Jahrestagung in der Bad Wildunger Wandelhalle

Günter Engemann bleibt Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins

Bei der Jahrestagung des Waldeckischen Geschichtsvereins am Sonntag in der Bad Wildunger Wandelhalle: Der neu gewählte Vorstand des Waldeckischen Geschichtsvereins von links: die stellvertretenden Vorsitzenden Britta Hein und  Thomas Kraft, der Vorsitzende Günter Engemann, der ausgeschiedene Schatzmeister Heiner Hast, der Vize-Schriftführer Dr. Alexander Schwerdtfeger-Klaus, Schriftführer Klaus Mombrei und Adelheid Ebbinghaus vom Bad Pyrmonter Heimatbund.
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Der neu gewählte Vorstand des Waldeckischen Geschichtsvereins - von links: die stellvertretenden Vorsitzenden Britta Hein und Thomas Kraft, der Vorsitzende Günter Engemann, der ausgeschiedene Schatzmeister Heiner Hast, der Vize-Schriftführer Dr. Alexander Schwerdtfeger-Klaus, Schriftführer Klaus Mombrei und Adelheid Ebbinghaus vom Bad Pyrmonter Heimatbund.

Günter Engemann bleibt Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins. Bei der Jahrestagung am Sonntag in der Bad Wildunger Wandelhalle bestätigten ihn die Mitglieder einstimmig.

Bad Wildungen – Günter Engemann hatte sein Amt erst im Februar 2020 angetreten und hat jetzt eine turnusgemäße Wahlperiode von drei Jahren vor sich.

Ebenso einmütig besetzten die Mitglieder die übrigen Vorstandsposten. Engemanns Stellvertreter bleiben der Vorsitzende der Bad Wildunger Bezirksgruppe, Thomas Kraft, und dessen Korbacher Kollegin Britta Hein. Schriftführer Klaus Mombrei wurde ebenso wiedergewählt wie sein Stellvertreter Dr. Alexander Schwerdtfeger-Klaus, der auch die Homepage des Vereins betreut. Beisitzer bleibt der Landauer Historiker Dr. Karl Murk.

Schatzmeister Heiner Hast verabschiedete sich nach drei Jahren aus dem Vorstand. „Er übergibt ein gut bestelltes Haus“, erklärte Engemann. Trotz intensiver Suche könne sie keinen Kandidaten für das Amt vorweisen, berichtete die Wahlleiterin Dr. Birgit Kümmel. Allerdings habe sich für den Posten des Stellvertreters Richard Klaus aus Diemelstadt gefunden, er habe sich bereit erklärt, vorerst kommissarisch als Schatzmeister zu arbeiten. Klaus folgt auf Walter Bracht, der ebenfalls nicht mehr antrat.

Drei neue Ehrenmitglieder

Drei neue Ehrenmitglieder hat der Waldeckische Geschichtsverein. Günter Engemann übergab ihnen die Urkunden und Blumen:

Neue Ehrenmitglieder des Waldeckischen Geschichtsvereins - von links: Vorsitzender Günter Engemann mit den Geehrten Dr. Albrecht Lückhoff, Gudrun Engelhard und Erwin Brüne.
  • Gudrun Engelhard kehrte nach 30 Jahren als Lehrerin in Köln nach Mengeringhausen zurück und engagierte sich im Geschichtsverein. Sie war mehr als 23 Jahre Schriftführerin der Arolser Bezirksgruppe sowie von 2008 bis 2015 stellvertretende Vorsitzende des Gesamtvereins und Mitglied des Kuratoriums der Kurt-Wolff-Stiftung. Derzeit arbeitet sie fürs Mengeringhäuser Museum.
  • Erwin Brüne ist seit der Gründung der Diemelstädter Bezirksgruppe 1977 deren Schriftführer, zuvor gehörte der gebürtige Adorfer der Diemelseer Gruppe an. Er hat wichtige Kirchen- und Schulchroniken sowie Protokollbücher am PC erfasst, er recherchierte unermüdlich in Archiven, arbeitete anderen Autoren zu und gab im April das Buch „Adorf im Spiegel der Presse 1933 - 1945“ heraus.
  • Dr. Albrecht Lückhoff war von 1970 bis 1994 Bad Wildunger Bürgermeister. Mit seiner Frau Margarete konzipierte er die Neugestaltung des Museums in Schloss Waldeck, das er seit dem Tod seiner Frau leitet. Er habe dem Verein mit Rat und Tat und zur Seite gestanden und in Konflikten vermittelt. Engemann lobte das „diplomatische Geschick“ Dr. Lückhoffs.

Vortrag über Geschichte des Nationalparks Kellerwald-Edersee

Weltnaturerbe der UNESCO. Auf Augenhöhe mit dem Grand Canyon in den USA und dem Ayers Rock in Australien. Achim Frede ist noch immer beeindruckt, was aus der Idee von sieben Freunden geworden ist: der Nationalpark Kellerwald-Edersee, ein „Erbe der Menschheit“ vor der Haustüre. Bei der Jahrestagung zeichnete Frede in einem packenden Vortrag die turbulente Entstehungsgeschichte nach und ging auf aktuelle Entwicklungen ein.

