Neu gestalteter Postplatz zwar noch nicht ganz fertig, aber am Samstag schon offiziell eröffnet

Hier muss in Zukunft „der Bär tanzen“

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Mit Fantasie und Humor machen die anliegenden Geschäftsleute aus der Baustellennot eine Tugend.

Bad Wildungen - Der neue Postplatz ist offiziell eröffnet - und das Grummeln bei vielen Wildungern nicht zu überhören. „Was macht Ihr denn da?“, zitierte Bürgermeister Volker Zimmermann beim kleinen Festakt am Samstagabend eine ihm zuletzt häufig gestellte Frage.

Zugleich bat er die gewohnt kritischen Badestädter um Geduld und darum, kein vorschnelles Urteil zu fällen: „Sie dürfen bis zum nächsten Jahr gespannt sein, wie das Endprodukt aussieht, wenn das gesamte Scharnier fertig ist.“

Zugleich wertete der Bürgermeister die Diskussionen als Beleg dafür, „dass wir eine lebendige Stadt sind, in der sich die Bürger interessieren und einbringen.“ Zimmermann bedankte sich bei den Anliegern für deren Langmut und deren Beteiligung an der Gestaltung des verwandelten Postplatzes.

Was dessen neues Äußeres für einen Zweck verfolgt, brachte Pfarrer Hubertus Marpe auf den Punkt: Raum für Begegnungen zu schaffen; „hier ist mächtig viel Raum, und das ist gut so.“ Marpe forderte die Wildunger auf, künftig „nicht über den Platz zu huschen, sondern ihn zum Verweilen zu nutzen, zum Gespräch.“

Ideale Bedingungen für Veranstaltungen biete die Fläche, unterstrich Bernd Ulrich, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wildunger Wirtschaftsförderung (AWWiN): „Hier muss der Bär tanzen.“ Er beschwor die Kunden und Gäste, trotz der Baustellen-Unbilden dem Wildunger Einzelhandel treu zu bleiben, „denn der bildet den Herzschlag der Stadt, und niemand richtet Baustellen ein, um Leute zu ärgern.“

Die AWWiN will aus der Not eine Tugend machen und mit Veranstaltungen die Bauzeit überbrücken. Finanziert wird das vom Preisgeld des zweiten Ranges, den die AWWiN beim Wettbewerb „Ab in die Mitte“ des Landes kürzlich erreichte. Premiere war gestern im Zuge des ersten Erlebnismarktes mit Kunstaktionen auf dem Postplatz (mehr dazu morgen).

Michael Herz vom verantwortlichen Kasseler Planungsbüro attestierte den Wildungern „eine aktive Planungskultur.“ Sie hätten erkannt, dass der Mangel an öffentlichem Raum zwischen Kurviertel und Altstadt eine Schwäche im Stadtbild sei, die der Umbau des „Scharniers“ behebe: „Wie eine Akupunktur. Wenn alles fertig ist, können Sie stolz darauf sein“, ist er sicher. Ein Plus an Aufenthalts- und Lebensqualität ist der Stadt nach seiner Ansicht und der des Bürgermeisters sicher.

„Presslufthammer B-B-B-B-Bernhard“ Schäfer gab dem Publikum heiter-ironisch und in Versform einen Einblick ins Seelenleben der anliegenden Geschäftsleute, die sich zwar über die Umgestaltung freuen, zugleich momentan aber den Unmut der Gäste und Kunden aushalten müssen, quasi als inoffizielle Beschwerde- und Auskunftsstelle. Motto: „Die Stadt baut, es ist zu laut!“

Ein beliebtes Ziel der Kritik bietet der dominierende, hellgraue, kühle Farbton des Pflasters, ausgewählt von den Politikern des zuständigen Planungsausschusses. Rötlicher hätte er wirken sollen in Anbindung an die prägende Farbe in Allee und Altstadt. Trocken und auf großer Fläche kommen die rötlichen Splitteinschlüsse optisch aber kaum zum Tragen. Erst bei Nässe und mehr aus der Nähe betrachtet, etwa im gestrigen Dauerregen, machen sich die Farbtupferchen fürs Auge bemerkbar. „Nun liegt das Pflaster“, meinte einer der Gäste am Samstagabend, und alle hoffen, dass es sich tatsächlich einfügt, wenn Wasserspiele, Bänke und weitere Elemente erst stehen und die gesamte neue Flanierzone bis zum Kurschattenbrunnen fertig ist.

(von Matthias Schuldt)

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