1939 nach Kassel vertrieben und ins Ghetto Riga deportiert, wo sie starb. In der Bahnhofstraße 8 erinnert ein Stolperstein an ihr Schicksal.(höh)

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