Liegt es am Risiko der Beschäftigten im Gesundheitswesen?

Hohe Wildunger Coronazahlen geben Rätsel auf

Heime und Kliniken: Liegt dort eine der Ursachen für die hohen Infektionszahlen in Bad Wildungen?
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Heime und Kliniken: Liegt dort eine der Ursachen für die hohen Infektionszahlen in Bad Wildungen?

106 Corona-Infizierte vermeldete der Kreis für die Kurstadt am Freitag. Bürgermeister Ralf Gutheil und sein Team rätseln über der Frage nach den Ursachen.

  • Mit mehr als 100 Corona-Infizierten nimmt Bad Wildungen die Spitzenposition im Landkreis Waldeck-Frankenberg ein
  • Die Wildunger Stadtverwaltung rätselt über die Ursachen der hohen Zahl an Coronakranken
  • Möglicherweise hängt die Entwicklung mit der großen Zahl an Beschäftigten im Wildunger Gesundheitswesen zusammen, die Coronakranke behandeln und betreuen

Bad Wildungen – Am Donnerstag waren es 100 Coronafälle in Bad Wildungen. 55 dieser Erkrankten lebt in Privathaushalten, 45 in Heimen oder Kliniken. „Diese Aufteilung haben wir angesichts der Entwicklung zum ersten Mal beim Landkreis abgefragt“, erklärt der Bürgermeister. 20 Menschen aus Bad Wildungen sind bislang an oder mit dem SARS-CoV2-Virus gestorben, davon 12 im noch jungen Jahr 2021. „Diese Todesfälle sind primär den Alten- und Pflegeeinrichtungen zuzuordnen, weniger den Kliniken“, erklärt Kreis-Pressesprecherin Ann-Katrin Heimbuchner auf Anfrage.

Das lässt allerdings keinesfalls den Schluss zu, dass der Effekt der vielen Wildunger Kliniken auf die Zahl der Infizierten ebenfalls derartig gering wäre. Zwar wirken sich Infektionen von Auswärtigen in der Stadt nicht direkt auf die Buchführung aus, erklärt Heimbuchners Kollege Dr. Hartmut Wecker, „denn zum Beispiel bei Reha-Gästen nimmt unser Gesundheitsamt zwar die Meldung entgegen, gibt sie aber für die Statistik an das jeweilige heimische Gesundheitsamt weiter.“ Jedoch: Ein indirekter Effekt der mehr als 20 Kliniken liegt nahe.

Corona-Infektionsrisiko am Arbeitsplatz im Gesundheitswesen

„Menschen, die sich am Arbeitsplatz anstecken, können das Virus in den Familienkreis weitertragen, was Einfluss auf die Infektionszahlen im Stadtgebiet hat“, erläutert Heimbuchner. Es wäre unter Umständen sehr aufschlussreich zu erfahren, wie viele von den aktuell 55 Erkrankten in Wildunger Privathaushalten in der „weißen Industrie“ arbeiten oder als Angehörige von positiv getesteten Fachkräften miterkrankt sind. Derart exakt schlüsselt die Statistik allerdings nicht auf.

Fest steht: Wildunger Reha-Kliniken wurden bereits in der ersten Infektionswelle ab März 2020 mit Teilkontingenten ihrer Betten in das Corona-Versorgungskonzept aufgenommen. Das schuf die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten aus Akutkrankenhäusern der Region zu übernehmen, um dort mehr Behandlungskapazitäten für Coronafälle frei zu bekommen. Einige der Wildunger Reha-Kliniken erklärten sich außerdem dazu bereit und in der Lage, Corona-Infizierte zu behandeln.

Verlegungen von Corona-Kranken aus Nordhessen nach Bad Wildungen

Das ist in den zurückliegenden Wochen und Monaten etwa in der Neuro-Klinik Westend von Tanja Wicker-Carciola auch geschehen. Das Haus übernahm aus dem Raum Kassel eine Vielzahl von beatmungspflichtigen und demnach schwerst an Corona Erkrankten.

Die Geschäftsführerin und Trägerin des „Verbunds Wicker Gesundheit & Pflege“ veröffentlichte zum Jahresende einen regelrechten Hilferuf auf der Suche nach Pflegekräften, die einspringen könnten – weil die Corona-Zahlen in den Häusern stiegen, auch in Reihen der Beschäftigten und nicht nur in der Wildunger Klinik, sondern auch in den vier Wohn- und Pflegeheimen der Badestadt.

Kliniken Kassel verteilen stationär behandlungsbedürfte Coronakranke in Nordhessen

Die Federführung für die Verteilung von Corona-Patientinnen und -Patienten auf die stationären Behandlungsplätze in Nordhessen liegt seit dem Sommer bei den Kliniken Kassel. Der Pressestelle ging am Donnerstagnachmittag eine Anfrage unserer Zeitung zu, wie viele Corona-Erkrankte allein aus den Kliniken Kassel seit Anfang Dezember zur stationären Behandlung in Wildunger Kliniken verlegt wurden.

Zahlen dazu liegen noch nicht vor. Pressesprecherin Dr. Nina McDonagh verweist allerdings darauf, dass auch die Effektivität von Schutzvorkehrungen einen Einfluss auf das Ansteckungsrisiko von Beschäftigten im Gesundheitswesen hat. Unklar ist auch: Weshalb fiel Bad Wildungen in der ersten Welle ab März nicht so aus der Rolle wie aktuell? (Matthias Schuldt)

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