Immer wieder Beschwerden wegen Lärmbelästigung

Keine einzige Nacht ohne Hundegebell

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Gingen der nächtlichen Lärmbelästigung auf den Grund: Karin Jäger, Birgit Kimling und Ingrid Roberts (von links) an der Hundezwingeranlage am Reinhardshäuser Ortsrand; mit im Bild Tierheimleiterin Daniela Kotitschke und Tierpflegerin Kristin Euler.

Bad Wildungen - Reinhardshausen - Nächtliches Hundegebell raubt Reinhardshäusern und Klinikgästen den Schlaf. „Das ist ein Problem, das uns schon seit einiger Zeit begleitet“, bescheinigte Bürgermeister Volker Zimmermann in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Dem Halter droht ein Bußgeld.

Wiederholt beschwerten sich Anwohner und Klinikpatienten über Lärmbelästigung. Nach Angaben von Martin Segeler, Leiter des Ordnungsamts, läuft gegen den Hundehalter bereits seit einigen Wochen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. „Da geht es um andauerndes nächtliches Hundegebell - das ist nicht tolerierbar.“

Trotz mehrerer Schreiben der Stadt an den Hundehalter habe sich nichts geändert. „Wir gehen daher von Vorsatz aus“, begründete Segeler. Den Hundebesitzer erwarte ein Bußgeld in dreistelliger Höhe.

„Waschbär und Fuchs kommen“

Drei Reha-Patientinnen, die Nacht für Nacht durch lautes Gebell im Schlaf aufschreckten, gingen jetzt auf eigene Initiative der Sache auf den Grund. Ein verwahrlost wirkendes Grundstück am Schützenhaus am Hahnberg machten sie als Ausgangsort der nächtlichen Bell-Tiraden aus. Klinikgast Karin Jäger sprach von einem „Bild des Schreckens“. Hunde in engen Verschlägen, leere Wassernäpfe, Kothaufen, zum Teil apathisch wirkende Tiere - so fand die aus Usseln stammende ehemalige Wintersportlerin die Zuchtanlage vor. „Ich fahre extra nicht in südliche Länder, um so ein Elend nicht mit ansehen zu müssen, und jetzt habe ich es direkt vor der Tür“, sagte Ingrid Roberts, eine andere Reha-Patientin. In Mails an Behörden, politische Parteien und Medien machte Jäger ihrem Ärger Luft, zweifelt artgerechte Hundehaltung an.

Die neue Bad Wildunger Tierheim-Leiterin Daniela Kotitschke wollte sich an der Zwingeranlage selbst ein Bild machen. Da kam überraschend der Hundehalter hinzu. „Es gibt unterschiedliche Menschen, die unterschiedlich Tiere halten“, sagte er schulterzuckend. Die nächtliche Unruhe führt er auf tierischen Besuch auf dem Grundstück zurück, dessen Zaun zum Teil baufällig ist: „Wenn Waschbär und Fuchs kommen, fangen die Hunde an zu bellen.“

13 erwachsene Tiere halte er - Schäfer- und Hirtenhunde, Dobermänner, sowie acht Welpen, außerdem Hühner und Bienen. 2005 habe er das am Reinhardshäuser Ortsrand gelegene Areal erworben und betreibe seit 2008 eine Hobbyhundezucht. Seine Tiere bietet er im Internet an. „Sämtliche Vorschriften sind eingehalten“, verwies er auf Zwingergrößen und Besatz.

Das bescheinigte auch der Pressesprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg, Dr. Hartmut Wecker. Amtsärzte des Fachdienstes Lebensmittelüberwachung, Tierschutz, Veterinärwesen begutachten die Anlage seit 2007 regelmäßig. Dabei handele es sich um angekündigte Kontrollen, aber auch um nicht angemeldete Besuche. „Da der Hundehalter berufstätig ist, müssen manche Besuche abgesprochen werden.“

Keine gravierenden Verstöße festgestellt

22 Hunde, darunter neun Welpen, wurden beim letzten Besuch vorgefunden. „Es gab keine gravierenden Beanstandungen, kleinere Auffälligkeiten konnten direkt geklärt werden.“ In einem Zwinger sei lediglich ein fehlender Witterungsschutz nachgefordert worden. In der Vergangenheit sei es wiederholt zu Anzeigen gegen den Hundehalter gekommen, „ohne dass dann tatsächlich gravierende Verstöße festgestellt werden konnten“. Auch die Schilderungen der drei Klinikgäste „können nach der Kontrolle durch das Veterinäramt nicht bestätigt werden“, merkte Dr. Wecker an. Die Unterbringung stehe im Einklang mit den tierschutzrechtlichen Vorschriften.

Tierheimleiterin Kotitschke prangerte die Aufzucht von Welpen in einem Verschlag an. Ob dies artgerecht ist, sei eine Grundsatzfrage, betonte der Pressesprecher des Kreises. „Rechtlich ist diese Form der Aufzucht aber erlaubt.“

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