Herkules-Umzug abgelehnt, keine Erweiterung des Lebensmitteleinzelhandels

An der Itzel auf die Bremse treten

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Erweiterung und Neuansiedlung von Lebensmittelgeschäften oder -discountern im Bereich Itzelstraße/Bahnhof unerwünscht. Das Stadtparlament verweigert dazu das Planungsrecht.Foto: Schuldt

Bad Wildungen - Wenn die zwei größten Fraktionen ungewohnt einig an einem Strang ziehen, dann knistert’s im politischen Gebälk. CDU und SPD setzten am Montagabend ein dickes Ausrufezeichen hinter das Erweitungsverbot von Einzelhandelsflächen im Bereich Itzelstraße/Bahnhof und schlugen Warnungen vor einer blockierten Stadtentwicklung in den Wind.

Die Innenstadt darf nicht der Konkurrenz in den Außenbereichen geopfert werden. Das ist das Ziel des gemeinsamen Antrags. „Deshalb müssen wir uns das Recht herausnehmen, Planungsrecht auszuüben, oder besser hier nicht auszuüben, und das auch bekannt zu machen als Signal an die Unternehmen, damit sie sich auf unsere Absichten einstellen können“, begründet Walter Mombrei (SPD) das Ansinnen, „auch wenn wir zunächst viel Kritik als Verhinderer ernten“.

Eine Chance schon vertan

Eine Ausweitung von Verkaufsflächen im Lebensmitteleinzelhandel in diesem Bereich sei problematisch für die Innenstadt, gerade vor dem Hintergrund abnehmender Bevölkerung und wachsenden Internethandels. „Innerstädtische Läden werden noch mehr als schon heute ums Überleben kämpfen müssen.“

Allein der Lebensmittelhandel ziehe weiterhin Kunden an. „Deshalb müssen wir an der Itzel (Herkules-Umsiedlung) und am Bahnhof (Aldi-Erweiterung) auf die Bremse treten und stoppen.“ In der Innenstadt dagegen seien Discounter willkommene Frequenzbringer für andere Geschäfte. Zwischen dem Anfang der Brunnenallee und der Richard-Kirchner-Straße beim neuen Buspoint sei bereits eine Chance auf Ansiedlung vertan worden. „Wusste das keiner im Rathaus?“, wundert sich Mombrei. Hier seien inzwischen Eigentumswohnungen entstanden. Er wirbt für einen Discounter auf dem Parkplatz Brunnenallee 1. Hier gehe es nicht um das Abräumen aller Parkplätze sondern um kreative Ideen, die Nationalparkamt und das Gelände am Bahnhof einschließen.

Jürgen Graul (parteilos) sieht Chancen für neues Geschäftsleben in der Innenstadt nicht etwa durch die Bebauung des Parkplatzes, sondern auf großzügigen Grünflächen südlich des Scharniers. Aus seiner Sicht hat Wildungens Geschäftswelt von Reinhardshausen bis zum Bahnhof einiges zu bieten, die Altstadt sei so gut aufgestellt wie noch nie.

„Wir blockieren uns“

Da reibt sich Hubert Schwarz (CDU) verwundert die Augen. „Von welcher Altstadt haben Sie eigentlich gesprochen?“, fragt der Geschäftsinhaber aus dem Fachwerkviertel. „Diese Schönfärberei tragen meine Kollegen und die Hausbesitzer nicht.“ Schwarz befürchtet: „Wenn wir Itzel- und Bahnhofstraße weiterentwickeln, dann werden die Investitionen am Scharnier verpuffen.“ Die Innenstadt müsse im Fokus stehen.

Ein neuer Discounter in der Brunnenallee verspreche nicht nur Vorteile, sondern würde einem bestehenden Lebensmittelmarkt in der kleinen Allee zweifellos das Wasser abgraben, gibt FWG-Fraktionsvorsitzender Dr. Hans Schultheis zu bedenken.

„Wir blockieren uns“, verweist er auf die Wildunger Liste innenstadtrelevanter Sortimente, auf selbst auferlegte Gebote, Verbote und Festlegungen, die schon in wenigen Jahren wieder Makulatur werden könnten. „Wir nehmen uns damit die Chance, ein Einkaufsangebot zu schaffen, das beispielsweise die Stadt Fritzlar hat.“ Sein Kompromissvorschlag an die Mehrheitsfraktionen, das Planungsrecht zunächst zeitlich begrenzt zu verweigern, wird abgelehnt.

Bürgermeister Volker Zimmermann verfolgt die Debatte stirnrunzelnd und erinnert an den Verkauf eines Grundstücks an Aldi zwecks Erweiterung.

„Irrweg in der Stadtentwicklung“

„Ist das für Unternehmen ein gutes Signal, ein Grundstück mit Stadtverordnetenbeschluss zu verkaufen, Unterlagen vorzubereiten, den Bürgermeister mit Gesprächen zu beauftragen und dann zu sagen: Wir wollen es doch nicht?“ Zimmermann: „Das hat mit Wirtschaftsförderung überhaupt nichts mehr zu tun, das ist Wirtschaftsverhinderung.“ Den CDU/SPD-Antrag bezeichnet er als „Irrweg in der Stadtentwicklung“. Mark Vaupel (CDU) kontert: „Es ist unser Recht, vorzugeben, in welchem Bereich sich unsere Stadt entwickeln kann und wie sie es soll.“

Von Conny Höhne

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