Weshalb knallt es am Ederblick-Zentrum beim Linksabbiegen regelmäßig?

Jetzt liegt hier ein Unfallschwerpunkt

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Was führt hier, am Ederblick-Zentrum, dazu, dass regelmäßig Autofahrer den Gegenverkehr übersehen? Dreimal wurden bei solchen Unfällen binnen neun Monaten Menschen schwer verletzt.

Bad Wildungen - Alles scheint übersichtlich: Kein Baum, kein Strauch im Weg: Warum kommt es trotzdem im Schnitt mindestens einmal pro Jahr beim Linksabbiegen am Ederblickzentrum zu einem Unfall?

Wir greifen willkürlich zwei Knotenpunkte heraus, die eine vergleichbare Struktur aufweisen bei ähnlich hoher Verkehrsdichte: die Linksabbiegespur Richtung Sachsenhausen auf der B 251 zwischen Freienhagen und Meineringhausen sowie die Linksabbiegespur Richtung Fritzlar auf der B 253 von Ungedanken Richtung Wabern. An beiden Stellen sind in den vergangenen Jahren kaum schwerere Unfälle geschehen.

Drei schwere Unfälle binnen neun Monaten

Warum ist das am Altwildunger Ortsausgang anders? Die Frage drängt sich auf und seit vergangenem Mittwoch besonders, denn seit diesem Zusammenstoß zweier Autos ist ein Kriterium erfüllt für den traurigen Titel „Unfallhäufungsstelle“, im Volksmund Unfallschwerpunkt genannt. So bezeichnen Verkehrsfachleute unter anderem Orte, an denen sich binnen drei Jahren drei oder mehr Unfälle gleichen Musters und mit „schweren Personenschäden“ ereignen, sprich: Beteiligte ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

Das war am Ederblickzentrum am 30. April 2012, am 11. Januar und am 6. Februar 2013 der Fall. Dreimal übersahen Personen am Steuer laut Polizei auf der Linksabbiegespur den Gegenverkehr und es kam zum Zusammenstoß. Seit Januar 2007 passierten bis zum heutigen Tag acht Unfälle dieser Art am Altwildunger Ortsausgang. Hinzu kommt ein weiterer, bei dem ein Autofahrer, der nach links auf die Bundesstraße einbiegen wollte, ebenfalls einen Wagen übersah, der von Giflitz aus Richtung Wega unterwegs war. In den meisten Fällen wurden Menschen verletzt.

Rätseln über Ursache

Ansonsten sind keine offensichtlichen tieferen Ursachen erkennbar. Weder überhöhte Geschwindigkeit noch Alkohol wurden von der Polizei als Hintergrund benannt. Allerdings gilt an dieser Stelle, anders als an der Einmündung Straßenmeisterei der B485 oder Einmündung Ense an der B253 kein Tempo 70. Fahrer aller Altersgruppen sind betroffen, vom 17-jährigen, begleiteten Anfänger bis zum Mitte-70-Jährigen. Zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten übersahen sie den von vorne herannahenden Wagen.

Verbot, Kreisel, Ampel?

Unfallforscher können die Frage nach dem Warum in solchen konkreten Fällen bislang nicht beantworten. Irgendetwas scheint unter bestimmten Bedingungen die Aufmerksamkeit des Fahrers, der Fahrerin im entscheidenden Moment abzulenken. Was könnten die Behörden tun, um ohne konkrete Erkenntnisse über die tieferen Ursachen die Sicherheit an dieser Stelle zu erhöhen? „Schilder ‚Achtung Gegenverkehr‘ aufzustellen hätte wenig Sinn. Die würden wahrscheinlich genauso übersehen wie der Gegenverkehr“, meint Klaus Brandenstein, Sprecher der „Unfallforschung der Versicherer“. Wolle man das Risiko von Unfällen effektiv senken, kämen aus seiner Sicht in solchen Situationen nur drei theoretische Möglichkeiten in Frage, falls ein Tempolimit gelte und kontrolliert werde:

1. das Linksabbiegen zu verbieten; das scheidet in diesem Fall an einer der vier Einfallstraßen nach Bad Wildungen aus.

2. der Umbau der Kreuzung zu einem Kreisel; das wäre zum einen zu teuer und zum anderen für den Verkehrsfluss in der Hauptachse ein gewaltiges Hindernis.

3. die Installation einer Linksabbieger-Ampel; die einzige Variante mit Bezug zur Realität, aber ebenfalls nicht billig zu haben (siehe auch „Hintergrund“ zu „Unfallkommission“).

Unfallkommission

Mit der Analyse von Unfallstellen befasst sich auf der Kreisebene die sogenannte Unfallkommission. In ihr sitzen Vertreter der Straßenbauverwaltung (hessen mobil Bad Arolsen), der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis und der Polizei.

„Im Moment steht der Punkt Altwildungen noch nicht auf der Liste der Kommission. Das hängt damit zusammen, dass die aktuelle Unfallstatistik noch nicht fertig ist“, erklärt der Korbacher Polizeisprecher Volker König auf WLZ-FZ-Anfrage. Anfang März liegt die Auswertung der Daten vor, die sich immer über einen Zeitraum von drei Jahren erstreckt. Wird die Linksabbiegespur als Unfallhäufungsstelle dadurch bestätigt, beschäftigt sich die Unfallkommission mit der Frage, wie sich die Lage dort verbessern lässt.

Wie effektiv sie zu arbeiten vermag, hat sie – öffentlich sehr beachtet – beispielsweise 2005 unter Beweis gestellt. Damals erhielt die Waldeck-Frankenberger Kommission von den Versicherern den Sicherheitspreis des Jahres, weil es ihr gelungen war, zwischen Vöhl und Herzhausen eine Doppelkurve zu entschärfen, in der sich zuvor viele schwere Motorradunfälle ereignet hatten.(su)

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