Kosovarin hofft, dass Landtag ihrer Petition zustimmt und sie in Bad Wildungen bleiben darf

Bei Heimkehr droht der Tod

Bad Wildungen - Nierenversagen, starkes Untergewicht: Vor fünf Jahren kam Ajshe Beqiri aus dem Kosovo in lebensbedrohlich schlechtem Gesundheitszustand nach Bad Wildungen.

Bad Wildungen. Dank der sofortigen medizinischen Behandlung im Nephrologischen Zentrum des Asklepios Krankenhauses erholte Ajshe Beqiri sich schnell, und mittlerweile ist ihr Gesundheitszustand stabil. Ihre Tante, die schon seit mehreren Jahren in Bad Wildungen lebt, unterstützte ihre Nichte in jeder Hinsicht und bot sogar an, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen.

Geringe Chancen

Nach zwei Jahren kam der erste Rückschlag: Beqiris Asylantrag wurde abgelehnt. Denn der Kosovo zählt nicht mehr als Kriegsgebiet und Beqiri wird nicht aus politischen, ethnischen oder religiösen Gründen verfolgt. Nach der Ablehnung reichte Beqiri mithilfe des Diakonischen Werks eine Petition beim Hessischen Landtag ein. „Aber statistisch gesehen stehen unsere Chancen, dass die Petition durchkommt, eher schlecht“, befürchtet Flüchtlingsberater Uwe Kretschmer. Sollte die Petition ebenfalls abgelehnt werden, will er einen Antrag bei der Härtefallkommission für Ajshe Beqiri einreichen.

Eine Rückkehr in den Kosovo würde ihren Gesundheitszustand stark verschlechtern, „wenn nicht sogar ihren raschen Tod zur Folge haben, da bin ich überzeugt“, sagt Beqiris behandelnder Arzt Dr. Michael Werner. Im Kosovo seien die Medikamente, die Beqiri zur Verbesserung ihres Blutbildes brauche, schwer bis gar nicht verfügbar (siehe Hintergrundkasten).

Regelmäßig zur Dialyse

Statt des hierzulande verabreichten Hormons Erythropoetin (kurz: EPO) würden dort oft Bluttransfusionen eingesetzt, um das Blutbild der Patienten zu verbessern. Doch die Blutkonserven könnten fatale Folgen haben: Ajshe Beqiri infizierte sich über eine Bluttransfusion im Kosovo mit Hepatitis C. „Bisher ist die Krankheit bei ihr nicht ausgebrochen, aber auch das muss beobachtet werden“, erklärt Werner. Jede Woche dreimal kommt Beqiri für vier bis fünf Stunden zur Dialyse. Mittlerweile lebt sie in einer eigenen Wohnung, und sie hat Deutsch gelernt. Sie brachte es sich mit Lernheften selbst bei und übte mit ihrer Tante und den Ärzten und dem Pflegepersonal in der Klinik. Sie würde gerne in Deutschland bleiben, eine Ausbildung absolvieren. „Vielleicht zur Friseurin“, meint die 26-Jährige.

Dr. Werner weiß: „Wenn sie einen Ausbildungsplatz hätte, dann wäre sie auch krankenversichert und dann hätten wir die Kostenzusage für eine Nierentransplantation.“

Beqiri steht schon lange auf der Warteliste für eine Niere, „aber für die Ausländerbehörde ist es einfacher, für den monatlichen Betrag für die Dialyse aufzukommen, als die einmaligen - im Endeffekt niedrigeren - Kosten für eine Transplantation zu tragen“, sagt Werner. Aber eine Transplantation würde Beqiris Leben stark erleichtern: sie müsste zwar weiterhin Medikamente nehmen, damit ihr Körper das neue Organ nicht abstößt, aber die Kosten wären viel niedriger, ihr Alltag wäre nicht mehr von den Dialyseterminen bestimmt und dann wäre auch ihr Kinderwunsch endlich im Bereich des Möglichen.Von Nais Baier

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