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Rund 50 Aussteller mit knapp 200 Tieren bei der Tierschau zum Viehmarkt Bad Wildungen

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Von: Matthias Schuldt

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Aufstellung zum Schlussbild vor der Siegerehrung: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kälberaufzucht- und Jungrindervorführwettbewerbe.
Aufstellung zum Schlussbild vor der Siegerehrung: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kälberaufzucht- und Jungrindervorführwettbewerb. © Matthias Schuldt

Knapp 200 Tiere waren bei der Bezirkstierschau zum Kram- und Viehmarkt Bad Wildungen am Samstag auf dem Reitgelände oberhalb des Schützenplatzes zu sehen.

Bad Wildungen – Hinzu kamen die Kaninchen- und die Geflügelschau in der Reithalle. Florian Solle vom Landesbetrieb Landwirtschaft in Kassel begrüßte als Schauleiter mehr als 50 Ausstellerinnen und Aussteller aus der Region. Etliche Haustierrassen wie Schafe, Fleischrinder oder Ziegen wurden dem Publikum ohne Bewertungen, aber mit vielen, spannenden Informationen präsentiert. Bürgermeister Ralf Gutheil und Stadtrat Fritz Faupel als Vorsitzender der Markt-Kommission zeichneten am Ende die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Traditionell fuhren sie in der Kutsche vor, einem Gespann mit zwei Süddeuschen Kaltblütern, gestellt vom Talhof.

Es gab eine Fohlenschau und gewertet wurde bei den Pferden in den Gruppen Warmblut, Süddeutsches Kaltblut, Haflinger, Shetlandpony, Deutschem Reitpon, Classic Pony, Welsh sowie Deutschen Partbred Shetlandpony einschließlich Mini-Appaloosa-Pony. Der Jungrindervorführ- und der Kälberaufzuchtwettbewerb komplettierten das Programm.

Das Warmblut-Siegerhengstfohlen stellte Sonja Biederbeck (Wellen), das Siegerstutfohlen zeigten Heinz Sprenger und Simone Kossel (Werkel). Heike Mogk (Bad Wildungen) nahm die Auszeichnung für ihre Siegerstute (ohne Fohlen) entgegen. Erneut Sonja Biederbeck präsentierte die Siegerstute beim Süddeutschen Kaltblut.

In der Gruppe der Haflinger freute sich das Bergheimer Gestüt Stange über ihre Siegerstute. Die Siegerstute bei den Shetlandponys stellte Gabi Trümper-Blos (Borken), während beim Deutschen Reitpony Familie Grell aus Bad Wildungen die Siegerstute vorführte.

Beim Deutschen Classic-Pony siegte die Zuchtgruppe Zimmermann aus Scheden mit ihrer Stute. Die Gruppe Welsh sah die Siegerstute aus dem Besitz der Familie Keil (Wenzigerode). Gleich Siegerhengst- und Siegerstutfohlen beim Deutschen Partbred stammen aus der Zucht von Sylvia Lohmann (Lendorf).

Den Jungrinderwettbewerb entschied Lara Weigel (Schwabenrod) für sich vor Julia Charlott Albus (Albertshaussen), Marcel Röhner (Altwildungen) und Marino Viehmeier (Albertshausen). Bei dem Kälberaufzuchtwettbewerb freute sich Felix Ulrichüber den Pokal vor Davin Schrauf, Linda Ulrich und Linus Ulrich (alle Altwildungen).

Die Tierschau wird inzwischen auch geprägt von vielen Liebhaberzüchtern und -haltern, die sich zum Teil alten Haustierrassen verschrieben haben und den Besuchern gerne davon erzählen. Das Ehepaar Bettina und Alfred Hucke aus Odershausen etwa hat sein Herz an eine alte französische Schafrasse verloren: die „Rouge du Rousillion“ oder Rotkopfschafe. „Wir haben nie etwas mit Haustieren zu tun gehabt, wurden 2017 aber von Bekannten angesprochen, ob wir von ihnen nicht ein paar dieser Schafe übernehmen wollen“, erzählt Hucke. 2008 stand die Rasse vor dem Aussterben. 38 Tiere seien gerade noch vorm Schlachthof gerettet worden. 245 sind es in Deutschland heute.

Lammfromm sind die Rotkopfschafe, denen sich Alfred Hucke widmet.
Lammfromm sind die Rotkopfschafe, denen sich Alfred Hucke widmet. © Matthias Schuldt

„Die ideale Rasse im Klimawandel: zwischen minus 30 und plus 40 Grad sind sie draußen zufrieden“, erzählt Hucke. Vier Tiere brauchen etwa einen halben Hektar, werden allein mit Heu zugefüttert. Sie seien nicht nur genügsam, gäben eine tolle Wolle, ähnlich Merino ab, sondern seien ihren Besitzern sehr zugewandt. Das gelte auch für die gutmütigen Böcke die ebenso wenig Hörner tragen wie die Weibchen. Die Tiere sind sehr robust, so dass die berüchtigte „Moderhinke“, eine Klauenkrankheit, die bei Schafhaltern gefürchtet ist, „uns noch kein einziges Mal Probleme bereitet hat“, berichtet Bettina Hucke. Das Paar freut sich über weitere Interessierte. Zu erreichen ist Alfred Hucke unter 0160/701 33 66.

Nicht alltäglich sind auch die Mulis, die Julia Krüger aus Wega ihr eigen nennt. Sie betreibt in Wega einen Maultierhof unter dem Motto „Leben und Lernen von und mit Maultieren“. Mulis ist der Oberbegriff für Kreuzungen aus Esel und Pferd. Maulesel entstammen einer Verbindung von Eselstute und Pferdehengst, Maultiere haben eine Pferdestute zur Mutter und einen Eselhengst zum Vater. „Mulis kennen keine Rangordnung“, erklärt Julia Krüger. Die Tiere folgen demjenigen von ihnen, das in der spezifischen Situation das fähigste ist. Findet das eine am besten Wasser, folgen sie ihm, in Sachen Futtergründen dann einem anderen Herdenmitglied. „Als Mensch muss man genau wissen, was man will, um mit Mulis zu arbeiten“, erklärt Julia Krüger.

Julia Krüger mit ihren Mulis
Julia Krüger brachte dem Publikum Mulis näher. © Matthias Schuldt

Die Tiere sind schneller als Esel, aber genügsamer – gerade im Bezug auf Wasser – und im Gebirge trittsicherer als Pferde. „Die Bundeswehr ist der größte Mulibesitzer in Deutschland“, berichtet die Wahl-Wegaerin. Die Tiere hätte abgeschafft werden sollen, doch bei Einsätzen etwa in Afghanistan hätten sie ihren Wert unter Beweis gestellt.

Angesichts des Klimawandels und höherer Energiepreise erlebten die Mulis als Nutztiere in manchem ihrer klassischen Herkunftsländer gerade wieder eine Renaissance, sagt Julia Kürger. (Matthias Schuldt)

Mehr Bilder von der Tierschau des Viehmarkts

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