Bei Niedrigwasser entdeckt

Kleine  Schwarmfisch-Art namens Schneider kehrt in Eder bei Wega zurück

An Flachstellen der Eder bei Wega wurde der Schneider (kleines Foto) nachgewiesen. Fotos: Schuldt/Sebastian Blum/EFC/pr

Wega. Der Schneider (lateinisch: Alburnoides bipunctatus) ist ein kleiner einheimischer Schwarmfisch, der klare Bäche und Flüsse mit Kiesgrund bewohnt. Über Jahrzehnte verschollen, ist er wieder in die Untere Eder zurückgekehrt.

Mitglieder des Ederfischereiclubs (EFC) haben mehrere erwachsene Exemplare beim aktuellen Niedrigwasser in zwei Gewässerabschnitten bei Wega durch Mitglieder des Ederfischereiclub (EFC) Anfang Oktober nachgewiesen. Eine Woche später bestätigten wissenschaftliche Befischungen im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel den Befund.

Sieht aus wie genäht

Seinen Namen verdankt der Schneider einer auffälligen Seitenlinie, die im vorderen Körperdrittel doppelt vorhanden ist und wie genäht erscheint. Der Schneider ist in Hessen sowie bundesweit von einer weit verbreiteten Fischart zu einer extrem seltenen geworden, deren Bestand weiter abnimmt.

Dass er nun zurückkehren konnte, ist Ergebnis intensiver Anstrengungen um die ökologische Entwicklung und Renaturierung der Unteren Eder zu einem naturnahen Gewässer, sind sich die Experten einig.

Ein Element bestehe in der nachhaltigen fischereiliche Hege durch den Ederfischereiclub über Jahrzehnte hinweg. Die großräumige Renaturierung der vergangenen fünf Jahren zwischen Affoldern und Ungedanken wirke sich in gleicher Richtung äußerst positiv aus, heißt es in einer Pressemitteilung des EFC. Diese Renaturierung gebe in Art und Umfang ein Beispiel für Hessen und Deutschland als GAnzes. Ederfischereiclub, Naturschutzverbände im Edertal, den Anliegergemeinden und Regierungspräsidium Kassel gestalteten dieses Projekt bemeinsam.

Erfolge der Eder-Renaturierung gefährdet durch Edersee-Bewirtschaftung

Aber diese Erfolge sind aus Sicht des EFC gefährdet und es gebe weiterhin gravierende Belastungen, die der Eder als Ökosystem und ihrer Fischfauna zusetzten. An erster Stelle stehe die schlechte Wasserqualität im Affolderner See. Der See erwärmt sich je nach Wetterlage und Speicherbewirtschaftung zur Stromgewinnung unnatürlich stark. Die Nährstoffbelastung führt vermehrt zu verstärkter Algenblüte.

Die Situation entwickelte sich im Sommer wegen der extrem lange Trockenheit mit mehreren Hitzewellen besonders prekär. So musste im August die Wasserkraftanlage in Affoldern nachts abgestellt und das Wasser im Wehrüberfall in die Eder geleitet werden, um Fischsterben durch Sauerstoffmangel zu vermeiden. Wie ein gemeinsames Messprogramm des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie und des Ederfischereiclub nachwies, verhinderte dieser Schritt das Schlimmste. 

Im September und Oktober bildeten sich im gesamten Edersee infolge der Wetterbedingungen und des geringen Füllstandes Teppiche von giftigen Cyanobakterien („Blaualgen“) aus, die bis in die Eder ausgetragen wurden. Der EFC sieht das als „Folge einer allein auf die Schifffahrt in der Weser ausgerichteten Abfluss- und Füllstandsbewirtschaftung des Edersees im Sommer, die neu überdacht werden muss.“ So heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Denn mit dem Klimawandel würden extreme und lang anhaltende Hochwetterdrucklagen regelmäßiger eintreten. Werde die Bewirtschaftung nicht angepasst, stünden der Unteren Eder vermehrt massive Folgen der Überfrachtung mit Nährstoffen bevor: Algenblüten, Fischsterben und Einschränkungen der Freizeitnutzung. (Von Prof. Dr. Dietrich Borchardt)

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