Duale Ausbildung eröffnet Abiturienten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Herausforderung im Handwerk

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Nach dem Abitur in die Schreinerei – Martin Hackel und Steffen Reis (von rechts) an einem computergesteuerten Arbeitsplatz in der Werkstatt von Schreinermeister Meik Syring (links). Mit im Bild Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, un

Bad Wildungen - Odershausen - Trotz Abitur ins Handwerk: Martin Hackel und Steffen Reis haben sich für eine Ausbildung zum Tischler entschieden und peilen dann ein Hochschulstudium an.

Für Martin Hackel war die Berufswahl quasi die Fortsetzung einer Familientradition. „Ich bin die dritte Generation von Schreinern“, sagt der Löhlbacher. Nach seinem Abitur am Gustav-Stresemann-Gymnasium in diesem Jahr begann der 18-Jährige eine Ausbildung bei der Odershäuser Schreinerei Syring.

Steffen Reis baute sein Abi vor zwei Jahren und gelangte als Quereinsteiger in die Schreinerei. „Ich wusste gar nichts von dem Beruf“, gesteht der Hundsdorfer, der sich mit Leib und Seele der Schauspielerei verschrieben hat. Die handwerkliche Ausbildung habe er zunächst als Absicherung seines Traumberufs angestrebt. „Jetzt spiele ich sogar mit dem Gedanken, nachher noch Architektur zu studieren.“

Start eines Werbefeldzugs

Um Zeit zu überbrücken bis zum Beginn seiner Ausbildung, absolvierte der 21-Jährige das Berufsgrundbildungsjahr mit Fachrichtung Holz in Frankenberg. „Das war eine gute Basis“, urteilt sein Chef Meik Syring. In dem Odershäuser Unternehmen werden 18 Mitarbeiter beschäftigt, davon vier Auszubildende.

„Handwerkliche Ausbildung und Abitur sind keine Gegensätze, sondern passen hervorragend zusammen“, betonte Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Trotzdem waren bisher nur ein bis zwei Prozent Abiturienten unter den Auszubildenden in den Handwerksberufen im gesamten Landkreis. Mit 55 Prozent stellten die Hauptschüler die meisten Azubis.

Weil auch in Handwerksbetrieben immer mehr komplexe Themen gefragt sind und computergesteuerte Maschinen umfangreicheres Wissen erfordern, stoßen viele junge Leute an ihre Grenzen. „Deshalb starten wir einen Werbefeldzug, um mehr Abiturienten für das Handwerk zu interessieren,“ kündigt Brühl eine Aktion im Rahmen des Projekts „Top-Ausbildungsstelle“ (Topas) an, eine Arbeitsgemeinschaft von Kreishandwerkerschaft und Meisterbetrieben der Region.

Baustein für das Leben

Eine handwerkliche Ausbildung sei ein hervorragender Basis-Baustein für das Leben. Mit dualer Ausbildung stünden jungen Leuten alle Türen offen. Während Hochschulstudenten nach ihrem Uni-Abschluss mühsam die Karriereleiter hinaufklettern müssten, eröffne der Meisterbrief früh Perspektiven. „Man kann sich selbständig machen und einen eigenen Betrieb führen oder mit Meisterbrief zur Uni gehen.“

2000 Handwerksbetriebe in Waldeck-Frankenberg beschäftigen 10500 Mitarbeiter. In 150 bis 200 Betrieben zeichnet sich in den nächsten Jahren ein Generationswechsel ab - eine Herausforderung für junge Handwerker, die zu neuen Zielen aufbrechen wollen.

Die Löhlbacher Familientradition wird von einem Bruder des 18-jährigen Tischler-Azubis fortgesetzt. „Wenn ich fertig bin mit meiner Lehre, gehe ich zur Uni,“ plant Martin Hackel. Ob Maschinenbaustudium oder Ingenieurwesen - eins ist für Schreinermeister Meik Syring klar: „Ganz wichtig ist die Fachpraxis, die er in seiner Ausbildung gesammelt hat - die kann keine Theorie ersetzen.“ (höh)

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