Bad Wildungen: Unterwegs im heimischen Wald mit Forstwirtschaftsmeistern

Holz machen ist kein Kinderspiel

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- Edertal (mb). Heizen mit Holz erfreut sich wachsender Beliebtheit. Kein Wunder, denn wer 1000 Liter Heizöl durch Brennholz ersetzt, spart 500 bis 600 Euro. Auch der Umwelt tut das gut. Ein Festmeter (Kubikmeter) Buche ersetzt 270 Liter Heizöl.

Da kommt vielen der Gedanke, noch mehr zu sparen, indem sie das Holz selbst im Wald werben. Das war Thema einer Führung durch den heimischen Forst mit Forstwirtschaftsmeistern. Zwei Möglichkeiten gibt es, den Brennholzbedarf aus dem Wald vor der Haustür zu decken. Beim Forstamt kann man Langstämme bestellen, die bis an den Waldweg gerückt werden und vom Käufer nur noch zerkleinert und abtransportiert werden müssen. Genauso gut kann man sich aber auch beim Revierförster Kronenholz zuweisen lassen, sogenanntes Restholz. Dann gilt man als Brennholzselbstwerber.

Das Prinzip klingt einfach, doch immer wieder geschehen im Wald schwere Unfälle. Selbst jedem dritten Forstwirtschaftsmeister passiert einmal im Jahr ein Unglück. Daher ist Sicherheit im Wald das oberste Gebot. Außerdem ist im Dschungel der Vorschriften einiges zu beachten. Besonders, weil große Teile des waldeckischen Waldes zertifiziert sind (sie gelten als besonders nachhaltig), müssen besondere Regeln beachtet werden. Bei all dem arbeitet der Holzkäufer auf eigene Gefahr. Er haftet für alle Schäden, die durch ihn fahrlässig oder vorsätzlich an Personen oder Gegenständen entstehen.

Die beste Zeit, den heimischen Wald zu nutzen, ist zwischen Dezember und März. Es sollte nicht zu nass sein. Den besten Bodenhalt haben Mensch und Maschinen bei Frost, doch auch bei Trockenheit ist der Wald gut zu befahren. Zu den grundsätzlichen Sicherheitsregeln gehört es, niemals allein in den Wald zu gehen. Ebenso sollte immer ein Verbandskasten zur Hand sein, genauso wie ein Handy. Wer mit einer Seilwinde arbeiten will, braucht ab 2012 einen Schein, ähnlich wie bei der Motorsäge. Das Abweichen von den Waldwegen und Rückegassen mit dem Schlepper ist nicht erlaubt, ebenso wie das Fällen von stehendem Holz. Fällkeile aus Eisen sind ebenfalls verboten.Die Schuhe sollten nicht nur eine Stahlkappe haben, sondern auch einen seitlichen Schnittschutz. Außerdem sollten sie halbhoch sein, damit man auf unwegsamem Gelände im Wald nicht umknickt. Solche hochwertigen Schuhe kosten zwischen 150 und 200 Euro, doch die Anschaffung hält etliche Jahre.

Eine Schnittschutzhose ist Pflicht, wenn man mit der Motorkettensäge arbeitet oder jemandem mit einer solchen Säge zur Hand geht. Eine Schnittschutzhose besteht aus 18 Lagen loser, reißfester Fäden zwischen Innen- und Außenstoff. Kommt es zu einem Schnitt, schneidet die Säge den Oberstoff auf, dann reißt die Kette die Fäden mit und sie wickeln sich um das Antriebsrad. Innerhalb von Sekundenbruchteilen wird so die Säge zum Stillstand gebracht. Zwar können so nicht immer Verletzungen ausgeschlossen werden, aber die sind bei Weitem nicht so schwer wie ohne Schutz. Eine Schnittschutzhose, die auf diese Art in Kontakt mit der Motorsäge geraten ist, kann nicht repariert werden und gehört ausgetauscht, da sie keinen ausreichenden Schutz mehr bietet.

Für den Kopf ist ein Helm Vorschrift. Dieser sollte nicht länger als fünf Jahre verwendet werden (das Herstelldatum ist im Schirm vermerkt) und nach einem Schlag oder schweren Sturz sofort ausgetauscht werden. Auch wenn der Helm übermäßigem Sonnenlicht ausgesetzt worden und spröde geworden ist, muss er getauscht werden. An den Helm gehört ein Visier, das das Gesicht und besonders die Augen vor umherfliegenden Spänen schützt, und ein Gehörschutz. Dieser ist an den meisten Arbeitsplätzen bereits ab 90 dB (Dezibel) Vorschrift, eine Motorsäge liegt bei 118 bis 120 dB. Doch auch helfende Personen, die keine Motorsäge bedienen, sollten einen Gehörschutz tragen. Mit jedem Meter Entfernung zur Geräuschquelle sinkt die Dezibelzahl um drei.

Eine Jacke in Leuchtfarben (oder eine Warnweste) wird empfohlen. Außerdem sollten immer Arbeitshandschuhe getragen werden. Die Motorsäge ist so gefährlich wie nützlich. Ein Lehrgang vor dem Einsatz ist Pflicht. Außerdem sollte der Motorsägenführer immer darauf achten, dass sein Gerät in einem technisch einwandfreien Zustand ist. Beispielsweise kann eine stumpfe Kette im Holz hängen bleiben und beim „Herausrucken“ besteht Verletzungsgefahr. Die Motorsäge schafft 15 bis 20 Meter, danach muss die Kette geschärft werden. Die Holzfachschule in Bad Wildungen bietet 2012 zwei Motorsägenlehrgänge im März, einen im April und einen Ende November an. Informieren kann man sich unter www.holzfachschule.de oder Tel. 05621/7919-23 (Frau Momberg).

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Dienstag, 03. Januar

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