Edertal

Knalleffekt gegen gefiederte Zechpreller

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- Edertal (su). Hand aufs Herz: Links ein grüner Salat mit einem Spritzer Zitronensaft und rechts ein Stück Sachertorte – wo greifen Sie zu? Eben! Und das sehen Schwäne ganz genauso.

Statt den faden Hahnenfuß in der Eder abzuweiden, wie es ihnen natürlicherweise zukäme, tun sie sich in Legionsstärke am süßen Raps auf den benachbarten Feldern gütlich und liefern damit seit Wochen reichlich Diskussionsstoff. Der Antrag eines Edertaler Landwirtes und von Jagdgenossen auf Abschuss von 18 Tieren zur Abschreckung (fachlich: Vergrämung) trug den Bauern gar den öffentlich erhobenen Vorwurf des „Mordversuchs“ ein. Hier hört bei Herbert Wende aus Mehlen der Spaß auf: „Das ist reine Polemik, ein völlig abwegiger Vergleich. Ermordet werden Menschen.“ Die Leute verdächtigten ihn, den Antrag gestellt zu haben, „doch das stimmt nicht – noch nicht.“

Stattdessen greift Wende zu einem anderen Mittel, um die großen weißen Vögel von seinen Rapsäckern fernzuhalten. Er stellt ein „Knallschreckgerät“ auf. Auch das ist kein unumstrittener Schachzug gegen die weiße Partei auf den Feldern, „aber das ist das mildeste Mittel, das mir zur Verfügung steht“, betont Wende. Wenn man ihm das verbiete und zugleich keine Entschädigung gezahlt werde, „dann stelle ich nächstes Jahr einen Antrag auf Vergrämungsabschuss und klage notfalls gegen eine Ablehnung“, kündigt er an. Er habe schon einmal in einem Naturschutzverfahren vor Gericht die Oberhand behalten.

Damit kein falscher Eindruck von seiner Persönlichkeit entsteht – der Mehlener Landwirt sieht sich keinesfalls als Umweltrambo: „Wir beispielsweise lassen die Mehlschwalben an unserem Haus nisten, auch wenn ihr Kot am Mauerwerk hängen bleibt.“ Die meisten anderen Hausbesitzer rissen die Nester ab und spannten Drähte, um die Vögel zu vertreiben. Aber niemand könne von ihm verlangen, dass er die Schwäne in dieser Zahl und mit solchen Folgen durchfüttere. 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag beschere ihm der Verbiss und damit einen Verlust von 550 Euro pro Hektar.

„Was würden wohl all die Kritiker sagen, wenn man ihnen monatlich einfach 50 Euro vom Konto nähme?“, fragt sich Wende. In einem ist er sich mit den Vogelschützern jedoch vollkommen einig. Flösse eine entsprechende Entschädigung, wäre der Schwan vom Feld wie die sprichwörtliche Kuh vom Eis.

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