Kosten bis zu 28 Millionen Euro

Wasserspiele, Sportbecken und Kelo-Sauna: Das sind die Pläne für das neue Heloponte

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Ein Freibad wäre künftig nicht mehr Bestandteil der Heloponte-Anlage: Stattdessen ließe sich die Gebäudefassade an der Westseite des künftige Schwimmbeckens nach außen hin öffnen. 

Bad Wildungen. Die Planungsbüros legen im Parlament die Inhalte der neuen Anlage und eine ausgedehnte Kostenrechnungen für das Heloponte in Bad Wildungen vor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Plänen.

Daniela Kersting vom Bielefelder Büro „Constrata“ stellte am Montag im Parlament mit Sonja Redies und Paul Oppermann vom Hamburger Büro „Profund“ die Inhalte und Kostenrechnungen einer neuen Heloponte-Freizeitanlage vor. Die Stadtverordneten nahmen es zur Kenntnis und beraten demnächst darüber in den zuständigen Gremien.

Was böte das neue Heloponte den Schwimmern?

Ein Sportbecken von 25 Metern Länge, 12,50 Metern Breite, aufgeteilt in fünf Bahnen bei einer Wassertemperatur von 28 Grad Celsius und einer Tiefe von 1,25 bis 1,80 Meter. Ausgestattet ist es mit Startblöcken, einer seitlichen Einstiegstreppe, einem Lift für Rollstuhlfahrer, versenkbaren Trennleinen und LED-Unterwasserscheinwerfern für Lichteffekte. 

Weil die gesamte Anlage barrierefrei auf einer Ebene angelegt wird, aber die Becken insgesamt höher liegen als heute, erhalten Schwimmer aus Panoramafenstern heraus einen freien Blick auf die Stadt und auf den park-ähnlichen, hinteren Teil des großen Grundstücks. Die Gebäudefassade nach hinten lässt sich im Sommer komplett öffnen. Ein Freibad gibt es nicht mehr.

Was böte das neue Heloponte für Familien mit Kindern?

Ein Freizeitbecken von 200 Quadratmetern Wasserfläche mit einer Temperatur zwischen 30 und 32 Grad Celsius und einer Tiefe von 80 Zentimetern bis 1,40 Meter. Zur Ausstattung zählen eine Wassergewöhnungstreppe, eine Breitrutsche, die erweiterbar auf eine weitere Rutsche ist, zwei abtrennbare Schwimmbahnen, LED-Unterwasserscheinwerfer, einen Strömungskanal mit Grotte, Kletterelemente, Schwallduschen, Wasserfall, Bodensprudler, Massagedüsen und Ähnliches.

Ein gesonderter Kinderbereich zum Planschen weist ein 30 Quadratmeter großes Becken auf, das 0 bis 40 Zentimeter tief ist bei einer Wassertemperatur von 32 Grad Celsius. Eingefügt ist es in einen Raum von 80 bis 100 Quadratmetern Größe, dessen Decke niedriger hängt als im Rest des Bades. Wasserspielattraktionen richten sich an Kinder vom Babyalter bis zum Alter von 3 Jahren: Wasserlauf mit Staumöglichkeit, Wasserspeier, Grotte, kleine Rutsche, mobiles Wasserspielzeug oder Unterwasser-Animationen (Fischprojektionen). Die Planer empfehlen dazu einen kleinen Trocken-Spielplatz. Der ganze Bereich ließe sich auch nach außen öffnen.

Was würde die Saunagäste im neuen Heloponte erwarten?

Eine 35 Quadratmeter große finnische Sauna (90 bis 100 Grad) mit Panoramascheibe zum Park, Salzsauna (65 Grad), Sanarium (60 Grad) mit Farblicht und Musik auf 20 Quadratmetern, 15 Quadratmeter Dampfbad (45 Grad), 50 Quadratmeter Saunapool, Saunagastronomie mit direkter Anbindung, 120 Quadratmeter Ruheraum mit 40 Liegen und Panaromafenster zum Park.

Was verstehen die Planer unter einem Saunagarten?

Eine Kelo-Sauna aus besonders beständigem Kiefernholz als Aufguss-Sauna (90 bis 100 Grad) auf 25 Quadratmetern inklusive Panoramascheibe, attraktiv gestaltete Außenanlage mit Liege-Nischen und Abkühlelementen, Ruhehaus und 50 Quadratmetern Saunapool außen.

Welches Element der Heloponte-Nachfolge-Anlage ist im heutigen Bad grundsätzlich nicht zu finden?

Eine Riesenrutsche sieht das neue Konzept für das Heloponte nicht vor.

Ein gesonderter Entspannungsraum mit kleinem Gradierwerk, das ein Kleinklima mit salzhaltiger Luft schafft. Daran gliedert sich ein Sole-Außenbecken mit einer Wasserfläche von 100 Quadratmetern, einer Tiefe von 1,35 Meter und einer Wassertemperatur von 32 Grad an. Es weist Sprudelliegen, Nackenduschen, Massagedüsen, LED-Unterwasserscheinwerfer, Einschwimmschleuse und automatische Beckenabdeckung auf.

War´s das im Angebot der neuen Anlage?

Ja, so weit es die „Basisversion“ angeht, zu der die Planungsbüros raten. Sie haben aber einige Zusatz-Optionen aufgezeigt. Nach Einschätzung der Planer verteuern sie das Projekt, erhöhen die laufenden Kosten, erzielen aber keinen nennenswerten, zusätzlichen Anstieg der Gästezahlen, sodass sich das erwartete Defizit vergrößern würde. 

