"Pianist aus Trümmern" spielt mit Knecht-Trio

Internationale Klaviertage in Bad Wildungen eröffnet mit Konzert, das   Herzen berührt

Die Internationalen Klaviertage wurden mit Jazz eröffnet: Das Edgar Knecht Trio mit Rolf Deneke (Kontrabass), Edgar Knecht (Piano), Aeham Ahmad (Piano/Gesang) und Tobias Schulte (Schlagzeug) begeisterte. Foto: Senzel

Bad Wildungen – Die zehnten „Wildunger Klaviertage“ lockten am Wochenende zahlreiche Musikfreunde zu hochkarätig besetzten Konzerten in die Wandelhalle.

Einen furiosen Auftak erlebten begeisterte Besucher am Freitagabend mit dem Kasseler Edgar Knecht Trio, das schon die ersten Klaviertage eröffnet hatte. Neben dem international bekannten deutschen Jazz-Pianisten Edgar Knecht spielten der herausragende Bassist Rolf Denecke und Spitzen-Schlagzeuger Tobias Schulte.

Dazu kam der aus Syrien stammende Pianist und Sänger Aeham Ahmad, bekannt als „Pianist aus den Trümmern“. Er sang mit Kindern in der Trümmerwüste der syrischen Stadt Jarmuk. Diese Bilder gingen um die Welt. Ein Glücksfall, dass sich die beiden Pianisten nach Ahmads Flucht begegnet sind. Beide inspirierten sich gegenseitig bei ihrer Musik. Entstanden ist das Zusammentreffen durch den Intendanten des Staatstheaters Kassel.

Nach vielen gemeinsamen Konzerten entstand die CD „keys of friendship“ (Schlüssel zur Freundschaft) – und so lautete auch der Titel in Bad Wildungen. Es war ein Konzert der Superlative. Edgar Knecht, bekannt für seine Jazz-Interpretationen deutscher Volkslieder, und der virtuose Pianist aus Syrien präsentierten einen Mix aus arabischen Melodien und deutschen Volksliedern. Es klang überraschend und fremdartig, aber es berührte emotional. Gespielt wurden abwechselnd Komposition von Knecht und Ahmad. Der Gesang des Gastes aus dem Nahen Osten bot einen ganz besonderen Reiz.

Die Begegnung zweier musikalischer Kulturen ist mit diesem Konzert ausgezeichnet und auf sympathische Art gelungen.

Das Volkslied von den zwei Königskindern hat Ahmad in seiner Muttersprache gesungen – eine Ballade, die gefallen hat, genauso wie „Es war ein Schnitter, der heißt Tod“. Ahmads Aufforderung „please sing with me – fortissimo“ folgten die Besucher gern.

Das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“ hat Knecht zur Verleihung des Kasseler Bürgerpreises an Joachim Gauck neu geschrieben und Ahmad hat es in Wildungen in seiner Muttersprache und teilweise in Deutsch gesungen. Es war ein Statement für Demokratie, Menschenrecht und Freiheit, würdevoll und mit Hingabe interpretiert. Mit „To Those in the Waves“ gab es virtuose Piano-Dialoge und Soli, exzellent begleitet von Bass und Schlagzeug. Inmitten von Krieg, Trümmern und Ruinen hat der Syrer auch Stücke voller Lebensfreude, Optimismus und Zuversicht geschrieben. Die Sängerin und Titarristin Judith Holofernes skizzierte den Pianisten aus Syrien: „Aeham weiß, was die Musik von ihm will und hat beschlossen, ihr vollständig zu vertrauen. Er dient der Macht, die ihn gerettet hat.“

Zum Abschluss eines berührenden Konzertes erklang eine Knecht-Komposition über ein arabisches Volkslied und als Zugabe ein Stück, in dem sich Tobias Schulte am Schlagzeug geradezu in Extase trommelte. Es gab stehenden Beifall für ein Konzert mit der Botschaft: Musik schafft Freunde über Ländergrenzen hinweg.

Von Werner Senzel

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