Klinikpionier prägte Bad Wildungens Rolle als Reha-Zentrum entscheidend mit

Werner Wicker ist verstorben

Die Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen-Reinhardshausen: Hier auf einem Luftbild von 2019.
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Die Werner-Wicker-Klinik in Bad Wildungen-Reinhardshausen: Hier auf einem Luftbild von 2019.

Der Klinikpionier Werner Wicker ist in der Nacht zum Montag an seinem Schweizer Wohnsitz verstorben. Das gaben die Familie und der Wicker-Konzern Mittwoch bekannt. Im September wäre der erfolgreiche Unternehmer 85 Jahre alt geworden.

Werner Wickers Name ist untrennbar verbunden mit dem Ausbau Bad Wildungens und seines Stadtteils Reinhardshausen zu Hessens Rehabilitations-Zentrum Nummer eins. Der Sitz des Konzerns liegt an der Wildunger Brunnenallee. Das Flaggschiff der Wicker-Gruppe ist die 1978 errichtete Reinhardshäuser Werner-Wicker-Klinik mit ihrem nationalen und internationalen Renommee als Schwerpunktklinikum für Erkrankungen rund um die Wirbelsäule.

Symbolhaft für das Leben und Wirken von Werner Wicker ragen seit Monaten dort wieder Kräne empor. 30 Millionen Euro fließen in den Ausbau der WWK. Bis zuletzt hielt der Unternehmensgründer die Fäden in der Hand, gemeinsam mit nachfolgenden Generationen seiner Familie und der langjährigen Konzern-Geschäftsführung um Dr. Karl-Heinz Vornholt und Uwe Wacker.

Für zehn Millionen Euro erweiterte Werner Wicker die Kurhessentherme in Kassel

Wicker paarte über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg unternehmerischen Mut, stete Einsatz- und Investitionsbereitschaft sowie ein sicheres Gespür für Entwicklungen im Gesundheitswesen mit seiner Leidenschaft für eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen und dessen Gesundheit. Diese Passion spiegelt sich unter anderem im Aufbau der Ayurveda-Klinik Kassel 1995 oder in den 10 Millionen Euro für die Erweiterung der Kasseler Kurhessentherme um die „1001-Nacht-Welt“, die vor zwei Jahren eröffnete.

Der Klinikpionier Werner Wicker ist in der Nacht zum Montag an seinem Schweizer Wohnsitz verstorben.

„Gesundheit und Schaffenskraft stehen im Vordergrund – ich möchte weiter meinem Unternehmen dienen und den Menschen im Sinne der Evolution.“ So formulierte Wicker 2015 seine Lebenshaltung und zugleich seinen Wunsch zum 80., den er damals als „meditativen Geburtstag im kleinen Kreis“ in Indien feierte.

Wir sind dankbar, seine Werte weitertragen zu dürfen.

Familie Wicker

All dies begann 1965 mit der Eröffnung des „Sanatoriums Wicker“, mit 260 Betten und 85 Angestellten. Zu jener Zeit blickte der 30-Jährige bereits auf neun Jahre Erfahrung als sein eigener Chef zurück. Denn nach der Ausbildung zum Installateur übernahm der in Kassel geborene junge Mann nicht das elterliche Geschäft, sondern rief eine eigene Firma ins Leben.

1960 gründete er in Ahnatal eine Wohnungsbaugesellschaft und bebaute den Kammerberg, bevor er in Bad Wildungen den Grundstein zur heutigen Klinikgruppe legte. Im Baubüro für das entstehende „Sanatorium Wicker“ habe er auf einem Klappbett geschlafen, Ideen entwickelt und neun Kilogramm Gewicht verloren, erinnerte er sich nach Angaben seiner Familie einmal. Er habe immer alles selbst gemacht, sagte er: geplant, konstruiert, finanziert und durchgeführt.

Bad Wilhelmshöhe und Bad Zwesten profitierten von Werner Wickers Engagement

Von dieser Energie profitierten auch alle Orte, an denen Wicker Schritt für Schritt die Teile seines Klinik-Imperiums errichtete. Sein Engagement trug etwa entscheidend dazu bei, dass Wilhelmshöhe 1992 den Zusatz „Bad“ erhielt und Bad Zwesten dieses Prädikat seit 2002 führt. Dort entstanden ab Anfang der 1970er die Wickerschen Hardtwald-Kliniken.

Bad Homburg verlieh Werner Wicker vor fünf Jahren die Ehrenplakette. Die Stadt verdankt ihm den Umbau der Ruine des „Hotels Ambassador“ in eine Wirbelsäulenklinik und die Errichtung der „Taunus-Therme“ 1980.

Heute umfasst die Wicker-Gruppe neben den beiden Thermen neun Reha-Kliniken – davon eine mit einer Krankenhausabteilung für Psychosomatik – und drei Akut-Krankenhäuser in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie ein Hotel in Willingen. Rund 3500 Beschäftigten stehen etwa ebenso viele Betten gegenüber. „Werner Wicker hat ständige Weiterentwicklung, ganzheitliches Denken und einen familiären, menschlichen Führungsstil etabliert“, schreibt die Geschäftsführung der Gruppe zum Tod des Unternehmensgründers.

Werner-Wicker-Klinik: Zwölf Kliniken zwischen Bad Oeynhausen und Bad Homburg

In Bad Wildungen zählen die Reinhardshäuser Werner-Wicker-Klinik, die Wicker-Klinik und die Klinik am Homberg, sowie das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) an der WWK zum Konzern. Im benachbarten Bad Zwesten sind es die Hardtwaldkliniken II und I (mit Neurologischer Akutklinik und MVZ). In Kassel liegen die Habichtswald-Klinik, die Habichtswald-Akutklinik, die Ayurveda-Klinik und die Kurhessen-Therme. Die Klinik Hoher Meißner und die Sonnenberg-Klinik finden sich in Bad Sooden-Allendorf. In Bad Homburg stehen die Wicker Klinik/Wirbelsäulenklinik und die Taunus-Therme.

Die nördlichste Klinik heißt „Am Osterbach“ in Bad Oeynhausen. Komplettiert wird das Unternehmen seit 2010 durch das Kurhotel Hochsauerland in Willingen. Nach dem Tod von Sohn Michael Wicker 2011 wurde dessen Wirkungsfeld in einer vom Konzern unabhängigen Gesellschaft zusammengeführt, der „Wicker Gesundheit und Pflege“. Zu diesem eigenständigen Verbund zählen mit Sitz in Bad Wildungen etwa die Neurologische Klinik Westend sowie die Pflege- und Wohnheime Goeckestift, Laupark und Kaiserhof.

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