Johanna Kunz und Luisa Schmal eröffnen den „Literarischen Herbst“

Auf zum Kino im Kopf

Waldeck-Sachsenhausen - Mit Fantasie, Talent und Wortwitz nahmen zwei junge Autorinnen aus der Heimat ihre Zuhörer mit auf eine vergnügliche Reise im Kopf. Sie eröffneten den „Literarischen Herbst“ in den Waldecker Stadtteilen.

In der Heimat schlummern etliche unentdeckte Talente – das glaubt der Waldecker Verein für Jugend und Kultur (WaJuKu) und rief den „Literarischen Herbst“ ins Leben. Bei 15 Lesungen bis zum 21. November präsentieren sich Schriftsteller aus der Region mit ihren Werken.Zur Eröffnung des Lese-Festivals begrüßte WaJuKu-Vorsitzende Ute Wiesenberg in der Stadtbücherei Sachsenhausen zwei junge Schreibtalente: Johanna Kunz (11 Jahre) aus Kassel und Luisa Schmal (18 Jahre) aus Sachsenhausen.

Johanna, deren Vater aus Vöhl stammt, hat als Achtjährige ihre erste Geschichte geschrieben. Titel: „Luzie und das verstimmte Klavier“. Mucksmäuschenstill ist es, als Johanna in der Stadtbücherei zur Lesereise aufbricht. Mit dem Notenmädchen Luzie geht es ins Notenland zum Schloss der tiefen Töne. Besucher lauschen amüsiert den Dialogen mit dem „hohen E“ und nehmen an den Erlebnissen der Hauptdarstellerin teil – der Text erstklassig vorgetragen von der blutjungen Autorin. Eine mitreißende Geschichte – nur das Ende bleibt im Dunkeln. „Wenn ihr das hören wollt, dann könnt ihr das Buch in der Stadtbücherei ausleihen“, sagt die Elfjährige verschmitzt. Einige Besucher kaufen spontan die Erzählung der jungen Buchautorin. Und eine ehemalige Deutschlehrerin ist beeindruckt von dem außergewöhnlichen Schreibtalent: „Diesen Namen muss man sich merken.“ Johanna schildert, wie sie zu dem Buch kam: „Ich hatte Gedanken im Kopf und hab einfach losgelegt.“ Eigentlich sollte es eine Erzählung für ihre Eltern werden, aber die war so schön, dass sie gedruckt wurde. „Da ist kein Satz, kein Inhalt verändert – nur die Rechtschreibung wurde verbessert“, sagt Großmutter Margarethe Kunz stolz. Die Vöhlerin hat selbst an die 90 Kurzgeschichten veröffentlicht. Die zweite Autorin bei der Auftaktveranstaltung kommt aus Sachsenhausen: Luisa Schmal gibt Kostproben aus ihren Werken. Sie hat bereits viele Kurzgeschichten geschrieben und an Schreibwettbewerben teilgenommen. Einige Beiträge sind in Büchern erschienen wie wie das Engelmädchen Wilma, das von einer Wolke fiel. „Das war eigentlich für meine Schwester, weil ich noch ein Weihnachtsgeschenk brauchte“, lacht die 18-Jährige.

Zum „Literarischen Herbst“ las sie Abenteuer von „Alea und dem Drachen Balduin“ und schilderte eine spannende Zeitreise vom Jahr 2011 ins Jahr 1903. Nebenbei erläuterte die Gymnasiastin, wie in der Schreibwerkstatt zu vorgegebenen Details wie Nussknacker, Ball und Rentier die tollsten Geschichten erstehen. Trotz Talent und Leidenschaft bleibt die angehende Abiturientin auf dem Boden. „Schreiben macht Spaß, aber es ist schwer, damit Geld zu verdienen“, hat Luisa erkannt und will sich beim Studium eher an sicheren Berufen orientieren. „Zwei echte Schreibtalente“, resümierte Wiesenberg zum Abschluss unter großem Applaus. Der „Literarische Herbst“ geht weiter. Dienstag liest die Herzhäuserin Christine Hoffmann in Dehringhausen, Mittwoch kommt Henning H. Drescher um 19.30 Uhr in die Gärtnerei Krause nach Selbach.

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