DSL-Luftleitungen in Edertal irritieren Anwohner

Hightech im 50er Jahre-Kleid

Edertal - Tausende von Handys melden sich bei Anrufen mit demselben Klingelton, den Wählscheibentelefone in den 70ern bei Kojak, Jim Rockford oder Columbo von sich gaben. So ticken Menschen: Modernste Technik soll es sein, aber nach guter alter Zeit riechen.

Wenn man so will, hat die Telekom mit den DSL-„Luftleitungen“ in Edertal diese Idee bis zur letzten Konsequenz durchgezogen. Die Bergheim/Gif­litzer Bahnhofstraße und die Schlossstraße in Bergheim geben sich mit den neuen Masten und den oben durchhängenden Kabeln wie Dorfalleen in den 1950er/60er-Jahren.

Rasch (wenn auch arg verspätet) und billig werden auf diese Weise die Lücken in der Edertaler DSL-Versorgung geschlossen. Sehr zum Unmut manches Anwohners allerdings. „Wir sind eine Tourismusgemeinde und präsentieren uns an der Haupteinfallsstraße zum Edersee den Gästen im 50er-Jahre-Stil? Das geht doch nicht“, meint Walter Schomber, Apotheker in Bergheim und ehemaliger Gemeindevertreter.

Mit dem Wirtschaftsministerium habe er Kontakt aufgenommen, mit dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen, mit dem Denkmalschutz. Keiner störe sich offenbar an dieser Optik, stellt er irritiert fest.

„Bauherrin ist die Telekom, die alle Genehmigungsverfahren durchlaufen hat“, bestätigt Bürgermeister Wolfgang Gottschalk auf Nachfrage. Auch das Edertaler Parlament habe das Verlegen der Luftleitungen gebilligt. Immerhin: An der Bahnhofstraße ist das ein Provisorium. Im Zuge des vorgesehenen Umbaus verschwindet die Leitung dort im Boden.

Für die übrigen Stellen in Edertal existieren solche Pläne nicht. Abgesehen von der Anfälligkeit der Leitungen bei extremen Wetterlagen stellt sich die Frage, ob sich nicht wenigstens dort, wo die Touristen in Massen vorüberziehen, eine Investition in ein zeitgemäßeres Erscheinungsbild lohnt - ausgerechnet noch vis-à-vis vom Bergheimer Schloss.(su)

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