Annika Schäfer studiert Theaterwissenschaft · Regieassistenz in Kassel

„Kann mir nichts Anderes vorstellen“

Bad Wildungen - Für sie war immer klar, dass sie zum Theater will. Beim Thespis-Karren, den ihr Vater Bernhard Schäfer 1998 ins Leben rief, hat sie schon als Achtjährige auf der Bühne gestanden. Damals wollte Annika Schäfer Schauspielerin werden.

Immer öfter half sie aber auch hinter der Bühne mit und so stand für Annika Schäfer mit 14 Jahren fest, dass sie „lieber Regie machen“ wollte. Wenn sie bei Proben am Staatstheater Kassel die Schauspieler beobachtet, gefällt ihr das immer noch sehr gut. Dennoch sagt sie: „Ich habe das Gefühl, ich bin besser hinter als auf der Bühne.“

Direkt nach ihrem Abitur hat sich Annika Schäfer um eine Hospitanz beworben und konnte diesen Wunsch bei den Inszenierungen von „Black Rider“ und „Leonce und Lena“ verwirklichen. Als sie gerade vor einem Jahr ihr Studium an der FU Berlin begonnen hatte, bekam sie aus Kassel das Angebot, die Regieassistenz für das Jugendstück „Die Schatzinsel“ zu übernehmen. Das freute die junge Studentin der Theaterwissenschaft sehr, und sie nahm die Chance wahr. Gerade erst war sie wieder aktiv in Kassel, arbeitete als Regieassistentin für das Stück „Anne Frank“, das am 23. September in einer Bühnenfassung von Dieter Klinge zur Uraufführung im Theater im Fridericianum (TIF) kam. „Ich fühle mich hier sehr wohl, alle zusammen sind ein tolles Team“, sagt Schäfer.

Mit ihren Eltern und ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Katja war Annika Schäfer als Kind oft im Theater. „Das war teilweise anstrengend für uns“, erinnert sie sich. Aber die Zeit habe sie fasziniert und geprägt.

Vielfältige Aufgaben

Die Aufgaben von Annika Schäfer als Regieassistentin sind vielfältig. Sie erleichtert die Arbeit des Regisseurs, erstellt die Probenpläne, sorgt dafür, dass sich die Schauspieler wohl fühlen. „Ich schreibe mit, was gerade auf der Bühne passiert“, fügt sie hinzu. So kann am nächsten Tag alles schnell reproduziert werden, Requisiten finden rasch ihren alten Platz. Mit den Technikern werden Beleuchtung und Toneinspielung besprochen und dann dem Regisseur vorgeschlagen.

Ein Team von bis zu zwölf Leuten erlebt so in sechs Wochen eine sehr intensive Arbeitsphase. Während der Proben wachsen immer wieder Zweifel, ob das Stück gut wird. Erst bei der Premiere kommt das Feedback, dann können die Verantwortlichen von ihrer Position hinter der Bühne aus „entspannt zuschauen, dann kommt es auf die Schauspieler an“.

Anschließend das Gefühl zu genießen, etwas Tolles auf die Beine gestellt zu haben und Teil davon gewesen zu sein, „ist einfach wunderbar“, sagt Annika Schäfer. Zum Einen freut sie sich, dass sich der Regisseur durch ihre Mithilfe gut auf das Künstlerische konzentrieren kann, zum Anderen kann sie beobachten, wie Dieter Klinge an ein Stück herangeht und wie er mit den Schauspielern arbeitet. „Dabei erkenne ich, wie ich es später machen möchte.“

Grundwissen für gute Regie

Nach den Semesterferien studiert Annika Schäfer weiter in Berlin mit dem Nebenfach Literaturwissenschaft. Sie freut sich darauf, Theaterstücke zu lesen und die vielen Theater in Berlin kennen zu lernen. Vielleicht mit ihrer Schwester Katja, die sich ebenso vom Theater begeistern lässt. Besonders wichtig ist es für die junge Wildungerin, ein gutes Grundwissen zu haben, um gut Regie führen zu können, denn: „Ich kann mir nichts anderes vorstellen.“ (deg)

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