Spektakulärer Adoptionsfall in Edertal · Schwanenpärchen zieht Entenküken mit groß

Das „hässliche Entlein“ anders herum

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Das Entlein im Kreise seiner Pflegefamilie.

Edertal - Wohl jeder kennt das Märchen vom hässlichen Entlein. In Edertal zieht die Geschichte vom adoptierten Küken in natura gerade die Aufmerksamkeit vieler Beobachter auf sich - seitenverkehrt allerdings.

Denn nicht ein Schwanenküken wird von Enteneltern aufgezogen, sondern ein Entenküken von Schwaneneltern. „So ein Fall ist mir noch nicht untergekommen“, erklärt der Edertaler NABU-Vorsitzende Wolfgang Lübcke. Hermann Lötzer aus Mehlen hat die ungewöhnliche Familie entdeckt und sogar fotografiert. Wellener haben das Spektakel mit dem auffälligen Schwanengeschwisterchen beispielsweise auf den Fischteichen an der Eder beobachtet. „Darüber, wie dieser ungewöhnliche Fall entstanden ist, kann man nur Vermutungen anstellen“, meint Lübcke. Möglicherweise habe ein Stockenten-Weibchen sein eigenes, noch nicht fertiges Gelege verloren. Aber wie gelangte das Entenei in das Nest der Höckerschwäne? Normalerweise bewachten die ihr Nest ja gut, fragt sich Lübcke. Es müsse der Stockente in einem unbewachten Moment gelungen sein, ihr Ei abzulegen. Auf dem einen Bild von Hermann Lötzer sei sehr gut zu erkennen, wie das Entenjunge dem Schwanen-Männchen folge. Es sei auf die Schwäne als Zieheltern geprägt. „Spannend ist, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelt“, fügt Lübcke hinzu. Er will mit Hermann Lötzer Kontakt aufnehmen, um sich die ungewöhnliche Familie live anzusehen. Das Phänomen der „Prägung“ erforschte der berühmte Verhaltensforscher Konrad Lorenz vor Jahrzehnten intensiv. Er untersuchte das Verhalten von Graugänsen und wie es entsteht. Kurz nach dem Schlüpfen bot er Küken sich selbst und sogar Gegenstände als „Mutter“ an. Die Jungtiere akzeptierten, sie wurden falsch „geprägt“.Das kann Folgen haben, denn bei vielen Tieren entscheidet sich in dieser Phase der Prägung auch, wen sie später als Sexualpartner für die Fortpflanzung auswählen. Männliche Enten, die auf Lorenz geprägt waren, nahmen als erwachsene Erpel Enten-Weibchen nicht als Sexualpartner an, während die Weibchen trotz Prägung auf den Menschen wussten, wen sie für die Zeugung von Nachwuchs tatsächlich brauchen. Handelt es sich beim adoptierten Edertaler Entenküken um einen Erpel, so balzt er später womöglich und tragischerweise vergeblich die viel zu großen Schwanen-Damen an.

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