Thomas Merle, Klaus Gier und Claus Günther präsentieren sich im Forum zur Bürgermeisterwahl in Edertal

Von Jugendstreich bis Verkehrslärm - Video und Bildergalerie

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Volles Haus: Das Wahlforum der Waldeckischen Landeszeitung lockte am Donnerstagabend zahlreiche Interessierte aus Edertal in die Affolderner Festhalle.

Edertal-Affoldern - In vielen Fragen sind sich die drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Edertal einig: Alle drei wollen Arbeitsplätze halten und schaffen, sind gegen Fracking und können sich eine Fusion mit der Stadt Bad Wildungen nicht vorstellen. Beim Wahlforum der WLZ zeigten sich dennoch einige Unterschiede.

Wer bekommt bei der Wahl am 11. November die meisten Stimmen, wer wird Nachfolger von Bürgermeister Wolfgang Gottschalk? Drei parteilose Kandidaten sind in das Rennen um den Chefsessel im Giflitzer Rathaus gegangen. Beim Wahlforum am Donnerstagabend stellten sie sich den Fragen der WLZ-Redakteure Cornelia Höhne und Matthias Schuldt und denen der Edertaler in der voll besetzten Affolderner Festhalle.

Mit einer Knobelrunde an der Theke starteten die Kandidaten in den Abend und ermittelten so die Reihenfolge, in der sie die Bühne betraten. Thomas Merle (lange Zeit aktiv in der Freien Wählergemeinschaft in Gemeinde und Landkreis) hatte das beste Ergebnis gewürfelt: „Wenn es bei der Wahl so ausgeht, bin ich zufrieden“, schmunzelte er.

Klaus Gier landete beim Knobeln im Mittelfeld. „Das passt ganz gut zu mir, denke ich“, kommentierte der unabhängige Kandidat. Claus Günther, der von SPD und CDU unterstützt wird, nahm den dritten Platz mit Humor: „Die Letzten werden die Ersten sein.“

Mit Pfeil und Bogen auf Züge geschossen

Locker präsentierten sich die drei Kandidaten auch zwischendurch bei jenen Themen, die nichts mit Kommunalpolitik zu tun haben. Matthias Schuld fragte die Kandidaten beispielsweise nach Streichen aus der Kindheit - und die Edertaler erhielten erhellende Einblicke: Thomas Merle schoss als Junge aus dem Schilf an der Bahnlinie heraus mit Pfeil und Bogen auf Züge und sorgte damit sogar für Polizeieinsätze, Klaus Gier versteckte liebend gern Schlüssel - darunter einen zum Glockenturm - und Claus Günther ließ die Luft aus Fahrradreifen und mopste auch gleich die Luftpumpe.

Von Anfang an kamen beim Wahlforum nicht nur die Kandidaten, sondern auch die Zuschauer zu Wort. Von ihnen, aber auch von den Bewerbern ums Bürgermeisteramt wollten Cornelia Höhne wissen, wie sie am Morgen Energie für den Tag sammeln - alle trinken Kaffee, Claus Günther vorher noch einen Kakao - und leitete dann elegant zum Thema Energieversorgung über.

Günther sprach sich für Bürgergenossenschaften bei Solar- und Wasserkraftwerken aus, Gier befand es als positiv, dass die Gemeinde Anteilseigner der VEW ist. Merle bewertete Windräder grundsätzlich als eine gute Sache, sieht aber keine geeigneten Flächen dafür in der Gemeinde Edertal.

Sparen, um Eon-Verluste zu kompensieren

Die Energieversorgung ist auch für den Edertaler Etat von großer Bedeutung: Durch die veränderte Lage auf dem Energiemarkt ist es möglich, dass die Gemeinde wie schon im laufenden Jahr auch künftig auf Gewerbesteuern von Eon in Millionenhöhe verzichten muss. Die drei Kandidaten waren sich einig darin, dass deshalb Einsparungen nötig sein werden. Daher müsse jede Investition dahingehend geprüft werden, ob sie notwendig oder nur wünschenswert ist. Thomas Merle favorisiert zudem die Gründung einer gemeindeeigenen GmbH, um etwa bei Aufträgen wie ein Unternehmen agieren zu können. Claus Günther und Klaus Gier sprachen sich übereinstimmend gegen eine solche Gesellschaft aus.

