„Offenes Sommer-Atelier“ · Wladimir Olenburg über die Kunst im öffentlichen Raum

Ist Kunst mehr als Dekoration?

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Gibt‘s Platz für echte Kunst oder kommt etwas von der Stange? Einer der neuen Wildunger Kreisel.

Bad Wildungen - Eigentlich wollte der Wildunger Künstler Wladimir Olenburg an dem Projekt „Offenes Sommer-Atelier“ nicht teilnehmen. „Was soll ich zeigen ?“, fragte Olenburg zunächst. „Meine Arbeiten sind ja fast alle nur im öffentlichen Raum zu finden.“

Nun macht der in Oderhausen lebende Künstler doch mit, weil er sich überlegt hat: „Es wäre schön, wenn es gelingt, an mehreren Tagen mit interessierten Bürgern der Stadt über das Thema Kunst ins Gespräch zu kommen, über die Fragen: Was kann Kunst sein?, was kann sie bewirken? und: Erschöpft sich Kunst in Dekoration?“

Viel Unverständnis

Olenburg befasst sich seit drei Jahrzehnten als freischaffender bildender Künstler mit Kunst in der Architektur und im öffentlichen Raum. „In der Regel trifft man in Sachen Kunst im öffentlichen Raum auf Unverständnis und Ablehnung in breiten Schichten der Bevölkerung“, hat er erfahren. Durch eine Diskussion über Kunst stelle sich allerdings zuweilen eine gewisse Offenheit ein. Wladimir Olenburg begrüßt es, dass in Bauprojekten des Bundes seit einigen Jahren wieder Kunst zu finden sei. In Landkreisen und Kommunen sei dies allerdings noch immer die Ausnahme - stets stehe das Argument „leere Kassen“ dabei als Begründung an erster Stelle. „Das trifft aber kaum zu, da der Etat für Kunst meist verschwindend klein ist“, kommentiert Olenburg.

Viele Kommunen seien der Ansicht, offen für Kunst zu sein. Das treffe aus seiner Sicht für Bad Wildungen in vielerlei Hinsicht zu. Das Angebot sei durch das Engagement und die Initiative Einzelner im Vergleich zu anderen gleichgroßen Kommunen sehr gut. Dabei hob er als positives Beispiel die Arbeit des Kulturbeauftragten und Museumsleiters Bernhard Weller im institutionellen Raum hervor.

Seit Jahren auf der Stelle

„In Sachen Kunst im öffentlichen Raum tritt die Stadt seit vielen Jahren auf der Stelle“, zieht Olenburg jedoch Bilanz. Absichtsbekundungen seitens der Politik zugunsten der Kunst bei Baumaßnahmen folgten meist keine Taten. Einige Parteien hätten die Förderung der Kunst auch beiläufig in ihrem Programm zur vergangenen Lokalwahl erwähnt, es dabei aber dann belassen.

Der Sinn und die Funktion des städtischen Kulturausschusses verschließe sich dem Künstler. Er erwarte von dem Gremium Ideen und Visionen. „Ich glaube allerdings, dass der Ausschuss leider nur eine vordergründige Idee von Verwaltung und Politik war und ist. Aus Sicht Olenburgs „eine leider vertane Chance“. Gerade bei Scharnier und Stadtring eröffne sich die Möglichkeit, Kunst und Iden-tifikationsstiftendes nachhaltig zu verbinden - beispielsweise auf den Kreiseln. Bei den Info-Veranstaltungen zu diesen Umbauprojekten sei bei den Bürgern Kunst ins Spiel gebracht worden und Thema gewesen. Getan habe sich bisher nichts.

Olenburg glaubt, dass weder Verwaltung noch Politik irgendein Interesse an diesem Thema haben und in dieser Richtung nichts unternehmen. „Dabei hätte man wunderbar parallel zur Baumaßnahme Kunst in Auftrag geben können, alles wäre in einem Rutsch hingegangen, und die Stadt hätte durch Synergieeffekte einige Tausend Euro gespart.“ Wladimir Olenburg vermutet nach dem Studium der Pläne des Scharniers, dass dort jetzt Wassertechnik von der Stange installiert wird, „und das ist keine Kunst.“

Weiter vermutet Olenburg, dass wohl auch bei den Kreiseln Kunst nicht stattfinde; hier komme wahrscheinlich wieder das Argument Geld ins Spiel.

Olenburg: „Der Wille, Kunst zu verwirklichen, ist noch nie am Geld gescheitert. Und genau an diesem Punkt macht sich fest, ob eine Kommune ernsthaft dazu bereit ist, Kunst im öffentlichen Raum zu realisieren oder nicht“.

Jetzt ist der Künstler Wladimir Olenburg gespannt, ob er zu seinen Gesprächen „Sommer auf der Terrasse“ während der Aktion „Offenes-Sommer-Atelier“ auch den einen oder anderen Politiker begrüßen kann. (szl)

Hintergrund

Unter dem Titel „Im Sommer auf der Terrasse“ öffnet Wladimir Olenburg sein Atelier jeweils mit einem Thema: am 24. August „Kunst im öffentlichen Raum“, am 7. September „Ist Kunst Dekoration?“ und am 28. September „Das schöne Leben der Künstler“, immer ab 19 Uhr bis open end. Anmeldung erforderlich. ?Wladimir Olenburg lädt zu lockeren Gesprächen über Kunst bei Wein und Brot ?auf seine Terrasse ein. Der Künstler ist sehr engagiert, ob als Organisator von Kunstprojekten, als Vorstandsmitglied im Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler oder als Mitglied ?im Kunstbeirat der Stadt Kassel. Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeiten sind ?Kunst im öffentlichen Raum, Kunst am Bau, Installationen und Objekte. Kontakt: Am Hang 3, Bad Wildungen, Mail: olenburg?@t-online.de, Telefon 05621/?960151.(r)

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