Viel Applaus vom Publikum in der vollen Wandelhalle

Glänzendes Ensemble rettet im Wildunger Startheater Komödie "Eine Stunde Ruhe"

Drama Baby: Ehemann Michel (Timothy Peach) und seine Geliebte Elsa (Saskia Valencia). Foto: Senzel

Bad Wildungen – Die Komödie „Eine Stunde Ruhe“ des Franzosen Florian Zeller in einer Inszenierung von Pascal Breuer stand auf dem Spielplan des „Startheaters“.

 An den großen Erfolg seines Stückes „Die Wahrheit“ kann der französische Autor Florian Zeller damit nicht anschließen; gleichwohl gefiel die Vorstellung im vollen Quellensaal der Wandelhall. Der herzliche Schlussapplaus galt dem hervorragend mit TV-Stars besetzten Ensemble, in dem es alle verstanden, Spielfreude und Könnerschaft auf die Bühne zu bringen. Ohne die „Star-Besetzung“ wäre es eines der üblichen flachen Boulevardstücke geblieben. Vielleicht lag es an auch der deutschen Übersetzung (Annette und Paul Bäcker), dass den Dialogen Esprit fehlte.

Der Autor strickte aus Liebe, Betrug, Eifersucht und Schuldgefühlen eine Komödie mit den typischen Verwechslungen, Missverständnissen, kleinen und großen Katastrophen . Die Geschichte beginnt damit, dass „Michel“ begeistert vom Flohmarkt kommt, endlich mit der lange gesuchten Schallplatte. Er freut sich darauf, die Jazz-Nummer eine Stunde lang in Ruhe zu genießen. „Es sollte ein schöner Tag werden, ein Samstag. Das Einzige, was ich wollte, war, in Ruhe gelassen zu werden.“ Von wegen. Jetzt geht der Trubel los, eine unliebsame Ruhestörung folgt der anderen.

Timothy Peach beherrscht als Ehemann Michel die Bühne und liefert eine wahre Glanzleistung ab. Zwei Stunden lang wirbelt er über das Parkett, überzeugt durch eine ausruckstarke Mimik und seine klare Bühnensprache, Peach als Michel gibt das wütende „HB-Männchen“ so gekonnt wie den ärgerlichen Vater und den eifersüchtigen Ehemann. Außerdem zeigt er in mehr zwei Stunden Dauereinsatz eine beachtliche Kondition. Alexa Wiegandt ist seine Ehefrau Nathalie und deren beste Freundin Elsa (Saskia Valencia) seine Geliebte. Natalie gesteht ihrem Ehemann einen Seitensprung vor 30 Jahren (Michel: „längst verjährt!“) und die „beste Freundin“ Elsa hat eine Affaire mit Natalie.

Schließlich beichtet Natalie, dass Michel nicht der Vater ihres Sohne ist, („Es ist in den Dünen passiert“) sondern vielmehr Pierre (Benjamin Kernen), der Ehemann von Elsa. Sohn Sebastian (Johannes Lukas) kümmert das wenig, er nennt sich jetzt „Fucking Lion“ . Nachbar Pavel (Reinhard Froboess), ein Psychiatrieprofessor, kommt dazu und beschwert sich, dass es von seiner Wohnungsdecke tropft; Schuld daran ist Installateur Leo (Raphael Grosch) -(„Bruch, kaputt, Stinkewasser“), ein Portugiese, der für einen Polen gehalten wird und der die Hauptwasserzuleitung angebohrt hat. Irgendwann sind dann alle Michel mit seiner Platte „Me Myself and I“ alleine zurück. Er setzt sich in seinen Designer-Sessel direkt auf die Platte, deren Bersten das letzte ist, was die Zuschauer in diesem Stück hören. szl

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