Doch wie wollen sie entscheiden, was wünschenswert, was notwendig ist, hakte Moderator Matthias Schuldt nach. Für Günther ist entscheidend, ob eine Investition die Gemeinde nachhaltig voranbringt, für Merle muss die Sicherheit der Bürger garantiert sein: So sei eine Investition notwendig, wenn ein Feuerwehrfahrzeug ausfalle, für einen Neubau für die Edersee Touristic aber nicht.

Gier sprach das Thema Dorfgemeinschaftshäuser an: Sie seien wichtig in den Ortsteilen, aber auch ein großer Kostenfaktor. Es sei sinnvoll, die Gebäude für mehrere Zwecke zu nutzen, etwa als Unterkunft für Vereine, die Feuerwehr oder für die Tourist-Information. Bei allen Investitionen müsse ehrlich berechnet und offengelegt werden, welche Kosten in der Folge entstehen.

Zu Investitionen in den Tourismus äußerte sich in diesem Zusammenhang keiner der Kandidaten. Und so fragten die Moderatoren nach: Welche Ansätze haben die Bewerber zur Weiterentwicklung des Fremdenverkehrs? Klaus Gier bereitet das Infozentrum der Eon Sorge; die Gemeinde könne private Interessenten unterstützen, das Museum aber nicht in kommunale Trägerschaft übernehmen. Thomas Merle sieht Bedarf für Angebote, die über die Herbstferien hinausgehen: „Jetzt ist tote Hose“, beklagte er. Die Gastwirte müssten sich abstimmen, damit nicht am selben Tag überall geschlossen ist. Claus Günther setzt seine Hoffnungen für den Radweg ab Buhlen in den Ausbau der Straße. Bis dahin sei es kein Problem, mit geringem Aufwand - etwa mit einigen Schildern - eine Anbindung an den See über bestehende Wege zu ermöglichen.

Merle und Gier waren sich uneinig in der Frage, ob für den Radtourismus ein Parkplatz in Buhlen notwendig sei: Während Merle die derzeitige Parksituation in der Saison als „mittelschwere Katastrophe“ bezeichnete, sieht Gier keinen Bedarf für einen Parkplatz, wenn der Radweg durchgehend verläuft.

Ziel: Waldeck zurück in die Edersee-Touristik

Einig waren sich die Kandidaten darin, dass die Nachbarstadt Waldeck wieder zurück in die Edersee Touristic (ET) geholt werden muss. Alle drei zeigten sich zuversichtlich, dass dies gelingen kann, denn der Ausstieg habe viel mit den damaligen Personen an der Spitze zu tun gehabt. Die gemeinsamen Planungen für das Staumauer-Jubiläum im Jahr 2014 seien ein erster Schritt, sagte ET-Geschäftsführer Claus Günther.

Bevor die Runde für Fragen aus dem Publikum (siehe Kasten rechts) eröffnet wurde, waren die Kandidaten aufgerufen, ihr vorrangiges Thema im Falle einer Wahl zu nennen. Für Claus Günther ist dies der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, Klaus Gier und Thomas Merle nannten beide den demografischen Wandel.

Nach zwei Stunden beendeten die Moderatoren das Forum. Ihr Dank ging an den Ortsbeirat mit Karl-Heinrich Neuschäfer an der Spitze und das Team vom SC Affoldern unter Markus Strasser für die Bewirtung und Organisation in der Festhalle.

Schüler und Wähler fragen

Beim Wahlforum der FZ stellten nicht nur die Moderatoren Fragen, sondern auch interessierte Wähler sowie Schüler der Integrierten Gesamtschule:

Wie stehen die Kandidaten zu einer Verkehrsberuhigung in Affoldern und wie kann mit der Lärmbelästigung durch schnell fahrende Motorradfahrer umgegangen werden?

