Stadtparlament beschließt Dringlichkeitsantrag der FWG für Versteigerung

Helenental - für kleines Geld mitbieten

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Bad Wildungen - Das alte Gebäude der Helenenquelle-Abfüllung kommt „unter den Hammer“. Dreht die Zwangsversteigerung den Hahn für das gesundheitsfördernde Heilwasser zu? Das befürchtet Dr. Hans Schultheis (FWG). In einem Dringlichkeitsantrag im Stadtparlament warb er dafür, dass der Magistrat beim nächsten Versteigerungstermin mitbietet.

„Eine zukünftige Abfüllung der Helenenquelle ist nicht mehr möglich, wenn das Gelände nicht mehr der Stadt gehört“, gab Schultheis zu bedenken. Wie die WLZ in der Ausgabe vom 8. März berichtete, bot ein Interessent beim ersten Termin im Fritzlarer Amtsgericht 15?000 Euro für den alten Abfüllbetrieb. Da der Verkehrswert mit 62?500 Euro angesetzt war, wurde der Zuschlag jedoch versagt.

Sollte der Hammer beim nächsten Versteigerungstermin fallen, der bislang noch nicht feststeht, „dann verlieren wir die Möglichkeit, an die Rohrleitungen dranzukommen, um Heilwasser abzufüllen“, monierte Schultheis und sah die Stadt in der Pflicht, das Gelände zu erwerben. „Wasser wird immer kostbarer, und die Wirkungen von Heilwasser, insbesondere unserer Helenenquelle, kann in Zukunft bedeutender werden, als wir es im Augenblick einschätzen.“ Das Heilwasser könne Harnsteine ohne die Zugabe von Medikamenten auflösen. Das Gebäude der Abfüll-Anlage sei „in sehr bemitleidenswertem Zustand“. Es müsse gesichert werden und könnte als Depotraum genutzt werden.

„Wenn wir hier an dieser Quelle nicht wach sind, werden wir einen Fehler begehen, und die Quelle wird nicht mehr in unserer Hand sein“, warnte der FWG-Sprecher. Zulassung verfallen Bürgermeister Volker Zimmermann entgegnete kopfschüttelnd: „Die Helenenquelle entspringt nicht in dem Gebäude, sondern an völlig anderer Stelle.“ Die staatlich anerkannte Heilquelle ist nach Einschätzung des Bürgermeisters „wahrscheinlich das beste und wirksamste Heilwasser, was wir haben“. Es könne auch gezapft werden und sei nach einer aktuellen Kurzanalyse des Darmstädter Regierungspräsidiums von „hervorragender Qualität“.

Die Zulassung als Arzneimittel sei jedoch inzwischen verfallen. Sie könnte für rund 30?000 Euro neu beantragt werden. Im Zuge des Insolvenzverfahrens um die Firma Tilenius wurde die Abfüllanlage bereits ausgebaut. Eine Abfüllung sei jedoch mithilfe anderer technischer Möglichkeiten machbar. Die Liegenschaft im Helenental sei interessant, allerdings verwies Zimmermann auf erhebliche Folgekosten für Sanierung oder Abriss. „Ich bitte um Verständnis, dass wir bei 60?000 Euro nicht zugegriffen haben.“ Es spreche nichts dagegen, das Gebäude „für kleines Geld“ zu erwerben.

Prof. Dr. Horst Zebes Befürchtungen, ein Erwerber könnte im Helenental Disco, Hotel oder Gastronomie eröffnen, zerstreute der Bürgermeister. Aufgrund hoher Auflagen im Heilwasserschutzgebiet, durch den Forst, die Lage im Außenbereich und fehlende Parkplätze sei die Nutzung stark eingeschränkt. Das bewertete Jürgen Graul (FDP) ähnlich. Eigentlich sei das Gebäude völlig wertlos und dürfte nur „ein paar Euro“ kosten. Bürgermeister Zimmermann ließ unmissverständlich wissen: „Nie im Leben gibt die Stadt Bad Wildungen diese Quellen aus der Hand – damit das klar ist.“

Klaus Stützle (Grüne) konterte spontan: „Da möchte ich widersprechen – die Donarquelle in Züschen haben wir verkauft, sogar fast verschenkt.“ Da die Abfüllung der Helenenquelle laut Bürgermeister nicht gefährdet sei, votierte Stützle gegen einen Erwerb der maroden Immobilie. Der Darstellung des Rathauschefs vermochte Dr. Hans Schultheis allerdings nicht zu folgen: „Das entscheidende Rohr für die Abfüllung gibt es nur in dem Haus.“ Mit Stimmen von CDU, FWG und FDP wurde beschlossen, dass der Magistrat beim nächsten Versteigerungstermin mitbietet. Parallel dazu werden die möglichen Folgekosten ermittelt.

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