Konsequenz aus Manderner Flut 2017

Kanal in Bad Wildunger Dorf dreieinhalb Jahre nach Überschwemmung fertig saniert

Am Tor zur Unterwelt des Kanals unter der Bachstraße: (von links) Martin Jungermann und Dennis Kutzner vom Ortsbeirat, Karl-Wilhelm Feger, Mathias Biederbeck, Ralf Gutheil und Peter Nagel. Unten ein Bild aus der Unwetternacht 2017.
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Am Tor zur Unterwelt des Kanals unter der Bachstraße: (von links) Martin Jungermann und Dennis Kutzner vom Ortsbeirat, Karl-Wilhelm Feger, Mathias Biederbeck, Ralf Gutheil und Peter Nagel.

Die Erinnerung an die Überschwemmung von 2017 ist lebendig im Bad Wildunger Stadtteil Mandern. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit am maroden Kanal ist die Bachstraße wieder frei.

Mandern – Im September 2017 suchte eine rotbraune, schlammige Flut Mandern heim als Folge eines Unwetters. Der Abwasserkanal in der Bachstraße des Bad Wildunger Stadtteils kapitulierte. Häuser und Höfe wurden überschwemmt. Einen Tag später stieg Peter Nagel vom Ingenieurbüro Gajowski im Auftrag der Stadt Bad Wildungen in den Kanal hinunter. „Ich konnte den Beton aus der Schalung mit dem Zollstock herauskratzen“, erinnert er sich. Sofort wurde die Straße für Fahrzeuge über 3,5 Tonen gesperrt – mit Folgen vor allem für Landwirte mit ihren Schleppern, speziell als Anlieger der Bachstraße.

Dreieinhalb Jahre blieb es bei den Einschränkungen. So lange dauerte die Sanierung des „Rahmenprofils“, wie die Kanalanlage im Fachjargon heißt. Ende voriger Woche (25. Juni) wurde die Bachstraße im Bad Wildunger Stadtteil Mandern offiziell wieder völlig frei gegeben.

Kanalsanierung im Bad Wildunger Stadtteil Mandern kostete 1,29 Millionen Euro

Peter Nagel erläuterte mit Karl-Wilhelm Feger von der Firma Fröde Mitgliedern des Ortsbeirates und Bürgermeister Ralf Gutheil Details. Die Kosten für die Sanierung des Rahmenprofils belaufen sich nach Auskunft von Petra Schirmacher vom Bauamt auf 1,29 Millionen Euro und liegen damit unter den im März 2020 noch erwarteten 1,4 Millionen Euro.

Statt des einen Kanals befinden sich zwei Röhren im Boden, bestehend aus einem Mix von Glasfaserkunststoff, Sand und Harz. Ihre Wände sind sehr glatt, so dass sie Wasser schneller Richtung Eder abführen, als die alte Konstruktion. „Trotzdem ist jedes Kanalsystem überfordert, wenn ein Unwetter zu groß gerät“, fügte Nagel hinzu. Die Sanierung brachte Herausforderungen mit sich. „Sie war unmöglich in offener Bauweise“, sagte Feger. Grund: Bei einer offenen Grube wären ernste Schäden an den dicht angrenzenden Fachwerkhäusern mit ihrer flachen Gründung nicht auszuschließen gewesen.

Arbeiter liegend auf Skateboards im Kanalsystem unterwegs

So wurden die Röhren unterirdisch eingebracht. Ein Arbeiter saß am hinteren Ende einer langen, sehr flachen Maschine. In der Weise eines Hubwagens nimmt sie ein Rohr-Element auf und wird per Joystick vom Heck aus in den „Stollen“ unter der Straße gesteuert. Das Rohrstück wird abgesetzt und per Seilzug in einer Art Klick-System mit dem vorausgegangenen verbunden. Weitere Spezialtechniken kamen zum Einsatz, um der Straße mit ihrem neuen Kanalsystem die volle Tragfähigkeit zurückzugeben. Um die Hausanschlüsse herzustellen, bewegten sich die Arbeiter liegend auf Skatboards im Untergrund, die Schleifhexe im Einsatz.

320 Meter Rohr in zwei Strängen und 15 Hausanschlüsse wurden montiert, sechs Tonnen Stahl und 1000 Kubikmeter Asphalt verarbeitet. „Der Winter und die anschließende Nässe haben die Fertigstellung nochmal verzögert, weil zum Beispiel Material nicht unter diesen Umständen verarbeitet werden konnte“, schilderte Nagel. Obendrauf gesellten sich Lieferprobleme beim Asphalt.

Zwei Projekte zum Hochwasserschutz im Bad Wildunger Stadtteil Mandern stehen noch an

Ortsvorsteher Mathias Biederbeck ist besonders froh, dass der Schulbus nun wieder im Dorf und nicht mehr an der Bundesstraße hält. Er verwies auch darauf, dass noch viel beim Hochwasserschutz in Mandern zu tun ist. Ein „Biberdamm“, ein Wall, gefüllt mit Holzstämmen, soll Wasser oberhalb des Dorfes künftig abbremsen und bei Unwettern langsamer nach unten laufen lassen. Die Genehmigungsplanung mit dem Regierungspräsidium sei in Arbeit, erklärt Petra Schirmacher.

Noch keine realistisch bezahlbare Konstruktion ist in Sicht für das Weiterführen des Wassers bei größeren Unwettern ab Bahnübergang Bachstraße gen Eder. Denn das Gefälle wird dort flacher und flacher, sodass Wassermassen träge ablaufen: Rückstaugefahr.

Die Bilder von der Schlammflut 2017 stehen vielen Mandernern noch lebhaft vor Augen.

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