Gier betonte, dass man die Tagesgäste haben wolle – und der Weg über Affoldern sei eben der Zugang zum See. Außerdem sei der Verkehr rund um Lieschensruh noch schlimmer. Günther verwies auf die Polizei, die die Motorradfahrer verstärkt kontrollieren müsse. Er wolle sich für eine Verkehrsberuhigung einsetzen, so weit dies möglich sei.

Merle fordert ein Verkehrsleitsystem für alle Kommunen am See. Stationäre Blitzer würden nicht nur für gemäßigtes Tempo, sondern auch für Geld in der Gemeindekasse sorgen.

Wie wollen die Kandidaten die Dörfer unterstützen, die nicht vom Nationalpark und der Kellerwald-Region profitieren?

Günther versprach, sich bei der nächsten Aufteilung der Förderkulisse für das Leader-Programm dafür einzusetzen, dass die gesamte Gemeinde Edertal dazuzählt.

Gier verwies auf die Tatsache, dass es bis zu 100 Förderprogramme gibt, von denen auch diese Dörfer profitieren könnten. Merle erinnerte daran, dass oft schon die Erfüllung kleiner Wünsche in den Dörfern für mehr Zufriedenheit sorgen könne.

Wie wollen die Kandidaten Edertal interessant für neue Betriebe machen?

Merle betonte, die Gemeinde könne nur die Rahmenbedingungen schaffen.

Gier führte diesen Gedanken weiter und verwies auf die Infrastruktur: Kinderbetreuung, niedrige Steuern und Gebühren und Breitbandversorgung seien wichtige Kriterien.

Günther betonte, auch der Kontakt zu bestehenden Firmen sei sehr wichtig und sprach sich für eine enge Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft aus.

Welche Ideen haben die Kandidaten für die Jugend?

Merle schlug vor, einzelne Projekte der Jugend finanziell zu unterstützen und Vereinsaktionen wie die Vorbereitung auf den Mofa-Führerschein in der Jugendfeuerwehr einzuführen. Er regte auch einen „Discobus“ an.

Gier könnte sich die Einführung eines Jugendparlamentes vorstellen.

Günther versprach, als Bürgermeister regelmäßig die Schulen aufzusuchen.

Einigkeit in vielen Fragen

Bei einigen Themen sind sich die drei Bürgermeisterkandidaten absolut einig:

Heloponte: Das Schwimmbad in Bad Wildungen, in dem auch die Kinder aus dem Edertal Schwimmunterricht nehmen, steht auf wackligen Beinen. Eine finanzielle Beteiligung an dem Bad halten aber alle drei Kandidaten für unmöglich. „Wir müssen erst einmal den Edersee nutzen, bevor wir in anderen Städten investieren“, sagte Claus Günther. Klaus Gier könnte sich eher vorstellen, die Busverbindungen zwischen Wildungen und Edertal zu unterstützen. Thomas Merle sprach sich ebenfalls gegen eine direkte Beteiligung aus. Bad Wildungen als Kurstadt müsse ein solches Angebot vorhalten und dieses eventuell mit Unterstützung des Landkreises schultern.

Fusion mit Bad Wildungen: Die hypothetische Möglichkeit einer Zusammenlegung der Stadt Bad Wildungen und der Gemeinde Edertal begeisterte keinen der Bewerber. Allerdings sprachen sich alle da-?für aus, Synergien zu nutzen und Einsparpotenziale zu suchen.

Fracking: Alle drei Kandidaten lehnen „Hydraulic Fracturing“, kurz Fracking, also die Suche nach Erdgas im Boden mit einem Chemikaliengemisch, deutlich ab. Zwar seien die Kommunen wegen des Bergrechts nicht die Entscheidungsträger, dennoch würden sie sich auch beim Regierungspräsidium dagegen aus­sprechen. (apa)

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