„Pläne einiger Pantasten“ – so titelte die WLZ im November 1989 in einem Bericht über die sieben jungen Naturschützer, die sich in Korbach im Keller von Norbert Panek trafen, um die Idee des Nationalparks hervorzubringen. Doch am Anfang standen die Zeichen auf Sturm: Massiver Widerstand gegen einen Nationalpark formierte sich: Landwirte und Waldbesitzer befürchteten strenge Auflagen, in drei Bürgerentscheiden lehnten Anwohner die Ausweisung ab.

Auf der anderen Seite forderten Naturschützer wie die Initiaitve „pro Nationalpark“, den Buchenwald unter Schutz zu stellen. Erbitterte Debatten tobten: „Es ging heiß her“, der Riss sei durch Familien gegangen. Die Landesregierung schob die Entscheidung der Region zu.

Beim Vortrag vor den Geschichtsfreunden: Nationalpark-Mitarbeiter Achim Frede.

2004 änderte der CDU-Umweltminister Wilhelm Dietzel aus Neudorf seine Meinung und wies den Nationalpark aus, der dieses Jahr noch erweitert wurde. Die Krönung war 2011 die Verleihung des UNESCO-Titels Weltnaturerbe, „das ist eine Sensation, betonte Frede, nur 200 Stätten gebe es weltweit, die Zusammenarbeit der Regionen trage zur Völkerverständigung bei. „Wir spielen in der Champions League.“ Die Region vermarkte dies zu schlecht. Aber insgesamt sei der Nationalpark „nach stotterndem Anfang eine Erfolgsgeschichte“ geworden.

Nur ein verkürztes Programm möglich

Bereits im vorigen Jahr sollte die Jahrestagung in Bad Wildungen stattfinden, dies war jedoch wegen der Corona-Pandemie nicht möglich.

Dieses Jahr sei nur ein verkürztes Programm möglich, sagte Gastgeber Thomas Kraft von der Bad Wildunger Bezirksgruppe, er bedauerte, dass es wegen der Corona-Beschränkungen keinen morgendlichen Gottesdienst und keine Exkursionen geben könne. Im Saal waren die Stühle auseinandergerückt, es galten die 3G-Regeln.

Für die ausgefallenen Exkursionen schob Bürgermeister Ralf Gutheil einen „Werbeblock“ ein, in dem er die Vorzüge der Kurstadt vorstellte. So habe Wildungen mit der Brunnenallee die älteste Allee einer Kurstadt und die meisten gefassten Heilquellen.

Jeden Tag werde Geschichte geschrieben, erklärte er. Es gelte, sie aufzuarbeiten und die Lehren daraus zu ziehen. Das geschehe nicht immer.

Die Kreisbeigeordnete Hannelore Behle betonte die Verbundenheit des Kreises „mit seinem Geschichtsverein“. Er habe sich die Aufgabe gestellt, das historische Erbe zu bewahren. 2019 habe die Tagung im Bad Arolser Rauch-Museum stattgefunden, dieses Jahr sei es die Wandelhalle. Beide Gebäude seien kulturhistorisch bedeutsam und ein sichtbarer Beweis für die reichhaltige Geschichte Waldecks.

Auch sie ging auf die Geschichte des Nationalparks ein, in dem sich der Wald ungestört entfalten könne.

Vertreterin aus Pyrmont zu Gast

Mit Adelheid Ebbinghaus war erstmals seit Jahren wieder eine Vertreterin aus Bad Pyrmont zu Gast bei einer Jahrestagung, Engemann hatte sie eingeladen. Kraft Amtes gehört die Vorsitzende des Pyrmonter Heimatbundes sogar dem erweiterten Vorstand des Geschichtsvereins an.

Ihr 170 Jahre alter Heimatbund sei mit 180 Mitgliedern der größte Ortsverband in ganz Niedersachsen, berichtete sie. Seit ihrer Wahl 2017 bemühe sie sich, junge Menschen an die Geschichte heranzuführen. „Es ist unser Anliegen, Kinder mit reinzubringen.“ Außerdem gelte es, sich „der Geschichtsvergessenheit entgegenzustellen“, sagt sie. Sonst drohe der Gesellschaft „Identitätsverlust“.

„Wir publizieren so fleißig wie Sie“, darunter die „Pyrmonter Geschichtsblätter“. Sie verwies aufs Conona-bedingt klein ausgefallene Stadtjubiläum im vorigen Jahr, das auf Privilegien des Fürsten und Arolser Stadtgründers Friedrich Anton Ulrich aus dem Jahr 1720 zurückgehe. Es sei schön, dass sich Waldecker und Pyrmonter künftig wieder gegenseitig einladen wollten.

Prof. Martin Kipp rief den Verein und die Mitglieder auf, den Förderkreis fürs Netzer Hospitalhaus zu unterstützen, der demnächst gegründet werden solle.

Zum Abschluss stimmten die Mitglieder wieder das „Waldecker Lied“ an - diesmal allerdings mit Schutzmaske.

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