Weniger Besucher zum Festival in der Wildunger Altstadt

Jazz stark, aber die Konkurrenz auch

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Bad Wildungen - Was die Besucherzahl am Samstag angeht, war das Jazzfestival 2013 eines der schwächsten in der Geschichte der Veranstaltungsreihe. Der Hessentag bedeutete wohl eine zu große Konkurrenz.

So sahen es Stadtmarketing-Chefin Ute Kühlewind und Veranstaltungsleiter Gereon Schoplick übereinstimmend. Um im kommenden Jahr der Konkurrenz in Gestalt der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien auszuweichen, verlegt das Stadtmarketing das Altstadt-Jazzfest möglicherweise erstmals auf Pfingsten vor. An Regen oder zu großer Hitze – bei den Festivals früherer Jahre Faktoren, die auf die Resonanz drückten – lag es dieses Mal nicht, auch wenn am Samstag hier und da ein kleiner Schauer niederging. Die Stimmung auf dem Marktplatz geriet beim Auftritt der Blues-Brothers-Coverband „65 Cadillac“ am Abend trotz schwächeren Besuchs prächtig. Die mehr als 50 Paare der Tanzschule Mundhenke in ihrem Swing-Outfit unterstützten die Musiker, die viel Applaus von ihrem Publikum erhielten, wenngleich mancher Fan im Sound die ungleich stärkere Besetzung von „Straight Bourbon“ bei den Blechbläsern vermisste. Auch Eva Jagun konnte parallel am Kirchplatz nicht alle überzeugen und blieb etwas hinter den Erwartungen zurück, die in der Ankündigung geweckt wurden. Aus dem Bereich Latin Jazz haften stärkere Momente vergangener Festivals in der Erinnerung. Allerdings hatte Eva Jagun zugegebenermaßen einen schweren Stand, zumindest bei denen, die in den knapp eineinhalb Stunden zuvor im vollen Spritzenhaus den Gala-Auftritt des Quartetts Roman und Julian Wasserfuhr miterleben durften. Selbst für einen blutigen Laien war leicht zu erkennen, dass hier im Jugendzentrum vier hochkarätige junge Musiker ihre Kunst zelebrierten, dass besonders die beiden Brüder Wasserfuhr am Piano und an der Trompete eine große Karriere vor sich haben müssen, wenn’s nicht irgendwo mit dem Teufel zugeht. Eigenkompositionen wechselten sich ab mit Adaptionen von bekannten Songs und Stücken quer durch die Genres, fein und grandios abgewandelt, aber nicht bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Stings „Englishman in New York“ lieferte ein Paradebeispiel dafür. Die heiteren, selbstironischen Moderationen der Brüder Wasserfuhr trugen das Ihrige dazu bei, dass diese Musik selbst Zuhörerinnen und Zuhörer ebenso überzeugte wie mitriss, die sonst bei der Bezeichnung „Modern Jazz“ reserviert reagieren. Bravo- und Zugaberufe waren die Folge, die den Auftritt tatsächlich in eine Verlängerung führten, die dem Gehörten ein umjubeltes Krönchen aufsetzte. Um diesen Höhepunkt des Festivals herum gab es eine Menge weiterer interessanter Gruppen zu erleben, die dem Musikereignis Vielfarbigkeit auf dem Hintergrund des Jazz verliehen. Schon am frühen Nachmittag hatten die GSG-Schulband „Jazzattack“ und die Schul-Big-Band Melsungen mit rhythmischen Big-Band-Klängen Festivalstimmung verbreitet, stellvertretend für viele weitere Akteure aus der heimischen Region, darunter die Wildunger Musikwerkstatt mit ihrem Best-of zum 30-jährigen Bestehen in der Stadtkirche. Bis in den späten Abend spielten auf fünf Bühnen Spitzenbands, bekannte Formationen und Stars und Sternchen der Jazzszene der unterschiedlichsten Stilrichtungen auf. Gereon Schoplick blieb ihm treu, dem Mix aus gutem, altem New-Orleans-Dixieland, Modern Jazz, Big-Band-Swing, Soul, Rock und Jive: eine große, bunte Palette der Jazzmusik, in der das Genre mal klassisch, mal groovig, bluesig und swingend und mit manchen Überraschungen daherkam – ganz gleich vor welcher Bühne die Jazzfans auch Station machten, nie hörten sie Musik „von der Stange“. Das „Duo Hand in Hand“ etwa überzeugte mit tanzbarer, selbst komponierter Musik zu herrlich originellen, witzigen Texten, in denen sich der Alltag spiegelt. Voller Kraft und Begeisterung präsentierte sich das United Blues Experience. Dazu die Klassiker wie die unvermeidliche „N´Awlins Brass Band“, ohne die das Wildunger Jazzfestival kaum mehr zu denken ist. Unbestreitbar gelungen war die Premiere des Freitagabend, zu dem die Altstadtgastronomen, begleitet zum Beispiel von der Megaphon Jazzband, bei Gratis-Eintritt zum Angrillen aufs Festival eingeladen hatten, das vom Ersten Stadtrat Bart van der Meer eröffnet wurde. Dieser Start stieß beim Publikum auf große Resonanz.Ein weiteres Trostpflaster, was die Besucherzahlen angeht, erhielten die Veranstalter am Sonntag, der bis in den Abend hinein mit einem starken Programm aufwartete. Er lockte auch mehr Gäste von außerhalb an als der Samstagabend. Noch dazu spielte die Sonne mit und verhalf dem Jazzfestival 2013 zu einem versöhnlichen Abschluss. (su/szl)

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