Sichern ist eine Herkulesaufgabe

Einbrüche ins Bad Wildunger Kurhaus reißen nicht ab

Bauzaun mit Stacheldraht: Barrikaden wie diese sind für Einbrecher im Kurhaus keine Hindernisse.
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Bauzaun mit Stacheldraht: Barrikaden wie diese sind für Einbrecher im Kurhaus keine Hindernisse.

Die Einbrüche in das Bad Wildunger Kurhaus reißen nicht ab, die Sicherung der leer stehenden Immobilie ist eine Herkulesaufgabe.

  • Immer wieder kommt es zu Einbrüchen in das leer stehende Bad Wildunger Kurhaus, auch verschweißte Türen sind keine Hindernisse.
  • Zuletzt stahlen Einbrecher mehrere Hundert Kilo Kupferkabel.
  • Das Kurhaus sicher gegen Eindringlinge zu schützen sei mit hohen Kosten verbunden, sagte Bad Wildungens Bürgermeister Ralf Gutheil.

Bad Wildungen – Das Kurhaus übt eine ungeahnte Faszination aus. Immer wieder dringen ungebetene Besucher in die leer stehende Immobilie ein. Manche zertrümmern, was noch da ist, andere feiern Partys, und abenteuerliche Entdecker filmen – illegal – den verlassenen Ort, um das Video stolz im Internet zu posten. Vor einer Woche stahlen Diebe mehrere hundert Kilo Kupferkabel.

Eine zugeschweißte Eingangstür war kein Hindernis.

Bürgermeister tippt auf Profis - mit haushaltsüblichen Werkzeugen nicht zu machen

„Das müssen Profis gewesen sein“, mutmaßt Bürgermeister Ralf Gutheil. Verbaut waren die Kabel in einer komplexen Anlage mit Transformatoren, Notstromaggregate und Verteilungen in mehreren Räumen.

Verriegelt und verrammelt: Eine Tür im hinteren Bereich des Gebäudes.

Die Kupferkabel befanden sich laut Gutheil unter antistatischem Boden auf einem Gestell mit fest verschraubten Platten. Der Zeitaufwand schreckte die Ganoven nicht ab. „Die Platten haben sie in aller Ruhe abschrauben müssen, damit sie überhaupt an die Kabel gekommen sind.“ Die seien dann komplett entmantelt worden. „Wir reden hier von armdicken Kupferkabeln.“ Mit haushaltsüblichen Werkzeugen sei das nicht zu machen.

Mit Kraft und Einfallsreichtum in das Kurhaus

Der ehemalige Polizist schließt Einzeltäter aus. Das sei professionell Arbeit, und die Einbrecher verbrachten „sicher nicht nur eine Nacht im Kurhaus“. Weil Einbruchsspuren im Vorfeld entdeckt wurden, seien Türen vorsorglich zugeschweißt worden. Das jedoch hielt die Diebe nicht ab. Auch zuvor hätten Einbrecher viel Kraft und Einfallsreichtum aufgeboten, um in die Immobilie zu gelangen – oft auch für kleinere Diebstähle. Eigene Schlösser wurden eingebaut, mit weit über 100 Nieten verschlossene Versorgungsschächte geöffnet und verschweißte Eisenstangen mit brachialer Gewalt entfernt. „Wer rein will, der geht rein.“

An einer Stelle wurde sogar versucht, die Außenwand zu öffnen. Und wenn der Zutritt im unteren Bereich des Gebäudes erschwert sei, dann fänden Ganoven den Weg übers Dach durch die Lichtschächte. Erleichtert zeigte sich der Bürgermeister, dass der Stromversorger EWF wenige Tage vor dem Kabeldiebstahl Leitungen umgelegt hatte. Bis dahin hingen nämlich die Asklepios-Klinik Fürstenhof und das Gesundheitszentrum Helenenquelle noch an diesem Netz. Hätten die Ganoven vorher zugeschlagen, dann wäre in beiden Einrichtungen das Licht ausgegangen, sagt der Bürgermeister.

Versicherung empfiehlt: Mauern, Bauzaun, Stacheldraht und Wachdienst

Inzwischen habe die EWF alles abgebaut, Elektriker hätten alles gesichert, was zu sichern war. Das Netz sei stromlos geschaltet.

Warnung: Hinweise auf drohende Anzeigen schrecken nicht ab.

Das Kurhaus gegen Eindringlinge zu schützen sei nur mit sehr hohem Aufwand und Kosten möglich. „Alle Fenster und Türen zumauern, Bauzaun, Stacheldraht und Wachdienst“ – so stelle sich die Versicherung das vor.

Badehaus soll noch in diesem Jahr abgerissen werden

Das Gebäude sei zu groß, verbaut und habe zu viele Fenster – das erschwere alle Maßnahmen. Außerdem liegen Teile der Immobilie so geschützt, dass sie kaum einsehbar sind und der Schall bei Einbruchslärm von Bauköpern geschluckt werde. Gutheil will die bisherige Kooperation mit Polizei, städtischem Ordnungsamt und freiwilligem Polizeidienst fortsetzen, um in unregelmäßigen Zeiten das Kurhaus zu kontrollieren. „Wir setzen auf Kommissar Zufall und die Wachsamkeit der Bevölkerung.“

Das Badehaus soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, weil es durch den Brand im vorigen Jahr einsturzgefährdet sei. 2022 soll das Therapeutikum folgen. (Cornelia Höhne)

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