Edertal

Kompromiss rückt in greifbare Nähe - Video

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- Edersee / Bad Karlshafen (su). „Wir sind auf dem besten Weg zu einem Kompromiss.“ So fasste Vöhls Bürgermeister Harald Plün­necke seinen Eindruck nach der Tagung der Interessengemeinschaft Oberweser am Freitag zusammen. Auf dem Weg zu einem Kompromiss, der den Tourismus am Edersee auch in trockenen Jahren nicht auf Grund laufen lässt.

Auf dem Bad Karlshafener Ausflugsschiff „Hessen“ präsentierte Jiri Cemus vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Hann. Münden einen Vorschlag, der den Akteuren am See Hoffnung macht. Kurz gesagt: Wenn das Wasser richtig knapp wird, gewährleistet das WSA nicht mehr die gesamte Woche über einen Pegel von 1,20 Meter in Hann. Münden, sondern nur noch vier Tage, beispielsweise donnerstags bis sonntags. Von Montag bis Mittwoch würde dagegen die Abgabe aus dem See auf das Minimum von sechs Kubikmetern pro Sekunde gedrosselt mit der Folge, dass die Schifffahrt auf der Weser dann entsprechenden Einschränkungen unterworfen wäre. Der Edersee aber würde geschont. Dieser Lösungsvorschlag ist aber bisher nur ein Beispiel, wie es gehen könnte.

Cemus hat ausgerechnet, welche Folgen die Anwendung eines solchen Modells in diesem Jahr gehabt hätte: Bis August wären etwa 40 Millionen Kubikmeter mehr im Edersee verblieben, als es tatsächlich der Fall war, in der Summe 80 Millionen Kubikmeter. „Ab September hätten wir allerdings mit und ohne dieses Vorgehen denselben niedrigen Wasserstand, weil es nicht ausreichend geregnet hat“, schränkt Cemus ein. Hubert Kindt, Vizepräsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Hannover, warnte vor zu hohen Erwartungen. Allein in extrem trockenen Jahren könne eine solche Regelung wirken.

Thomas Hennig, Unternehmer vom Rehbach, ist dennoch zufrieden mit der aktuellen Entwicklung der Diskussion: „Wir sind viel weiter, als wir jemals in der Vergangenheit gekommen sind.“ Nun gehe es darum, die Details zu verhandeln, um möglichst viel für die Ederseeregion zu erreichen. „Die Krux bei dem Pegel von 1,20 Meter in Hann. Münden ist ja, dass er permanent gehalten wird, obwohl nur wenig Schifffahrt stattfindet.“ Das allerdings könnte sich ändern, denn der Transport von Schwergütern auf dem Wasser wird für viele nordhessische, gerade im Raum Kassel beheimatete Unternehmen interessanter. Hintergrund sind die zunehmend strengeren Vorschriften für Schwertransporte auf der Straße.

Wilfried Meyer, Chef der Edersee-Schifffahrt, fordert vor diesem Hintergrund von den Unternehmen, dass sie in Frachtschiff-Systeme investieren, die mit weniger als 1,20 Meter Pegel in Hann. Münden auskommen. Auch Meyer sieht in dem Vorschlag aus dem WSA Chancen, würde es aber bevorzugen, den Pegel der Oberweser generell auf 1,15 Meter abzusenken: „Ich bin ein alter Weser-Schiffer und jederzeit bereit, den Beweis anzutreten, dass man damit auskommt.“ Hubert Kindt gab über diese Diskussion hinaus zu bedenken, dass die Verwirklichung des vom WSA erarbeiteten Vorschlags nicht ohne Preis zu haben ist: „In der kleinen Eder würde so etwas wie ein Tidehub entstehen, der Wasserspiegel also innerhalb kurzer Zeiträume um bis zu 50 Zentimeter schwanken. Da stellt sich die Frage, welche Auswirkungen auf die Ökologie das hat.“

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der nächsten Woche.

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