Weiterbildungsverbund in Wildungen gegründet

Hausärzte für die Zukunft ausbilden

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Bad Wildungen - „Hausarzt werden in Waldeck-Frankenberg“ ist ein Info-Blatt überschrieben, in dem der neu gegründete Weiterbildungsverbund für den ganzen Landkreis vorgestellt wird.

Als sechste hessische Einrichtung dieser Art präsentierte sich der Verbund in der Asklepios-Stadtklinik jüngst erstmals der Öffentlichkeit. In den vergangenen Monaten hat Kai-Oliver Schramek, Leiter Regionalmarketing bei Asklepios Nordhessen, in Zusammenarbeit mit Gründungspartnern die Arbeit und die Aufgaben des Weiterbildungsverbundes in eine Form gegossen. Die Partner sind das Kompetenzzentrum Universität Marburg (Abteilung für Allgemeinmedizin), die Asklepios-Stadtklinik, die Asklepios-Fachklinik Fürstenhof und die Praxisärzte Sigrid Wittwer/Ralf Wittwer (Waldeck), Heike Padberg (Goddelsheim), Dr. Frank Uffelmann (Gemünden/Hatzfeld), Dr. Annneli Freitag-Schickram und Dr. Peter Schickram (Bad Wildungen). Der Weiterbildungsverbund soll mit dazu beitragen, für die Zukunft die hausärztliche Versorgung im Landkreis sicher zu stellen, indem er Ärzten eine umfassende, strukturierte und individuelle allgemein-medizinische Weiterbildung anbietet. Die kassenärztliche Vereinigung hat dem Projekt Unterstützung zugesichert. Das Interesse an struktureller Weiterbildung für Allgemeinmediziner sei sehr groß, fügte Susanne Sommer hinzu, Leiterin der Allgemeinmedizin an der Universität Marburg: „Gute Hausärzte müssen gut ausgebildet sein.“ Der neue Verbund sei ein Riesenschritt, um jungen Ärzten eine gute Weiterbildung in Zusammenarbeit mit der Universität zu ermöglichen. Eine solche koordinierte Facharztausbildung aus einer Hand habe es bisher nicht gegeben. Die Weiterbildung junger Ärzte dauere gewöhnliche neun Jahre. Diese Zeit verkürze sich im Rahmen des Projekts auf fünf Jahre: eineinhalb Jahre in der Klinik, eineinhalb Jahre beim Hausarzt und weitere zwei Jahre Ausbildung nach Wunsch. „So haben junge Mediziner die Möglichkeit, ihr Spektrum breit zu streuen und müssen sich nicht von Anfang an spezialisieren“, schilderte Susanne Sommer. Den Handlungsbedarf bei der Versorgung der Region mit Hausärzten verdeutlichte Asklepios-Regionalgeschäftsführer Dr. Dirk Fellermann: 2010zählte die Kassenärztliche Vereinigung im Kreis 114 Hausarztpraxen. 2025 seien rund zwei Drittel dieser Praxisärzte älter als 67 Jahre. Das Kalkül der am Weiterbildungsverbund beteiligten Partner: durch die mehrjährige Ausbildung genug Medizinernachwuchs für die Übernahme dieser Praxen heranzuziehen. Asklepios-Chefarzt Dr. Ulf Jonas sieht gute Chancen für Allgemeinmediziner: „Wenn ein Assistenzarzt in unserer Region eine Praxis übernimmt und seine Patienten gut versorgt, dann hat er ausgesorgt.“ Trotzdem bestehe aktuell kaum Interesse an dieser Variante, als Arzt zu arbeiten.Dr. Matthias auf dem Brinke, ärztlicher Direktor der Asklepios-Kliniken in Bad Wildungen, verwies auf die zunehmende Spezialisierung innerhalb der Medizin: Gerade wegen dieser Entwicklung komme dem Hausarzt zunehmend die Rolle eines wichtigen medizinischen Lotsen zu.Viele Hausärzte der Region schauen mit Hoffnung auf die neue Weiterbildungseinrichtung, denn die Arbeitsbelastung für den Einzelnen steige, weil die Gesamtzahl der Hausärzte im Kreis sinke. Für junge Kollegen könnten die Landarztpraxen mit ihrem breiten Angebotsspektrum interessante Weiterbildungsmöglichkeiten öffnen, sind die erfahrenen Hausärztinnen und -ärzte überzeugt.Wobei die Perspektiven auch länger gediente Krankenhausärzten reizen könnten, einen für sie neuen Weg einzuschlagen. Dr. Gregor Strosing heißt der erste Teilnehmer am Wildunger Verbund. Er legte 1987 sein Examen ab hat, war 25 Jahre lang auf Intensivstationen, im OP, als Notarzt und im Rettungsdienst tätig. „Mit 52 wollt ich noch einmal etwas Anderes machen“, sagte er und absolviert seit kurzem eine Weiterbildung in der inneren Abteilung der Asklepios-Stadtklinik. Nach Abschluss will er sich als Hausarzt niederlassen.Der Landkreis arbeitet im Übrigen gemeinsam mit dem Frankenberger Krankenhaus an einem weiteren Weiterbildungsverbund. Informationen über den Wildunger Weiterbildungsverbund: Kai Schramek, Telefon 05621-704102. (szl)

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