Fachtagung mit Vorträgen und Workshops am Stresemann-Gymnasium

Keine Checkliste für Hochbegabte

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Was kennzeichnet eine Hochbegabung? Darum drehte sich eine Fachtagung am Bad Wildunger Gymnasium.Foto: pr

Bad Wildungen - „Jedes Kind ist hochbegabt“ - „Blödsinn“, urteilte Prof. Dr. Rost von der Philipps-Universität Marburg in seinem Vortrag während der Fachtagung zur Hochbegabtenförderung am Gustav-Stresemann-Gymnasium.

Er ordnete diese Aussage dem Bereich der Mythen zu, so wie auch die Annahme, Genie und Wahnsinn im Verbund seien ein Zeichen für Hochbegabung. Als Faktum stellte er dagegen heraus, dass sich begabtere Kinder nicht nur schneller entwickeln, sondern auch im Erwachsenenalter ein höheres Intelligenzniveau erreichen. Sie seien eher in bildungsnahen Elternhäusern zu finden und suchten sich später ihre begabungsfördernden Umwelten.

Schulleiterin Dagmar Ipach antwortete zu der Frage, was denn Hochbegabung eigentlich sei und woran man sie erkenne, dass neben der Intelligenz auch Neugierde, Motivation und Hartnäckigkeit wichtige Indikatoren seien.

In seinem Vortrag „Fakten und Mythen zu pädagogisch-psychologischen Fragen der Hochbegabung“ warnte Prof. Rost vor Checklisten zur Erkennung von Hochbegabung aus Internet oder irgendwelchen Zeitschriften. Sein Rat: Fachleuten wie den Schulpsychologen oder den Psychologen mit einem entsprechenden universitären Abschluss vertrauen.

Koffer für kluge Köpfe

Claudia Fritz, die als Schulpsychologin das Grußwort des Staatlichen Schulamtes übermittelte, hob die gute Zusammenarbeit zwischen Schulen und schulpsychologischem Dienst hervor, welche die Eltern mit einschließe und neben der Unterstützung der problembeladenen und schwachen Kinder auch auf die der begabten abziele.

Im Plenarvortrag von Prof. Dr. Jörn Sparfeldt von der Universität des Saarlandes ging es für die Lehrer, Eltern und die angehenden Lehrer des Studienseminars Kassel darum, Schülerleistung zu beobachten, zu messen und zu beurteilen.

Neben Gütekriterien, die der Notenfindung zugrunde liegen sollten, wurde das Ziel der möglichst fehlerarmen Bewertung in den Blick gerückt. Dies sei vor allem durch Transparenz bei der Zensurengebung, also in der Kommunikation mit Schülern und Lehrern, möglich.

Petra Laubenstein, Leiterin des Hochbegabtenzentrums der Volkshochschule Frankfurt, griff zusammen mit ihrer Kollegin Kerstin Eisbrenner auf ihren Erfahrungsschatz in der Diagnostik zurück und zeigte Beispiele auf.

Die Workshops stellten dann verstärkt den Praxisbezug in den Vordergrund. Lehrer der umliegenden Schulen waren in der Fortbildung tätig: Ewald Manz von der Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule in Homberg stellte das „Drehtür-Modell“ in Mathematik vor, Jutta Wagner und Ulla Ostheim von der König-Heinrich-Schule in Fritzlar den „Koffer für kluge Köpfe“ (Materialien zur Förderung Hochbegabter) und Klaus-Peter Haupt, Gründer und Leiter des Schülerforschungszentrums Nordhessen, referierte über die dort erprobten didaktisch-methodischen Prinzipien zur Begabtenförderung und deren Auswirkungen auf den Unterricht.

Vom GSG bot Maurice Rüsseler multimediale Lernarrangements am Beispiel von Web-based-Trainings. Er berichtete über ein Computer-gestütztes Lernprogramm in seinem Chemie-Unterricht einer achten Klasse, welches die eigenständige Lernzeit der Schüler pro Woche in einem Fall von 0,5 auf 4 bis 5 Stunden steigern half. Die Arbeit mit dem Programm CourseLab wurde daraufhin mit den Workshop-Teilnehmern am Computer erprobt.(r)

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