Engagement für Tierschutz: Finanzausschuss bewilligt mehr Geld für Tierheim

Goldesel fehlt, aber Kuh ist vom Eis

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Der Tierschutzverein bekommt mehr Geld, das Tierheim ist gerettet. Der Finanzausschuss hat einen entsprechenden Beschluss gefasst. Die nötige Zustimmung des Parlaments gilt als Formsache.

Bad Wildungen - „Reichtümer sammelt der Tierschutzverein mit dem Tierheim niemals an.“ Mit diesem Satz zog Dr. Hans Schultheis (FWG) im Finanzausschuss am Dienstag den Schlussstrich unter eine teils emotional geführte Diskussion zwischen Verwaltung und Parlamentariern.

Erstes Ergebnis, das sich im Beschluss niederschlägt: Einen Goldesel bekommt der Verein als Träger des Heims zwar nicht gestellt, aber die Kuh ist dergestalt vom Eis, dass der Jahreszuschuss der Stadt von 13?500 Euro auf 18?000 Euro steigt, das heißt, es werden 1500 Euro monatlich überwiesen.

Zweites Ergebnis: Die Stadtverwaltung lässt für 75?000 Euro die Mängel am Neubau (siehe „Hintergrund“) beheben. Drittes Resultat: In ordnungsgemäßem Zustand werden Gelände und Neubau für einen symbolischen Euro an den Tierschutzverein übergeben. Löst er sich irgendwann einmal auf, fiele alles an die Stadt zurück. Katzenklos im WC Noch offen ist, wie der Tierschutzverein weitere 75000 Euro aufbringt, um Personalräume und Katzenhaus zu sanieren – momentan gibt es ein WC für alle Zwecke inklusive Desinfektion der Katzentoiletten.

Helmut Simshäuser (CDU) hatte vorgeschlagen, das Geld dem Verein zur Verfügung zu stellen. Jörg Schäfer (FDP) hatte auf günstige Finanzierungsmodelle verwiesen, die der Verein nutzen könne, um dieses Projekt selbst zu stemmen. „Zu dem letzten Punkt kann ich noch keine Aussage treffen.

Mit den 18000 Euro Zuschuss können wir aber gesichert weitermachen“, sagte Elke Nikoleit als erste Reaktion im Namen des Tierschutzvereins. Ganz wichtig für diese Stellungnahme: Die aktuelle Finanzlücke ist ebenfalls geschlossen. Einmütig hatten sich die Parlamentarier mächtig darüber geärgert, dass ihr gültiger Beschluss vom 3. Juli, zusätzlich 10?000 Euro an den Verein zu überweisen, immer noch nicht von der Stadtverwaltung ausgeführt wurde. Karl-Wilhelm Rest (CDU):

„Eine Unverschämtheit“.

Bürgermeister­ und Kämmerer sicherten zu, das Geld bis morgen anzuweisen. „Es steckte keine böse Absicht dahinter“, versicherte Volker Zimmermann. Jedes Jahr Finanzbericht Für die Zukunft laden die Parlamentarier jeweils zum Jahresende den Tierschutzverein in den Finanzausschuss ein, um sich die Wirtschaftslage schildern zu lassen. „Damit wir frühzeitig sehen, falls der Verein in Schulden abrutschen sollte“, sagte Schultheis.

Klaus Stützle (Grüne) forderte vom Kreistag mehr Engagement für den Tierschutz durch Zuschüsse an die Heime. Der Landkreis reagierte auf WLZ-FZ-Nachfrage gestern vorsichtig. Das Veterinäramt sei zuständig für die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen, aber der Tierschutz selbst obliege den Vereinen. Mit Blick etwa auf streunende Katzen plane man aber einen runden Tisch. 150 Euro erhielt das Wildunger Tierheim voriges Jahr vom Kreis, ergänzte Elke Nikoleit. Bernd Süring (SPD), Vorsitzender des Finanzausschusses, machte deutlich, dass die Stadt Bad Wildungen freiwillig in diese Aufgabe investiere. Die vielfach zitierte gesetzliche Verpflichtung für „Fundtiere“ verursache lediglich einige Hundert bis maximal 2000 oder 3000 Euro an Kosten pro Jahr: „Das, was wir darüber hinaus zur Verfügung stellen, resultiert aus der bewussten Entscheidung der Politik für den Tierschutz.“

Tierschutz im Marketing

Der allerdings eine Chance bietet für die Vermarktung der Urlaubs- und Kurstadt Bad Wildungen. Darin sind sich das Vereinsvorstandsteam um Elke Nikoleit und der Magistrat um Bürgermeister Volker Zimmermann einig – ungeachtet unterschiedlicher Ansichten in Detailfragen (siehe „Hintergrund“). „Es gibt sehr viele Gäste, die Wert auf Tierschutz legen. Wir stehen in Verhandlungen um Werbe- und Sponsorenverträge, zum Beispiel mit Kliniken“, erklärte Elke Nikoleit. Der Gesamtetat des Vereins liegt bei 120?000 Euro pro Jahr. Spenden, Gebühren aus der Vermittlung von Tieren, Pensionstiere oder Erbschaften machen den Löwenanteil der Einnahmen aus, „der aber stark schwankt. Die Zuwendung der Stadt gibt uns eine sichere Basis“, betonte Nikoleit. Edertal steuert seinen Teil durch bislang 3000 Euro bei und denkt darüber nach, diese Summe um 900 Euro zu erhöhen.

Hintergrund

Wie kam es zur dramatischen Finanzlage ums Tierheim und den Mängeln am Bau? Alle Seiten haben irgendwie ihren Anteil daran, wurde im Ausschuss deutlich. Niemand weiß etwa, wie die Dampfsperre im Neubau Risse und Löcher erhalten hat, sodass Feuchtigkeitsschäden auftreten. Das Katzenhaus im alten Trakt ist so bevölkert, dass ebenfalls Probleme mit Feuchtigkeit auftreten, weil für so eine Zahl von Tieren eine Belüftungsanlage nötig wäre. Sie war nie vorgesehen. Das neue Hundehaus wurde auf einen Hügel gestellt wegen der Barrierefreiheit. So schallt aber Hundegebell über den Lärmschutzwall hinweg.

Ein Zaun wurde unsachgemäß in aufgefülltes Gelände gestellt. Setzungen haben ihn beschädigt. Die Kombination von Firmen- und Eigenleistung brachte Probleme in der Koordination. Der entscheidende Webfehler aber war, dass die Politik von vornherein einen Kostendeckel auf das Projekt setzte – was dazu führte, dass eine utopische Eigenleistung des Vereins im Gegenwert von 50 000 Euro (5000 Arbeitsstunden) kalkuliert wurde.

Insgesamt steigen die Kosten nun auf runde 500 000 Euro, von denen 75 000 Euro noch für Personaltrakt und Katzenhaus vom Verein aufzubringen sind. Der Bürgermeister verweist auf gestiegene Personalkosten fürs Heim. Der Verein erklärt das mit höherem Bedarf, weil eine größere Fläche bearbeitet werden und ein 24-Stunden-Dienst vorgehalten werden muss, obgleich es nicht mehr, wie vor einigen Jahren noch, Ein-Euro-Jobber gebe.(su)

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