Zu den Optionen zählen: ein 375 Quadratmeter großes, gesondertes Freibecken mit drei Schwimmbahnen à 25 Meter und Anreizen wie Sprudelliegen; Sauna-Kaminzimmer mit Terrasse; ein gesondertes Becken für Bewegungskurse.

Kosten für das neue Heloponte  - bis zu 28 Millionen Euro

Das vorgelegte Konzept orientiert sich in seinen Dimensionen am heutigen Heloponte-Bestand und legt aktuell gültige Kalkulationstabellen zugrunde.

Die Investitionskosten: Die Basisvariante würde inklusive Baunebenkosten mit Herrichten des Grundstücks und Außenanlagen knapp 25 Millionen Euro kosten. Einschließlich Zusatzoptionen wären es 28 Millionen Euro. Die Genauigkeit der Kalkulation im aktuellen Planungsstadium liegt bei plus/minus 40 Prozent und steigert sich im Verlauf des Verfahrens auf plus/minus 10 Prozent.

Die Gästezahlen: Knapp 35 Prozent der Deutschen besuchen Bäder. Jeder Gast tut das im Schnitt 3,5 Mal pro Jahr. In die Sauna gehen 18 Prozent und das je 4 Mal im Jahr. Kombiniert mit Analyse des Einzugsgebietes und der Konkurrenzangebote kommen die Planer für die Basisvariante auf rund 102.000 an der Kasse zahlende Gäste für das Bad (ohne Schul-und Vereinsschwimmer von etwa 20.000). Für die Sauna erwarten sie rund 38.000 Besucher. 

Schwimmen mit Zuschuss: Bei den kalkulierten Eintrittspreisen und den veranschlagten Kosten würde das neue Heloponte weiterhin hohe Defizite erwirtschaften.

Bei Verwirklichung aller ergänzenden Angebote zur Basis-Planung seien maximal 10.000 weitere Gäste zu erwarten. Diesen prognostizierten Zahlen stehen heute weniger als 100.000 an der Kasse zahlende Besucher gegenüber. Die Tarife Die Planer kalkulieren mit kaum erhöhten Tarifen und allen bekannten Ermäßigungs-Arten, etwa auch Familien- oder Jahreskarten. Eine Tageskarte fürs Bad kostet den Erwachsenen 7 Euro, der 1,5-stündige Aufenthalt 3 Euro. Die Tageskarte Sauna käme auf 17 Euro. Gradierwerk und Solebecken schlügen mit zusätzlichen 2 Euro Eintritt zu Buche. Pro Schul- und Vereinsschwimmer werden pauschal 3 Euro kalkuliert. Für die Gastronomie sieht die Rechnung Einnahmen je Badegast von 25 Cent brutto, je Saunagast von 5 Euro brutto vor. Grundlage sind allgemein übliche Markt-Kennzahlen.

Die Betriebskosten: Bliebe die Helo-Teamstärke auf heutigem Niveau, würde der Personalaufwand pro Gast bei 5 Euro liegen. Marktüblich seien zwischen 3 und 4 Euro. Wasser, Abwasser, Strom, Wärme und Betriebsmittel belaufen sich auf 3,10 Euro pro Gast oder 641 Euro pro Quadratmeter Wasserfläche. Deutsche Freizeitbäder kommen hier im Schnitt auf 2,57 Euro und 667 Euro. Zu diesen wichtigsten Posten gesellen sich weitere hinzu. Auf jeden Gast entfallen so im Vergleich zu den Einnahmen rechnerisch Ausgaben von knapp 11 Euro.

Das Defizit: Die Planer gehen zur Finanzierung der Investitionen von 100 Prozent Kreditaufnahme zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent bei einer Laufzeit von 25 Jahren aus. Sie setzen einen Jahresumsatz zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Euro an, woraus sich ein Defizit im laufenden Betrieb einschließlich Abschreibungen sowie Kosten für Zins und Tilgung von 2,3 Millionen Euro jährlich ergibt. Würden alle Zusatzoptionen verwirklicht, stiege das Minus um weitere 300.000 bis 400.000 Euro jährlich.

Die Projektzeit: 50 Monate, davon für Abriss und anschließenden Neubau gut zwei Jahre. Die Vorbereitungs- und die abschließende Einrichtungsphase komplettieren das Tableau.

Die Zahlen bedeuten harte Arbeit in den Beratungen für das neue Heloponte

Die Zahlen der Planungsbüros ließen vielen Stadtverordneten den Atem stocken, vor allem, was Bauzeit und Kosten angeht. Daniela Kersting von „constrata“ machte eindrücklich klar: Was es am Ende kostet, darauf haben die Parlamentarier jetzt, beim Festlegen des tatsächlichen Projektumfangs, den größten Einfluss. Das höchste Risiko von Kostensteigerungen liegt aktuell in der Zeit, sollte der Boom in der Baubranche anhalten. Denn die Preise steigen und steigen weiter. 

Im Gegenzug blieben bei den Kalkulationen viele kostensenkende Faktoren unberücksichtigt, weil die Planer bewusst sehr vorsichtig rechneten. Dazu zählen Kredite und Zinsaufwand. Bad Wildungen hat Geld auf der hohen Kante, das es investieren kann. Das Land gewährt zudem zinslose Kredite für Bäder. Ein kostengünstiger, gemeinsamer Betrieb mit dem EWF ist ebenso wenig eingepreist wie ein deutlicher Anstieg der Tarife (speziell für die Sauna), gerechtfertigt durch attraktive, moderne Angebote. Harte Arbeit wartet in den Beratungen auf die Parlamentarier.

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