Neue Jungbäume lassen auf sich warten

Wegen Borkenkäferbefalls Fichtenbestand am Wildunger Schützenplatz gerodet

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Der Anblick erschreckt derzeit manchen Spaziergänger im Stadtwald oberhalb von Golf- und Schützenplatz: Hessen-Forst hat Tabula rasa hergestellt in einem Fichtenbestand, der vom Borkenkäfer unrettbar befallen war.

Bad Wildungen – Ein großes, gerodetes Stück Wald und Bauarbeiten im Umfeld des Schützen- und Golfplatzes lassen viele Wildunger auf ihren Spaziergängen in der Gegend staunen. Was ist da los?

Drei Antworten gibt´s.

Die Firma Fingerhaus hat vor Längerem vom Wildunger Golfclub ein Stück Land am Talquellenweg/Ecke Reichardtstraße gekauft. Die Erschließungsarbeiten für das Grundstück wurden kürzlich abgeschlossen, also Kanalanschluss und Leitungen in die Erde gebracht. Nach Auskunft des Bauamtes errichtet Fingerhaus demnächst auf der Fläche sieben Häuser.

Der Golfclub unterdessen erwarb von der Stadt eine Fläche oberhalb seines Geländes. Dort lässt der Verein zwei seiner neun Abschläge umgestalten, bestätigt das Bauamt. Die Arbeiten durchliefen ebenso ein Genehmigungsverfahren wie der Bau einer neuen Driving-Range, eines Übungs-Platzes, für den zwei Garagen oberhalb der Reitplätze weichen.

Noch weiter oberhalb hat das Forstamt Vöhl, das den Wildunger Stadtwald bewirtschaftet, eine große Zahl von Bäumen gefällt. Der für das Revier momentan zuständige Förster Martin Mahrenholz vom Forstamt Vöhl erläutert die Hintergründe: „Es handelte sich um Fichten, die in Folge der Trockenheit 2018 vom Borkenkäfer befallen waren.“

Damit sich die Käfer nicht mit Beginn ihrer neuen Flugsaison weiter ausbreitet, wurden die Bäume geschlagen. Anschließend ließ das Forstamt die Fläche mulchen, denn es sollten neue Bäume angepflanzt werden. „Das müssen wir aber verschieben, denn auf dem Markt sind momentan die gewünschten Bäume nicht zu haben“, sagt Mahrenholz. Heimische Eichen sollen die Fichten ersetzen, denen der Klimawandel in der hiesigen Region zu schaffen macht, wenn Trockenheit und Stürme zunehmen, wie erwartet. Die Eiche kommt mit beiden Unbilden besser zurecht. Der Forst setzt dabei auf zertifizierte Herkunft der Jungpflanzen. In Folge der Wetterkapriolen 2018 kamen viele Interessenten in Deutschland augenscheinlich auf die gleiche Idee. Wer Eichen setzt, hat lange Zeiträume im Blick, fügt Martin Mahrenholz hinzu: „Sie sollen mindestens 200 Jahre stehen bleiben.“

Ironie des Klimawandels: Es handelt sich laut Bauamt bei der gemulchten Fläche exakt um das Gelände, das der Golfclub vor mehreren Jahren einmal als Areal für die Erweiterung von 9 auf 18 Löcher ins Auge gefasst hatte. Trotz Unterstützung von Seiten der Stadtverwaltung für das Projekt gab es von den Naturschutzbehörden damals keine Rodungsgenehmigung. Der Club habe die strengen Auflagen zum Naturschutz aus dem Regierungspräsidium nicht erfüllen können, heißt es aus dem Bauamt. --su-/-nik-

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