Therapiezentrum für außerklinische Beatmung

Neue Versorgungsform für maschinell beatmete Patienten an Wildunger Stadtklinik

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Zwei Drittel der maschinell und über eine Kanüle nach Luftröhrenschnitt beatmeten Patienten schaffen es wieder, selbst atmen zu lernen.

Die Wildunger Stadtklinik beteiligt sich an einem Pilotprojekt der hessischen AOK auf dem Feld der künstlichen Beatmung.

Bad Wildungen – Maschinelles Beatmen gehört zum Alltag in der Intensivmedizin, ob bei Unfallopfern, frisch Operierten oder Schwerkranken. 

Der Patient soll aber im Verlauf der Behandlung möglichst wieder vom Automaten entwöhnt werden und selbstständig atmen. Doch das funktioniert häufig nicht so einfach, und deshalb testet die AOK in einem Pilotprojekt eine neue Versorgungsform: das „Therapiezentrum für außerklinische Beatmung“, kurz TAB.

In Gestalt der Asklepios-Stadtklinik und des Arolser Krankenhauses nehmen zwei Akut-Krankenhäuser aus Waldeck-Frankenberg an diesem Pilotprojekt teil. Außerdem sind eine Pneumologische (Lungenheilkundliche) Klinik in Waldhof Elgershausen, die Kliniken des Main-Taunus-Kreises und die Lungenfachklinik Immenhausen im Landkreis Kassel mit im Boot.

Der Ansatz der Krankenkasse nach eigener Auskunft: Direkt angeschlossen an die Kliniken sollen die Patientinnen und Patienten in einer nicht-klinischen Atmosphäre von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden. Die äußeren Umstände sollen sich am Leben in einer Wohngemeinschaft orientieren.

„Hintergrund ist, dass eine solche Entwöhnung in den speziellen, so genannten Weaning-Zentren der Kliniken praktisch auf vier Wochen begrenzt ist“, erklärt Stephan Gill von der Pressestelle der AOK Hessen. Binnen dieses Zeitraums schafften viele Patienten den Absprung von der Maschine aber nicht. Wenn sie im Anschluss zu Hause, in einer Wohngruppe oder einer stationären Pflegeeinrichtung lebten, liefen selten weitere Versuche, sie zu entwöhnen.

Diese Versorgungslücke sollen die TABs schließen, um mehr Patienten als bisher das selbstständige Atmen wieder zu ermöglichen. Fachkundige Therapiekräfte, geschultes Pflegepersonal und Fachärztinnen sollen die Kranken in den TABs eingehend auf die Entwöhnung einstellen. Dabei werde der Alltag im Therapiezentrum „sehr individuell auf den Patienten und seine Familie ausgerichtet“, schreibt die Krankenkasse auf ihrer Homepage. Dazu zähle auch, Angehörige intensivpflichtiger Menschen zu schulen und anzuleiten für einen Pflegealltag daheim.

Die Nähe zu den Kliniken bietet die Sicherheit rascher Hilfe, falls eine erneute stationäre intensivmedizinische Behandlung nötig sein sollte. Vier der fünf Kliniken aus dem Pilotprojekt betreiben zertifizierte Weaning-Zentren (Entwöhnung heißt auf Englisch Weaning). Dazu zählt die Asklepios-Stadtklinik. Einzige Ausnahme ist das Arolser Krankenhaus, „aber es erfüllt dennoch die nötigen Voraussetzungen für die TABs“, fügt Stephan Gill hinzu.

Jedes einzelne der fünf TABs ist laut Gill auf drei Betten angelegt. So stehen in der Pilotphase in Hessen insgesamt 15 TAB-Plätze für Patienten zur Verfügung.

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