Landkreis will Ergebnisse erst auswerten

Kreis-Gutachten zum Wildunger Schlachthof fertig - und unter Verschluss 

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Im Wartestand: Aber ob der Schlachthof je wieder in Betrieb geht oder ob gar an anderer Stelle in der Stadt oder den Stadtteilen ein neuer gebaut wird: Das steht in den Sternen.

Die Wildunger Stadtverordneten diskutieren den eventuellen Neubau eines Schlachthofes. Der Landrat winkt ab. Das Gutachten zur Sanierung gibt er aber auch noch nicht nach außen.

  • Die Freien Wähler wollen den Neubau des Wildunger Schlachthofes als Alternative zur Sanierung prüfen lassen
  • Die Mehrheit in der Wildunger Stadtverordnetenversammlung hält diesen Schritt nicht für grundsätzlich falsch, aber verfrüht
  • Das Wildunger Parlament sieht den Landkreis in der Pflicht zum Erhalt eines Schlachthofes in Bad Wildungen zu Gunsten regionaler Produktion und Direktvermarktung
  • Der Landrat lehnt den Neubau eines Wildunger Schlachthofes ab und will den Betreibern beim Beheben der Mängel im jetzigen Gebäude mit helfen

Bad Wildungen – Die Freien Wähler (FW) in Person ihres Fraktionsvorsitzenden Dr. Hans Schultheis gingen beim Thema „Schlachthof“ am Montagabend in die Offensive.

Er stellte den Antrag: Die Stadtverordnetenversammlung lässt den Magistrat einen anderen Standort für den Betrieb prüfen. Das beinhaltet den Bau eines neuen Schlachthofes als Alternative zum Sanieren des jetzigen Gebäudes. Auf dessen Areal solle gemischte Wohnbebauung inklusive Sozialwohnungen entstehen.

„Moderne Betriebsabläufe und Hygienebestimmungen lassen sich in einem sanierten, alten Betrieb viel schlechter umsetzen, als in einem Neubau“, argumentierte Schultheis.

Das Sanierungsgutachten zum Wildunger Schlachthof

Dabei ist das Gutachten des Landkreises zu den Kosten der Sanierung des Wildunger Schlachthofes noch nicht fertig – zumindest nicht öffentlich. „Es liegt im Kreis vor, wenn auch nicht offiziell bestätigt“, meinte Bürgermeister Ralf Gutheil.

Keine der anderen Fraktionen im Parlament widersprach den Freien Wählern im Grundsatz, auch was die Vorteile eines Neubaus angeht. Alle wollen regionale Produkte von hoher Qualität und kurze Wege für die Tiere„Allerdings kommt der Antrag zu früh“, sagte CDU-Fraktionschef Marc Vaupel. Sein SPD-Amtskollege Walter Mombrei forderte, beim Landkreis auf rasches Übersenden des Gutachtens zu drängen, „damit unser Finanzausschuss über die Ergebnisse beraten kann“. Stefan Schraps (FDP) hieb in dieselbe Kerbe, „damit wir gegenüber dem Landkreis nicht ein falsches Signal setzen, dass wir vorpreschen.“

Nachbarkreise und -kommunen zahlen nichts für Wildunger Schlachthof

Denn in einem waren sich alle in der Stadtverordnetenversammlung einig: ein regionaler Schlachthof ist ureigene Aufgabe des Landkreises – und wäre eigentlich ein Projekt, an dem sich benachbarte Kommunen und Landkreise beteiligen müssten: im Interesse ihrer eigenen Direktvermarkter und Metzger, im Interesse des Kulturgutes „Ahle Worscht“. So hatten es die Fritzlarer Stadtverordneten jüngst in einer Resolution zum Erhalt des Wildunger Schlachthofes formuliert.

Mehr als wohlfeile, warme Worte wollten aber weder die Domstadt noch der Schwalm-Eder-Kreis beisteuern, beklagte Mombrei. Damit verwies er auf das Krisentreffen mit den Nachbarn kurz nach demAmmoniak-Unfall. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte damals dazu eingeladen. Seinerzeit war dem Vernehmen nach auch über die Möglichkeit eines Neubaus an anderem Standort gesprochen worden. „Fünf Millionen Euro würde das mindestens kosten“ meinte Mombrei Doch keinen Cent wollten die Nachbarn locker machen, nicht einmal private Unternehmen, die zu den Haupt-Nutznießern zählten.

Stadt Wildungen will Schlachthof nie mehr selbst betreiben

Abgesehen von der Frage, ob eine Sanierung oder ein Neubau sinnvoller wäre, zeichnete sich in der Wildunger Stadtverordnetenversammlung am Montag große Einigkeit in einem zweiten, entscheidenden Punkt ab: Die Stadt Bad Wildungen kann nicht in Eigenregie einen Schlachthof für die Region unterhalten.

Ein mögliches, öffentlich-rechtliches Betreibermodell möge statt dessen der Landkreis entwickeln. Das war die dominierende Ansicht, die in den Stellungnahmen zum Ausdruck kam. „Wenn man den Schlachthof in private Hand geben will, wird es keine Zuschüsse aus Förderprogrammen geben“, war sich Mombrei sicher. Aber selbst der Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte in seiner Initiative von vornherein deutlich gemacht, dass er keinesfalls als Betreiber eines solchen Betriebes auftritt.

Einstimmig beschlossen die Wildunger Stadtverordneten am Montag, das Thema zu überweisen: in den Haupt- und Finanzausschuss zur Beratung.

Landkreis wollte nie Schlachthof-Neubau in Wildungen

Bis das Gutachten zu den Sanierungskosten für den Wildunger Schlachthof tatsächlich in der Badestadt vorliegt, dauert es wohl noch. „Erst nach Auswertung der Experteneinschätzung kann das Gutachten mit allen Beteiligten erörtert werden“, schreibt Landrat Dr. Reinhard Kubat in seiner Antwort auf eine Presseanfrage. Dann gelte es, zu einer gemeinsamen Entscheidung zu kommen. Aber: „Der Neubau eines Schlachthofes ist seitens des Landkreises zu keinem Zeitpunkt in Erwägung gezogen worden. Es ging stets lediglich darum, den gegenwärtigen Betreibern bei der Behebung derbaulichen und technischen Mängel mit unter die Arme zu greifen“, unterstreicht Kubat.

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