Zusammenprall mit Hirschkuh kommt Autofahrer teuer zu stehen, weil er weiterfuhr

Huftritt erspart, Geldbuße akzeptiert

Edertal/Fritzlar - So schnell kann der Mensch vor Gericht stehen: eine Hirschkuh auf dem Kühlergrill und eine falsche Entscheidung...

Wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“ musste sich ein Versicherungsmakler aus Niedenstein gestern vorm Amtsgericht verantworten. Er war im vorigen März kurz nach 20 Uhr zwischen Kleinern und Gellershausen mit seinem Audi unterwegs, als plötzlich von der Talseite drei Hirschkühe auf die Fahrbahn liefen. Der Fahrer versuchte auszuweichen, traf aber nahezu frontal das erste der Tiere. Der Motor war aus, das Fahrzeug stand mitten auf der Straße, im Funkloch gab’s keinen Handy-Empfang. Stockdunkel sei es gewesen. „Ich war froh, dass der Wagen wieder ansprang“, erinnerte sich der Angeklagte. Mit einem funktionierenden Scheinwerfer fuhr er weiter. Der falsche Entschluss.

Denn fünf Minuten später kam eine Autofahrerin aus Fritzlar des Weges und fuhr mit ihrem Fiesta über die tote Hirschkuh, die mitten auf der Fahrbahn lag. Die Frau blieb unverletzt, fing sich aber einen Schaden von mehr als 3000 Euro am Auto ein. „Als ich das Tier getroffen hatte, wurde es an die Böschung geschleudert. Es lag nicht auf der Straße“, beteuerte der Angeklagte. Staatsanwaltschaft und Gericht fiel es im Gegensatz zur Verteidigung allerdings schwer zu glauben, dass die Hirschkuh trotz ihrer schweren Verletzungen auf die Straße zurückgekrochen sein soll, um dort zu verenden. Die Anklagevertretung ging davon aus, dass der Niedensteiner es schlicht unterließ, den Kadaver ordnungsgemäß vom Asphalt an die Seite zu ziehen.

Der Versicherungsmakler hatte etwas später nach dem Unfall Anrufe von zu Hause aus erledigt: eine Werkstatt kontaktiert, den zuständigen Revierförster herausgefunden und ins Bild gesetzt, der ihm riet, die Polizei zu informieren. Als der Mann die Wildunger Station am Hörer hatte, erfuhr er, dass schon eine Streife zu ihm auf dem Weg war, denn der Audi hatte bei dem Wildunfall eines seiner Nummernschilder am Ort verloren.

Der Staatsanwalt ließ angesichts des Geschilderten nicht locker. Seien die Angaben des Angeklagten korrekt, dass die Hirschkuh von der Straße geschleudert worden sei und sich zurückgeschleppt habe, bleibe der Vorwurf der Fahrlässigkeit. Der Fahrer hätte die Unfallstelle absichern und sich vergewissern müssen, dass von dem Tier keine Gefahr ausgehe. „Ich weiß nicht, ob ich mich im Dunkeln der Gefahr aussetzen würde, einen Huftritt zu kassieren“, meinte der Verteidiger, räumte aber ein, dass sich sein Mandant „nicht ideal verhalten hat“.

Alle Prozessbeteiligten einigten sich auf die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße von 1800 Euro. So bleibt dem Selbstständigen ein Fahrverbot erspart. Das hätte es bei einer Verurteilung wegen Unfallflucht gegeben, verdeutlichte das Gericht.

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