Kurhaus-Diskussionen in Bad Wildungen gehen nach hitzigen Wortgefechten in der Bürgerversammlung weiter

Goldrichtig in der neuen Mitte

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Ein Umzug des Stadtmarketings mit der Tourist-Info von der neuen Mitte an den Stadtrand kommt für Bürgermeister Volker Zimmermann nicht in Frage.Foto: Höhne

Bad Wildungen - Ohne Investor ist die Wiederinbetriebnahme des Kurhauses nicht zu schultern. Das betont Bürgermeister Volker Zimmermann im Nachklang zu den Wortgefechten in der Bürgerversammlung.

Zimmermann erinnerte an einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 29. März 2004, die sich mit ihrer Entscheidung zwischen Kurhaus und Wandelhalle eindeutig positionierte. Bei vier Gegenstimmen von Grünen und FDP (darunter Zimmermann als damaliger Abgeordneter für die Liberalen) habe das Parlament mit großer Mehrheit für den Ausbau der 14 Millionen Euro teuren Wandelhalle gestimmt. In der Bürgerversammlung am Montagabend wunderte sich Zimmermann über die Aussage des CDU-Abgeordneten Marc Vaupel „700 000 Euro im Jahr ist mir das Kurhaus wert“ (WLZ-Mittwochausgabe). „Das ist Wahlkampf und nicht sonderlich seriös.“ Gerade die Union verweise immer wieder auf die angespannte Haushaltslage und fordere Einsparungen. Wenn jedoch die Parlaments-Mehrheit Vaupels Ansicht teile, sei die Erhöhung von Kindergartengebühren unumgänglich, und die Vereinsförderung müsse zurückgefahren werden. Weiter drohen Abstriche beim Bau des neuen Heloponte und Schließungen von Dorfgemeinschaftshäusern.

Einen ins Spiel gebrachten Umzug der Tourist-Information an der Nahtstelle von Brunnenstraße und -allee wies Zimmermann entschieden zurück: „Mitnichten wird das Staatsbad mit seiner Verwaltung in das Kurhaus ziehen. Das ist eine ganz klare Ansage.“ Die Einrichtung gehöre „an die Hauptachse der Stadt, an diesen unverzichtbaren Parkplatz“.

Auch Stadtmarketing-Chefin Ute Kühlewind hält an dem Standort in Bad Wildungens neuer Mitte, an der Nahtstelle von der Altstadt zur Allee, fest. „Es kann nicht sein, dass die Tourist-Info dann ans Ende der Meile ziehen soll,“ sagte sie kopfschüttelnd.

Ohne einen Investor sei die Wiederinbetriebnahme nicht zu schultern, stellt Zimmermann klar. „Allein mit städtischen Mitteln kriegen wir das nicht gestemmt.“ Ein Lichtblick zeichnet sich offenbar für die Tiefgarage ab. Laut Zimmermann laufen seit Monaten Gespräche, das Parkhaus wieder in Betrieb zu nehmen. Es gebe inzwischen konkrete Überlegungen. Zu Details wollte der Rathauschef allerdings keine Stellung nehmen, „sonst wird das vorher schon kaputtgeredet“. Die Tiefgarage ist bereits seit 2012 aus Brandschutzgründen gesperrt. Dachlandschaft, Fenster und Heizung sind nach Angaben von Bauamtsleiter Klaus Weidner die entscheidenden Knackpunkte bei einer Sanierung der Kurhaus-Immobilie. Die mit 5,2 Millionen Euro geschätzten Gesamtkosten seien kaum zu unterbieten, sagt er mit Blick auf die Gruppe um Altbürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff, die eine Rechnung von 3,2 Millionen Euro aufmachte. Weidner: „Es ist nicht legitim, einzelne Punkte aus dem Gutachten rauszustreichen, weil sie ineinander verstrickt sind.“ Ein Beispiel sei die völlig desolate Bühnentechnik. „Die kann man nur streichen, wenn man die Säle nicht mehr betreibt.“ Das Gutachten fuße auf einem wirtschaftlichen Betrieb. Nach Durchforsten der Streichliste bleibe da nicht mehr viel Spielraum zum Sparen, „und ganz gewiss keine zwei Millionen“.

Kühlewind hält zusätzliche Veranstaltungssäle für überflüssig. „Die Stadt Bad Wildungen hat Outdoor- und Indoor-Einrichtungen in Hülle in Fülle zu bieten.“ Hinzu kommen weitere Möglichkeiten im Maritim-Hotel und auf Schloss Friedrichstein. Eine Wiederinbetriebnahme schaffe zudem Konkurrenz zur Belegung der beiden Wandelhallen in Bad Wildungen und Reinhardshausen.(höh)

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