Wildunger SPD-Fraktion kritisiert Kurhaus-Arbeitsgruppe ebenso wie die Union für deren Vorgehen

Heile Kurhaus-Welt als einziger Maßstab?

Bad Wildungen - Enttäuscht, aber nicht verwundert reagiert die SPD-Fraktion auf das Aus des Hotelprojekts auf dem Kurhaus-Gelände.

„Nach dieser Vorgeschichte mit breit gestreuten Hinweisen, dass eine Mehrheit der Bad Wildunger das Projekt ja nicht wolle“, fügt Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei in einer Pressemitteilung hinzu. Zweierlei habe sich gezeigt: Durch eine zu frühe öffentliche Diskussion könnten Großprojekte rasch zerredet werden. Und bei zentralen Fragen der Stadtentwicklung – wie etwa bei Kurhaus oder Heloponte – sollten Entscheidungen mit möglichst breitem Konsens getroffen werden. Das verleihe potenziellen Investoren die nötige Sicherheit. „Dies setzt voraus, dass man sich in der Sache grundsätzlich einig ist. Die SPD hat zumindest beim Heloponte die Hoffnung, dass dieses Ziel erreicht werden kann“, betont Mombrei. Enttäuscht müsse man in gleicher Weise von dem sein, was nach drei Jahren mit angeblich intensiven Vorarbeiten des Projektentwicklers und einer städtischen Arbeitsgruppe Anfang Juli als Ergebnis vorgelegt wurde. Versprochen war die endgültige Lösung für das Kummerkind Kurhaus. Es wurde dargestellt, dass in Bad Wildungen unbedingt ein weiteres Hotel – in welcher Kategorie auch immer – benötigt werde. „Wenn dies stimmt, warum stehen dann hierfür keine Interessenten bereit, die in der Badestadt Geld verdienen wollen? Wenn es mit einem Hotelneubau in Bad ­Wildungen nicht jetzt, bei günstigsten Rahmenbedingungen, klappt – wann dann?“, fragt die SPD in ihrer Stellungnahme. Die „magere Vorstellung“ des Projektentwicklers habe es den Skeptikern mehr als leicht gemacht. Müsse sich Bad Wildungen von dem Gedanken, dass Bedarf für ein Hotel existiert, verabschieden? Seien drei Jahre Arbeit in das falsche Objekt (oder von den falschen Leuten in das richtige Objekt?) investiert worden und keiner habe dies bemerken können? (Schaden-)Freude sollte allerdings nach Meinung der Sozialdemokraten bei den Kritiker(inne)n des Projekts nicht aufkommen. „Wir werden nun nicht mehr erfahren, ob die Stadt durch Zaudern und Mäkeln eine große Chance vertan hat. Jetzt muss auf das Ergebnis des Gutachtens, das Investitionsbedarf und Folgekosten des Kurhauses in seinem jetzigen Zustand ermitteln soll, gewartet werden“, erklärt Mombrei. Erst danach müsse auf der Grundlage der Erkenntnisse neu entschieden werden. „Wer sofort nach dem Scheitern der Hotelpläne nach einem Teilverkauf von Flächen ruft, setzt sich dem Verdacht aus, dass dies genau von Anfang an sein Plan war“, kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende. Sein CDU-Amtskollege Oliver Syring hatte diese Variante ins Gespräch gebracht. Zugleich verweist Mombrei auf die Situation der Stadt. Sie wolle ihre Sportstätten den Vereinen übergeben oder sie verkaufen, weil die Stadt anderenfalls den Haushalt nicht mehr ausgleichen und den Forderungen der CDU-Grünen-Landesregierung nachkommen könne. „Auch wir in Bad Wildungen haben keinen ausgeglichenen Haushalt. Deshalb könnten auch uns dank der CDU-Landesregierung massive Einschnitte in den freiwilligen Leistungen bevorstehen“, mahnt der SPD-Fraktionschef und fragt: „Haben die kulturbeflissenen CDU-Damen einen einzigen Gedanken daran verschwendet? Oder ist ihnen dies egal, wenn nur beim geliebten Kurhaus die heile Welt, die schon Bürgermeister Grieneisen zerstört hat, wiederhergestellt wird?“Habe sich auch nur eine von ihnen in der Vergangenheit öffentlich dagegen aufgelehnt, dass ein Arbeitsplatz nach dem anderen beim Staatsbad verloren ging, dass im Zuge der Privatisierungswelle Arbeitnehmer Gehaltseinbußen von bis zu 20 Prozent hinnehmen mussten? Schön wäre es, wenn bürgerschaftliches Engagement nicht nur die eigenen Interessen, sondern das Ganze in den Blick nähme, schließt Mombrei: „Die Stadtverordneten haben die Verpflichtung dazu.“

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