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Helfer-vor-Ort-Gruppe für Stadtteil von Bad Wildungen gegründet

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Von: Matthias Schuldt

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„Helfer-vor-Ort“ für Odershausen: (von links) Michael Parlow, Ben Schwarz, Til Reuter, Michelle Ladwig und Wilfried Meier. Weil sie zum
„Helfer-vor-Ort“ für Odershausen: (von links) Michael Parlow, Ben Schwarz, Til Reuter, Michelle Ladwig und Wilfried Meier. Im Bild fehlen Lisa Riemann und Björn Wollmert. © Matthias Schuldt

In Odershausen überbrückt ein Freiwilligen-Team mit rascher Erster Hilfe im medizinischen Notfall die Zeit bis zur Ankunft des Rettungsdienstes.

Odershausen – Die kompetenten jungen Frauen und Männer haben eine „Helfer-vor-Ort“-Gruppe (HVO) gegründet. Ihr Antrieb: in einem medizinischen Notfall zählt jede Minute; das Warten auf Notarzt und Rettungswagen dehnt sich zur gefühlten Ewigkeit. Sobald jemand nun in Odershausen den Notruf wählt und die Leitstelle des Landkreises einen medizinischen Notfall erkennt, alarmiert sie nicht nur Notarzt und Rettungsdienst, sondern über eine Smartphone-App im selben Moment die HVO.

„Wir erhalten mit der Nachricht sofort die Adresse des Notfalls und bestätigen den Eingang des Alarms“, erklärt Til Reuter. Er ist einer der „Voraushelfer“ oder „First Responder“, wie die ehrenamtlichen Ersthelferinnen und -helfer auch bezeichnet werden. Weil alle sieben selbst im Stadtteil leben, „sind wir mindestens vier bis fünf Minuten früher am Einsatzort als der Rettungsdienst“, fügt er hinzu. Trifft der Rettungswagen ein, ist der Einsatz für die HVO noch nicht beendet. Die Ehrenamtlichen kümmern sich auch um die Angehörigen der Geretteten.

Seit 22. Oktober einsatzbereit und seitdem drei Mal alarmiert

Seit 22. Oktober ist die HVO-Gruppe Odershausen offiziell aktiv. „Drei Einsätze hatten wir bereits, davon einer mit Wiederbelebung“, berichtet Reuter. In einem Ort von der Größe Odershausens seien 15 bis 16 Alarme pro Jahr zu erwarten. Die sieben jungen Leute sehen sich in ihrer Initiative durch die ersten Einsätze voll bestätigt. „Das läuft alles ohne Dienstpläne oder Dienstzeiten“, ergänzt Wilfried Meier.

Die Voraushelferinnen und -helfer sind damit praktisch rund um die Uhr täglich einsatzbereit. Die Gruppengröße von sieben Personen bringt eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit hervor, dass mindestens eine der ehrenamtlichen Erste-Hilfe-Kräfte im Ernstfall zur Verfügung steht. Eine Nachbarschaftshilfe, die Leben retten kann; so sieht es Til Reuter: „Ideal wäre es, wenn jedes Dorf so eine Gruppe hätte.“

Erstausstattung muss selbst finanziert werden: Kliniken spendeten die Ausrüstung

Allerdings steht nicht jedem Dorf so umfangreiche Expertise zur Verfügung, wie zum Glück Odershausen. Neben Reuter und Meier gehören Michelle Ladwig, Lisa Riemann, Ben Schwarz und Björn Wollmert zum Team. Sie alle arbeiten hauptberuflich beim DRK-Rettungsdienst. Siebter im Bunde ist Michael Parlow von der Wildunger DRK-Bergwacht. Damit bringt die gesamte Gruppe von vornherein das Know-how mit, das Andere über die vorgeschriebenen Kurse erst erwerben müssen. Organisatorisch sind HVO-Gruppen in Hessen zumeist den Feuerwehren zugeordnet. Das gilt auch für die Odershäuser, die „ihrer“ Ortsfeuerwehr angegliedert sind.

Während das Land Hessen für Qualifikation und Einsatz der Voraushelferinnen und -helfer im Jahr 2011 Empfehlungen herausgab, sucht man nach geregelter Finanzierung vergeblich. „Die Finanzierung unserer Erstausstattung mussten wir selbst organisieren“, sagt Reuter. Die Stadt lud die Gruppe in die Klinikrunde ein. Die Hartenstein-Kliniken, ergänzt durch die Klinik am Kurpark, spendeten Ausrüstung im Gesamtwert von rund 2000 Euro. Das Verbrauchsmaterial wie Verbände füllt künftig der Rettungsdienst wieder auf.

Die Voraussetzungen, um Voraus-Helfer, Helfer-vor-Ort, First Responder zu werden

Voraus-Helfer müssen laut dem Land Hessen mindestens 18 Jahre alt, persönlich und gesundheitlich geeignet sein. Voraus-Helfer sind grundsätzlich freiwillige, ehrenamtliche Helfer.

Pflichtvoraussetzung sind 16 Unterrichtseinheiten Erste-Hilfe-, acht Unterrichtseinheiten Voraus-Helfer-Training sowie jährlich acht Unterrichtseinheiten Voraus-Helfer-Training mit dem Schwerpunkt Herz-Lungen-Wiederbelebung. Auch eine Defi-Schulung gehört zum Programm. Ein solcher Defi befindet sich im Odershäuser Feuerwehrgerätehaus. Ist der Umweg nicht zu groß, holen ihn die HVO auf dem Weg zum Einsatzort ab. (Matthias Schuldt)

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