Kultgeschichten aus der Heimat: Günter Pape und sein Exportkäfer mit Schiebedach

Vom Käfer in die Badewanne

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Stolz auf seinen Neuerwerb: Günter Pape mit seiner Schwester Gisela vor dem beigefarbenen Käfer mit Schiebedach und Kopfstützen. Foto: Conny Höhne

Bad Wildungen - Einst schnödes Fortbewegungsmittel, inzwischen Kult: der Käfer. Zu ihrem 40. Geburtstag hat die Lebenshilfe einen roten Käfer als Gewinn ihrer Lotterie ausgeschrieben. WLZ-FZ unterstützen die Aktion und laden Leser ein, ihre Geschichten mit dem Kultwagen zu erzählen. Heute: Günter Pape aus Bad Wildungen.

Auf den jungen Göttinger, der fleißig die Fahrschule besucht, wartet im Jahr 1964 bereits ein Motorroller in der elterlichen Garage. Aber es kommt anders als gedacht. Günter Pape besteht den Führerschein Klasse III für Autos auf Anhieb, aber er rasselt in der Prüfung für Motorräder durch. „Ich hatte Hand- und Fußbremse nicht gleichzeitig bedient“, erfährt er.

Einige Nachhilfestunden in der Fahrschule werden ihm ans Herz gelegt, um die Prüfung im zweiten Anlauf anzugehen. Aber die Wiederholung wird nach kurzer Beratung im Elternhaus schnell verworfen. „Der Vater hat den Roller wieder zurückgegeben, und wir schauten uns nach einem Auto um.“

100 Mark im Monat abgestottert

Der 20-Jährige hat schon seine Prüfung in einem VW Käfer abgelegt - da liegt die Wahl des Traumwagens nahe. Wenig später steht der „Schlitten“ vor der Haustür: Ein beigefarbener Käfer, Baujahr 1963, mit Schiebedach und Kopfstützen. 3000 Mark kostet das gute Stück. „Ich war mächtig stolz.“

Es ist nicht das Standardmodell, wo mit Zwischengas geschaltet wird, sondern eine exklusivere Variante. „Wenn man das nämlich nicht richtig machte, gab es immer einen schönen Gruß ans Getriebe“, weiß Pape. Der junge Fahranfänger nennt schon das weiterentwickelte Modell sein Eigen, einen Exportkäfer. Gekauft hat er ihn auf Kredit. „100 Mark im Monat habe ich abgestottert, und mein Vater hat dafür gebürgt.“

Als er den Wagen das erste Mal gründlich wäscht, stutzt er: „Im Fußraum lagen jede Menge Scherben.“ Bei seinen Recherchen kommt heraus: „Der Vorbesitzer hatte einen Unfall und ist auf einen Lkw aufgefahren.“

Gitarrist in Tanzkapelle

Ein Dreivierteljahr später erhält der Industriekaufmann seinen Einberufungsbescheid zur Bundeswehr und rückt in die Kaserne in Osterode im Harz ein. Als Wehrpflichtiger mit einem Sold von 50 bis 60 Mark ist der Käfer nicht mehr zu bezahlen. „Um den Pkw zu behalten, hatte ich mich auf zwei Jahre verpflichtet und stattdessen 400 bis 500 Mark in der Tasche.“

Das Geld bessert sich der Hobbymusiker als Gitarrist in mehreren Tanzkapellen in seiner Heimatstadt auf. Auch in der Kaserne unterhält er bisweilen die Offiziere mit Musik.

Wenige Tage vor einem Auftritt in Göttingen will er noch schnell nach Osterode zum TÜV. An einer Tankstelle wird der Käfer aufgebockt. Alles in Ordnung an der Karosserie. Dann kommt der Bremsen-Check und der Schock: Gravierende Mängel - das Auto wird sofort stillgelegt. Pape: „Ich dachte, mich trifft ein Pferd.“

Am Telefon rät der Vater, das Auto schnell nach Göttingen zu bringen. Aber am nächsten Morgen klopft Pape im Büro des militärischen Kraftfahrzeugprüfers an, und dann geht alles blitzschnell. Per Fahrbefehl werden zwei Kameraden mit der Überführung des stillgelegten Käfers in eine Vertragswerkstatt der Bundeswehr nach Herzberg abkommandiert.

„Chancen bei Mädchen erheblich gestiegen“

Nach zwei Tagen hat der Göttinger seinen fahrbaren Untersatz wieder. „Mit TÜV-Plakette und Rechnung - und die war nicht ohne ...“

So wurde reibungslos die Heimfahrt angetreten, mit den Musikinstrumenten im Gepäck und zwei Kameraden, die die Mitfahrgelegenheit gerne nutzen. „Und am Ende hat mir mein Vater die Rechnung bezahlt, weil ich doch soviel Ärger hatte,“ freute sich Pape. Vier Jahre hat er seinen beigefarbenen „Sportwagen“ gefahren und damit Mitte der 1960er Jahre viel Aufmerksamkeit erregt. „In der Kaserne beneideten mich viele um den Käfer, und meine Chancen bei den Mädchen waren erheblich gestiegen“, nickt er amüsiert. Gerade das habe seiner Freundin damals überhaupt nicht gefallen. Pape steigt danach um in einen anderen Kultwagen, er übernimmt den Ford 17 M seines Vaters, bekannt als „Badewanne“.

Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr arbeitet der Göttinger in seinem früheren Unternehmen, ist dann einige Jahre in Kassel und Hannoversch Münden Vertriebsinspektor bei einem Zeitungsverlag (HNA) und verbringt die restlichen 19 Jahre seines Arbeitslebens bei der Bundesbahn. Dieser Job führt ihn nach Bad Wildungen, das ihm inzwischen zur zweiten Heimat geworden ist. Ein Auto hat der heute 70-Jährige längst nicht mehr. „Ich komme auch ohne überall hin und kann mir notfalls eins mieten“, schwelgt Pape in Erinnerungen an seinen ersten und unvergessenen Pkw.

Die „Käfer-Lotterie“ zugunsten der Stiftung Lebenshilfe Waldeck-Frankenberg biegt auf die Zielgerade ein. Am Freitag, 11. September, wird der Hauptpreis, ein knallroter VW Käfer, verlost. Lose sind noch in vielen Vorverkaufsstellen im gesamten Landkreis erhältlich, unter anderem in den Geschäftsstellen der Sparkasse Waldeck-Frankenberg und der Frankenberger Bank sowie online unter www.kaefer-lotterie.de.

Von Conny Höhne

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